| Salzburger Nachrichten am 11. Juni 2002 - Bereich: kultur
Zentrum der Fotografie
Die Fotosammlung des Bundes und jene des Rupertinums werden in Salzburg
vereinigt. Der Vertrag wurde am
SALZBURG (SN-hb). Es ist noch nicht lange her, dass es Bestrebungen gegeben hat, die in Salzburg situierte Fotosammlung des Bundes nach Wien zu ziehen. Die Albertina, hieß es, sei eine passende Adresse. Dort war Klaus-Albrecht Schröder, zugleich (und, nach Auskunft von LH Schausberger, immer noch) Museumsberater des Landes Salzburg, Direktor geworden. Es gab, so bekannte Schausberger am Montag bei der offiziellen Vertragsunterzeichnung ein, Bestrebungen, dass die Sammlungen auseinander gerissen werden. Die Lage war "ernst", nun aber habe man die "Zerschlagung verhindert". Für Kunststaatssekretär Morak (ÖVP) wurde damit "eine optimale Lösung für die Fotografie in Österreich" gefunden. Man hole damit endlich auf und könne zeigen, dass die Kunstgattung Fotografie den Stellenwert auch hierzulande erhält, der ihr weltweit schon zukommt. Der Standort sei auch ein "Signal" für größeren kulturellen Föderalismus: mehr Kulturinstitutionen in den Ländern anzusiedeln.
SN SPEZIAL
FOTOGRAFIE
Das "Investment" des Bundes (für 2002: 98.000 Euro) werde, so Morak, weitergehen, damit die Sammlung nicht nur digitalisiert, gepflegt, präsentiert, sondern auch erweitert werden kann. In diesem Sinne argumentierte auch Kulturlandesrat Othmar Raus: Für das gesamte Rupertinum müsse Sorge getragen werden, dass "räumlich und inhaltlich weiter investiert wird". Agnes Husslein, die Direktorin des Rupertinums, betonte, dass es keine eigene "Fotogalerie" in ihrem Haus geben werde, sondern dass einmal beide Häuser, das derzeitige Stammhaus und das "Museum am Berg", ein gemeinsames "Museum zeitgenössischer Kunst" sein werden. Für Fotopräsentationen wird ständig ein Stockwerk des Rupertinums zur Verfügung stehen, Fotoausstellungen werde es aber auch "am Berg" geben. Mit mehr als 15.000 Exponaten von rund 200 Künstlern ist die "Österreichische Fotogalerie" die bedeutendste und umfassendste nationale Sammlung zeitgenössischer Autorenfotografie in Österreich; Sammlungsschwerpunkt ist die Zeit ab 1945. Leiterin ist seit 1985 Margit Zuckriegl, die nicht nur aus den Beständen Ausstellungen im In- und Ausland bestückt, sondern immer wieder bedeutende Präsentationen nach Salzburg holt, derzeit August Sanders Menschenbilder (siehe unten).
Staatssekretär: "Jein"
Am Rande der Pressekonferenz sagte Kunststaatssekretär Morak den SN zur Frage nach einer Bundesunterstützung des Hollein-Projekts "im Mönchsberg", dass man zunächst die Antworten auf die Betreibergesellschaft und die Prü-fungsergebnisse des Landes abwarten müsse. Wie Finanzminister Grasser (FPÖ) betonte aber auch Morak, dass der Bund schon überproportionale Beiträge zur Infrastruktur in Salzburg (Stadion, Museum "am Berg", Sanierung und Umbau der Festspielhäuser) leiste. Wenn Holleins Projekt eher eine "Kunsthalle" würde, dann müsse man dies auch im "österreichischen Kontext" sehen. Die Kunsthallen in Bregenz, Krems, Wien seien reine Landes- und Stadtangelegenheiten. Einzelne Ausstellungsprojekte zu fördern, sei von Fall zu Fall denkbar, aber nur dann, wenn die österreichische Komponente deutlich erkennbar sei. Er sei als Staatssekretär "für die österreichische Kunstszene da". Bekanntlich haben vorderhand auch Bundeskanzler Schüssel und Ministerin Gehrer dem Hollein-Projekt eine Absage erteilt.
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