Seit 29 Jahren trotzen sie Wind und Wetter.
Lassen zu, dass Kinder auf ihnen klettern, Teenager ihre erste
Zigarette rauchen und Spaziergänger sich in ihrem Schatten erholen. Die
Skulpturen des forum metall im Linzer Donaupark sind Teil der Stadt
geworden. 1977 sorgten sie noch für Empörung und Aufmerksamkeit, nun
gehören sie zum Bild der Stahlstadt an der Donau. Und in einem Alter,
in dem sich manch junge Amerikanerin dem ersten Face-Lift unterzieht,
wurden nun auch sie generalüberholt und erstrahlen in neuem Glanz.
Wenige Schritte weiter gesellten sich nun
auch ihre weniger wetterfesten Kollegen zu ihnen: Die
Skultpurensammlung der Neuen Galerie Linz war lange Zeit in einem kaum
adäquaten Rahmen untergebracht: einem Einkaufszentrum. Jahrzehntelang
war das "Lentia 2000" Sitz der Neuen Galerie Linz.
Aus der Neuen Galerie wurde 2003 das Kunstmuseum Lentos, aus der
Shopping-Mall in Urfahr ein Gebäude, das selbst wie ein
Ausstellungsobjekt wirkt. Hier kommen sie zusammen, die Indoor- und
Outdoor-Skulpturen: "Ein gemeinsamer Ort" heißt auch die Ausstellung,
die bis 5. November eine Auswahl der 450 Objekte zählenden
dreidimensionalen Sammlung zeigt. "Ein Zwischenresultat" 50-jährigen
Sammelns – vom Neue Galerie-Gründer Wolfgang Gurlitt über seine
Nachfolger Walter Kasten und Peter Baum bis zur jetzigen
Lentos-Direktorin Stella Rollig.
Kunst im Baumarkt
Skulpturen und Plastiken brauchen Platz, sie machen sich breit,
fordern Raum. Diesen haben sie in in den Weiten des Kunstmuseum Lentos
auch gefunden. Kuratorin Brigitte Neuterer machte aus der Kühle der
hohen grauen Räume einen lebendigen Ort. Wie ein Gartencenter oder
Baumarkt wirkt der weite Saal auf den ersten Blick. Große, kleine,
dunkle, bunte, schwere und filigrane Objekte sind hier auf Holzpaletten
angeordnet. In verschiedenen Höhen und Größen – als würde gleich ein
Gabelstapler um die Ecke biegen und eines abholen.
Heim, Natur und Neues
"Nicht viel weniger als eine Privatsammlung ist auch die eines
Museums von subjektiven Bewertungen, Vorlieben und Zufällen geprägt . .
.", schreibt Direktorin Stella Rollig im Sammlungskatalog, der mit
Beginn der Ausstellung erschienen ist. Im Lauf der Jahre ist ein breit
gefächerter Skulpturenpark aus großteils österreichischen und auch
internationalen Werken entstanden.
Die Auswahl wird in sieben Schwerpunkten präsentiert, die ineinander
übergehen und überleiten. "Surroundings" etwa zeigt den Menschen und
sein Umfeld: wie in Dorothee Golz’ "Lebensentwurf" Tisch und Sessel aus
Eisen und fasrigem Polyester, das gleiche Thema zwei Schritte weiter:
Anselm Glücks bunte Strichmännchen entdecken die dritte Dimension und
breiten sich auf einem Holztischchen aus. Das Ausbreiten ist auch
Eigenschaft der Natur, der ein anderer Teil der Schau gewidmet ist: Ein
tönerner "Wanderweg" (Thomas Stimm) oder "Marabu", eine Installation
aus Holz, Federn, Steinen und Ölfarbe. Die Vielfalt und der
Abwechslungsreichtum ist groß – so schafft man es auch, den Bogen von
Neuerwerbungen wie Julie Haywards "Sublimator" zu älteren Stücken wie
Rini Tandons wuchtiger Eisenskulptur, die man 1989 kaufte, zu spannen.
Oder Roland Goeschls "Redner in Rot und Blau" – der eindrucksvolle
Knubbel-Mensch blickt hinüber zu Alfred Hrdlickas "Gladiator" oder
Stephan Balkenhols "Mann mit grauer Hose und blauem Hemd", der als
höchster Punkt den Raum überblickt.
Wer sich von der dreidimensionalen Vielfalt in die künftige
Kulturhauptstadt locken lässt, kann sein Kunstprogramm beliebig
erweitern: Im Lentos wird seit 29. September bis 14. Jänner mit
"Kämpfer, Träumer und Co." die erste umfassende Museumsausstellung von
Johanna und Helmut Kandl gezeigt.
Die Landesgalerie zeigt bis 19. November Werke des Fotokünstlers
Gregory Crewdson und Keramikkunst von Franz Josef Altenburg. Und im
Linzer Landestheater, das seit dieser Saison unter der Intendanz von
Rainer Mennicken steht, feiert etwa am 25. Oktober Shakespeares "Maß
für Maß" Premiere.
Ein gemeinsamer Ort
Skulpturen, Plastiken,
Objekte
Lentos Kunstmuseum Linz
Täglich außer Di 10 - 18 Uhr
Bis 5. November
http://www.lentos.at
Abwechslungsreich.
Montag, 02. Oktober 2006