VN Fr, 28.11.2003

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Kultur 

Skulptur als Choreografie

Bildhauer Albrecht Zauner in der Galerie Hollenstein

Lustenau (VN-ag) "Denkraum" nennt der Bildhauer Albrecht Zauner die zentral platzierte Eisenskulptur mit ihrer rostroten Patina in seiner aktuellen Ausstellung in der Lustenauer Galerie Stephanie Hollenstein.

Nicht ohne Grund steht die Skulptur als Dreh- und Angelpunkt auf genau diesem Platz, an genau diesem Punkt, wo sich Blicke und Wege kreuzen. Albrecht Zauner hat den Raum in seiner Eigenschaft als Bildhauer begriffen.

Analog zu seinem skulpturalen Duktus, der weniger der groß ausschweifenden Geste, als vielmehr der Verinnerlichung einer Form gewidmet ist, setzt der 1962 in Lindau geborene, in Lustenau lebende und arbeitende Künstler sparsame, aber gezielte Akzente. Ausgangspunkt neben den ewig währenden Grundfragen der Bildhauerei nach dem Verhältnis von Raum und Fläche und den Übergängen von Figuration und Abstraktion ist und bleibt der Mensch. Darauf lassen auch die klassischen Akt-Bleistiftzeichnungen schließen, die die dreidimensionalen Werke im Raum sinnfällig und doch spannungsreich an den Wänden ergänzen. Entgegen den Zeichnungen, als "die Erfahrung des Raums in der Zweidimensionalität", bleibt der Bildhauer an das Material gebunden.

Im Fall von Zauner ist dies vor allem der Stein, aber auch Eisen und Bronze kommen zum Einsatz. Zudem ist die Bindung an das Material, als fest gefügte Verbindlichkeit, nur ein Aspekt dieser Arbeiten. Ihre Offenheit, der Ausdruck von Bewegung, ist ein anderer, vielleicht noch wichtigerer Aspekt der Werke. Albrecht Zauner spricht diesbezüglich von "offener Verbindlichkeit". Ein Paradoxon, das sich sowohl in der großen Skulptur "Wilhelm", die den Fluchtpunkt des zweiten Galerieraums bildet, als auch in den Formen der Eisenskulptur "Denkraum" aufzuheben scheint. Geprägt durch das Moment der Bewegung, eröffnen sich im Zusammenspiel mit dem Raum ständig neue Perspektiven und Blickwinkel. Wenn Bewegung auf diese Weise zur Form gerinnt, drängt sich analog dazu die Interpretation der Skulptur als Choreografie unmittelbar auf.

Die Ausstellung ist in der Galerie Hollenstein in Lustenau bis 14.Dezember zu sehen, geöffnet Freitag, 18 bis 21, Samstag, 17 bis 20, Sonn- und Feiertag, 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.

Arbeit von Albrecht Zauner. (Foto: Ariane Grabher)




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