Ein Hindernislauf

Das Wiener Kulturamt hält an seiner ungebrochenen Unterstützung für die umstrittene Netzkunst-Institution fest.


"Uns ist Public Netbase wichtig. Es ist eine wichtige Institution im Bereich der Neuen Medien. Aus diesem Grund haben wir in diesem Jahr auch die Subventionen von einer auf drei Millionen Schilling (Euro 218.018,50) erhöht." Das bestätigte Saskia Schwaiger, Sprecherin des Wiener Kulturstadtrates Andreas Mailath-Pokorny (S) Ende Jänner dieses Jahres auf Anfrage der APA.

Wechsel im Museumsquartier?

Am Tag davor hatte Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S) bei seiner wöchentlichen Pressekonferenz davon gesprochen, es sei zu überlegen, ob Public Netbase nicht "in die Selbstständigkeit zu entlassen" und im Museumsquartier einem anderen Starter Platz machen solle.

"Sichere Zukunft" im MQ

"Wir hatten gemeinsam mit den anderen Nutzern des Museumsquartiers ein sehr gutes Gespräch mit dem Kulturstadtrat", so Public-Netbase-Leiter Konrad Becker damals zur APA. "Er hat die anstehenden Probleme sehr ernsthaft gewürdigt und versprochen, sich für ihre Lösung einzusetzen. In unserer Angelegenheit hat er gemeint, die Schwierigkeiten wäre zu bereinigen und auch politisch zu lösen." Er habe keinen Grund, an dieser Absichtserklärung zu zweifeln, obendrein gebe es zwei gültige Gemeinderatsbeschlüsse, die sich auf eine "sichere Zukunft von Public Netbase im Museumsquartier" bezögen.

Zahlungsunfähigkeit

Die Netzkulturinitiative Public Netbase t0 ist zahlungsunfähig - das hatte Anfang vergangenen Dezember die Tageszeitung Der Standard berichtet. "Das ist leider richtig", bestätigte Leiter Konrad Becker damals gegenüber der APA. Der "Liquiditätsspielraum ist ausgeschöpft, wir können keine Gehälter ausbezahlen". Da der Schritt, die "Mitarbeiter zu entlassen und die Internetprovider-Dienste einzustellen, unwiderruflich ist, versuchen wir den Betrieb bis zum letzten Moment aufrechtzuerhalten". Doch das werde "von Tag zu Tag grimmiger".

Mailath-Zusage

"Unsere Mitarbeiter sind ja leidgeprüft. Jetzt vor Weihnachten zählt das aber doppelt, würde ich sagen", so Becker. Public Netbase hatte vom Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) die Zusage, dass die Basisförderung durch die Stadt Wien auf drei Millionen Schilling für 2001 (und 2002) verdreifacht wird. Jedoch werde Public Netbase auch nach erhoffter "raschest möglicher Auszahlung" der 3 Millionen "nicht liquid. Obwohl wir auf die Notbremse gestiegen sind, gibt es 2001 mindestens 2 Millionen Schilling Ausgänge, die nicht abgedeckt sind". Die eine Million Schilling, die nach Abdeckung dieser Ausstände übrig bliebe, "reicht höchstens für ein paar Wochen".

Hoffnung auf Hilfe

Die Hoffnung von Public Netbase richte sich auf den 15. Jänner 2002, an dem der Beschlussantrag der Grünen zur Sicherung von Public Netbase beantwortet werde, so Becker. "Spätestens dann müssen sich der Kulturstadtrat und der Bürgermeister outen, wie sie mit uns umgehen werden. Wir werden alles tun, diesen Zeitpunkt zu erleben".

Muttonen-Appell an Morak

Auf Bundesebene hatte damals die SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen in einer Aussendung an Kunststaatssekretär Franz Morak (V) appelliert, "konstruktiv zu einem Weiterbestand der Netzkulturinitiative Public Netbase beizutragen". Morak lasse eine der engagiertesten Institutionen "der österreichischen Netzavantgarde offenen Auges in den Ruin laufen".

Der "Umgang der Bundesregierung mit den unabhängigen österreichischen Netzkultur-Initiativen" sei "beschämend für ein Land, das sich Kulturnation nennt". 1999 hatte es vom Bund für Public Netbase 2,3 Millionen plus Projektförderungen gegeben, 2000 und 2001 waren es je eine Million.

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