MARTIN BEHR GRAZ (SN). Einen Demonstrationsrucksack gefällig? Eine mobile Widerstandsausrüstung zum Ausborgen, mit Megafon, leeren Transparenten, Spraydosen, und allem, was sonst noch dazu gehört? Zur Eröffnung der neuen Räumlichkeiten des Grazer Kunstvereins <rotor> präsentiert der in Frankfurt geborene Künstler Nasan Tur unterschiedlichstes Rucksack-Equipment, zum Ausleihen, Tragen und Verwenden im öffentlichen Raum gedacht: Rednerrucksack, Kochrucksack, Sabotagerucksack. Nasan Turs Arbeit "Backpack" ist eine der pointiertesten Positionen in der Freitagabend eröffneten <rotor>-Ausstellung "Land of Human Rights: Hier und jetzt die Stimme erheben".
"In einer Welt der Bilder ist Sichtbarkeit zur politischen Notwendigkeit geworden", erklären <rotor>-Betreiber Margarethe Makovec und Anton Lederer. Wer etwas verändern wolle, müsse gehört und vor allem auch gesehen werden. "Land of Human Rights" ist ein 3-Jahres-Vorhaben von <rotor> und befasst sich mit dem Recht auf Meinungsfreiheit und freier Meinungsäußerung. "Wir zeigen jetzt künstlerische Arbeiten, die das Recht aller Menschen aufgreifen, sich oder einer bestimmten Sache Gehör zu verschaffen", erklären Makovec/Lederer.
Das von der EU und internationalen Kunstinstitutionen unterstützte Projekt agiert im Dienst der von Pierre Bourdieu formulierten "neuen europäischen Aufklärung": "Land of Human Rights will darüber informieren, dass auch in Europa in vielen Bereichen die Einhaltung der Menschenrechte nicht gewährleistet ist." Was für Europa gelten mag, gilt auch für die USA. Der österreichische Künstler Oliver Ressler imitiert in seinem Projekt "Fly Democracy" den auch von amerikanischen Truppen im Kriegsfall praktizierten Abwurf von Flugblättern, in denen feindliche Soldaten zum Desertieren motiviert werden. Die ungarische Gruppe Ruga Negra wiederum errichtete in einem tempelartigen Gebäude ihre "Sammlung der Fäuste": die geballte Faust als Symbol der Arbeitermacht ist in unterschiedlichen Facetten zu sehen, von agitatorisch bis modisch.
Der in Mailand lebende Albaner Adrian Paci zeigt ein Standbild seines poetischen Videos "Turn on", welches auf der Biennale von Venedig beeindruckt hatte. Die auf Stufen in Shkodra sitzenden arbeitslosen Männer haben über Stromgeneratoren Glühbirnen zum Leuchten gebracht. Dies ist nicht nur eine Metapher für die instabile Infrastruktur, auch ein leuchtendes Sinnbild für soziale Ungerechtigkeiten im Land. Nomeda & Gediminas Urbonas aus Litauen dokumentieren ein spannendes Protestlabor, welches sich in einem aufgelassenen Kino in Vilnius etabliert hat. (Bis 16. 2.)







