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Kunstberichte

Macht Platz für die dritte Dimension

Das Linzer Kunstmuseum Lentos zeigt mit "Ein gemeinsamer Ort" Objekte aus seiner Skulpturensammlung
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- Draußen: „Strömung“ von Erwin Reiter und drinnen . . .

Draußen: „Strömung“ von Erwin Reiter und drinnen . . .

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- . . . Stephan Balkenhols Mann aus Holz.  Fotos: Lentos /Haider

. . . Stephan Balkenhols Mann aus Holz. Fotos: Lentos /Haider

Von Julia Urbanek

Seit 29 Jahren trotzen sie Wind und Wetter. Lassen zu, dass Kinder auf ihnen klettern, Teenager ihre erste Zigarette rauchen und Spaziergänger sich in ihrem Schatten erholen. Die Skulpturen des forum metall im Linzer Donaupark sind Teil der Stadt geworden. 1977 sorgten sie noch für Empörung und Aufmerksamkeit, nun gehören sie zum Bild der Stahlstadt an der Donau. Und in einem Alter, in dem sich manch junge Amerikanerin dem ersten Face-Lift unterzieht, wurden nun auch sie generalüberholt und erstrahlen in neuem Glanz.

Wenige Schritte weiter gesellten sich nun auch ihre weniger wetterfesten Kollegen zu ihnen: Die Skultpurensammlung der Neuen Galerie Linz war lange Zeit in einem kaum adäquaten Rahmen untergebracht: einem Einkaufszentrum. Jahrzehntelang war das "Lentia 2000" Sitz der Neuen Galerie Linz.

Aus der Neuen Galerie wurde 2003 das Kunstmuseum Lentos, aus der Shopping-Mall in Urfahr ein Gebäude, das selbst wie ein Ausstellungsobjekt wirkt. Hier kommen sie zusammen, die Indoor- und Outdoor-Skulpturen: "Ein gemeinsamer Ort" heißt auch die Ausstellung, die bis 5. November eine Auswahl der 450 Objekte zählenden dreidimensionalen Sammlung zeigt. "Ein Zwischenresultat" 50-jährigen Sammelns – vom Neue Galerie-Gründer Wolfgang Gurlitt über seine Nachfolger Walter Kasten und Peter Baum bis zur jetzigen Lentos-Direktorin Stella Rollig.

Kunst im Baumarkt

Skulpturen und Plastiken brauchen Platz, sie machen sich breit, fordern Raum. Diesen haben sie in in den Weiten des Kunstmuseum Lentos auch gefunden. Kuratorin Brigitte Neuterer machte aus der Kühle der hohen grauen Räume einen lebendigen Ort. Wie ein Gartencenter oder Baumarkt wirkt der weite Saal auf den ersten Blick. Große, kleine, dunkle, bunte, schwere und filigrane Objekte sind hier auf Holzpaletten angeordnet. In verschiedenen Höhen und Größen – als würde gleich ein Gabelstapler um die Ecke biegen und eines abholen.

Heim, Natur und Neues

"Nicht viel weniger als eine Privatsammlung ist auch die eines Museums von subjektiven Bewertungen, Vorlieben und Zufällen geprägt . . .", schreibt Direktorin Stella Rollig im Sammlungskatalog, der mit Beginn der Ausstellung erschienen ist. Im Lauf der Jahre ist ein breit gefächerter Skulpturenpark aus großteils österreichischen und auch internationalen Werken entstanden.

Die Auswahl wird in sieben Schwerpunkten präsentiert, die ineinander übergehen und überleiten. "Surroundings" etwa zeigt den Menschen und sein Umfeld: wie in Dorothee Golz’ "Lebensentwurf" Tisch und Sessel aus Eisen und fasrigem Polyester, das gleiche Thema zwei Schritte weiter: Anselm Glücks bunte Strichmännchen entdecken die dritte Dimension und breiten sich auf einem Holztischchen aus. Das Ausbreiten ist auch Eigenschaft der Natur, der ein anderer Teil der Schau gewidmet ist: Ein tönerner "Wanderweg" (Thomas Stimm) oder "Marabu", eine Installation aus Holz, Federn, Steinen und Ölfarbe. Die Vielfalt und der Abwechslungsreichtum ist groß – so schafft man es auch, den Bogen von Neuerwerbungen wie Julie Haywards "Sublimator" zu älteren Stücken wie Rini Tandons wuchtiger Eisenskulptur, die man 1989 kaufte, zu spannen.

Oder Roland Goeschls "Redner in Rot und Blau" – der eindrucksvolle Knubbel-Mensch blickt hinüber zu Alfred Hrdlickas "Gladiator" oder Stephan Balkenhols "Mann mit grauer Hose und blauem Hemd", der als höchster Punkt den Raum überblickt.

Wer sich von der dreidimensionalen Vielfalt in die künftige Kulturhauptstadt locken lässt, kann sein Kunstprogramm beliebig erweitern: Im Lentos wird seit 29. September bis 14. Jänner mit "Kämpfer, Träumer und Co." die erste umfassende Museumsausstellung von Johanna und Helmut Kandl gezeigt.

Die Landesgalerie zeigt bis 19. November Werke des Fotokünstlers Gregory Crewdson und Keramikkunst von Franz Josef Altenburg. Und im Linzer Landestheater, das seit dieser Saison unter der Intendanz von Rainer Mennicken steht, feiert etwa am 25. Oktober Shakespeares "Maß für Maß" Premiere.

Ein gemeinsamer Ort

Skulpturen, Plastiken,

Objekte

Lentos Kunstmuseum Linz

Täglich außer Di 10 - 18 Uhr

Bis 5. November

http://www.lentos.at

Abwechslungsreich.

Montag, 02. Oktober 2006


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