Lustenau (VN-ag) "Denkraum" nennt der Bildhauer Albrecht Zauner
die zentral platzierte Eisenskulptur mit ihrer rostroten Patina in
seiner aktuellen Ausstellung in der Lustenauer Galerie Stephanie
Hollenstein.
Nicht ohne Grund steht die Skulptur als Dreh- und Angelpunkt auf
genau diesem Platz, an genau diesem Punkt, wo sich Blicke und Wege
kreuzen. Albrecht Zauner hat den Raum in seiner Eigenschaft als
Bildhauer begriffen.
Analog zu seinem skulpturalen Duktus, der weniger der groß
ausschweifenden Geste, als vielmehr der Verinnerlichung einer Form
gewidmet ist, setzt der 1962 in Lindau geborene, in Lustenau lebende
und arbeitende Künstler sparsame, aber gezielte Akzente.
Ausgangspunkt neben den ewig währenden Grundfragen der Bildhauerei
nach dem Verhältnis von Raum und Fläche und den Übergängen von
Figuration und Abstraktion ist und bleibt der Mensch. Darauf lassen
auch die klassischen Akt-Bleistiftzeichnungen schließen, die die
dreidimensionalen Werke im Raum sinnfällig und doch spannungsreich
an den Wänden ergänzen. Entgegen den Zeichnungen, als "die Erfahrung
des Raums in der Zweidimensionalität", bleibt der Bildhauer an das
Material gebunden.
Im Fall von Zauner ist dies vor allem der Stein, aber auch Eisen
und Bronze kommen zum Einsatz. Zudem ist die Bindung an das
Material, als fest gefügte Verbindlichkeit, nur ein Aspekt dieser
Arbeiten. Ihre Offenheit, der Ausdruck von Bewegung, ist ein
anderer, vielleicht noch wichtigerer Aspekt der Werke. Albrecht
Zauner spricht diesbezüglich von "offener Verbindlichkeit". Ein
Paradoxon, das sich sowohl in der großen Skulptur "Wilhelm", die den
Fluchtpunkt des zweiten Galerieraums bildet, als auch in den Formen
der Eisenskulptur "Denkraum" aufzuheben scheint. Geprägt durch das
Moment der Bewegung, eröffnen sich im Zusammenspiel mit dem Raum
ständig neue Perspektiven und Blickwinkel. Wenn Bewegung auf diese
Weise zur Form gerinnt, drängt sich analog dazu die Interpretation
der Skulptur als Choreografie unmittelbar auf.