"Wir Russen sind nur mehr in einer Welt, wo die Zerstreuung eine Ideologie ist, das Schauspiel zum Inhalt des Lebens wird und die Werbung die eigentliche Psychologie ist": Das schreibt Galeristin Elena Kirchberger-Egarmina zu ihrer aktuellen Gruppenschau mit deutlich ironischem Unterton, "Russlands dritte Avantgarde". Einen gemeinsamen Nenner haben alle, sie sind eine rein männliche Angelegenheit. Zur Einstimmung lässt Alexander Sigutin zehn Bretter-Bruchstücke mit Details unterschiedlicher russischer Klassiker als gemeinsames Bild Revue passieren (Die ausgewählte Stelle der russischen Avantgarde).
Auf kleinem Raum zeigen sich wesentliche Themen der russischen Kunst:
Nationalismus, Krieg, Konsum und Werbung, Religion und Geschichte. Das russische
Märchen wird von Alexander Savko upgedatet, der - und das ist auch ein
Stilmerkmal vieler russischer Künstler - auf ganz andere Art kitschige,
blutrünstige Schlachtenbilder im Stile des 19. Jahrhunderts macht. Keine
Soz-Art-Reminiszenzen kommen auf, sondern die Beschäftigung mit früheren
Bildtraditionen - siehe Ikonen - und der Nachkriegsgeschichte, deren triste
Schwarz-Weiß-Aufnahmen Vladimir Anselm auf Leintücher bannt.
Sergey Techovzov schafft Airbrush-Illusionen von Warengütern und
kopflosen, schaumstoffgeborenen Pin-ups. Tolle Vorboten für die derzeit in
Berlin ausgestellte MAK-Schau "Davaj" im Juni.
Galerie Karenina, 1.,
Opernring 21/12, Tel. (01) 581 02 52, 0664/140 92 92.; Bis 30. 4.
"Das Flüchtende des Augenblicks" hält Lore Heuermann - während
Performances oder Theateraufführungen - nicht mittels Fotoapparat, sondern
mittels kalligrafischer Zeichnungen, die zuweilen in meterlange Rollen ausarten,
fest. Anlässlich ihres 65. Geburtstages fertigte sie zu einem Theaterprojekt
eine Installation (rund um die Liebe) an, die wie die meisten ihrer Arbeiten die
Ästhetik und Philosophie asiatischer Länder widerspiegelt. "Der Raum erweitert
sich zu einer Beschreibung der Zeit" sagt folgerichtig ein chinesischer
Künstlerfreund über ihre Ästhetik. Finissage und Konzert/Performance mit Lore
Heuermann & Karin Hackl: "Visions of Kaya - Die Gesänge der Inanna" am
Samstag, 23. 3, 20 Uhr.
Projekttheater Studio, http://www.experimental-theater.com/, Burgg. 28-32.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. 3. 2002)
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derStandard.at