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Kunstberichte

Mondäne Bühne des dritten Mannes

Das Wien Museum zeigt bis Februar 2007 die Ausstellung "Großer Bahnhof. Wien und die weite Welt"
Illustration
- In der Kassahalle des 1873 eröffneten zweiten Südbahnhofs.  Foto: Wien Museum

In der Kassahalle des 1873 eröffneten zweiten Südbahnhofs. Foto: Wien Museum

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Vor dem Museum werden Besucher bereits von der Dampflokomotive "Ilse" und einem Abstellgleis empfangen: Die Leihgaben aus dem Technischen Museum weisen schon auf eine Zusammenarbeit beider Institutionen hin – der Partner des Wien Museums präsentiert ab 12. Oktober das Auto und seine Geschichte im Wiener Stadtverkehr mit "Spurwechsel – Wien lernt Autofahren". Am Karlsplatz heißt es indessen "Großer Bahnhof. Wien und die weite Welt."

Eine Geschichte der Wiener Bahnhöfe ist auch eine Geschichte des Verschwindens. Des Verschwindens einer Architektur, die sich nun, nach 150 Jahren, noch einmal grundlegend ändern wird. Die Prestigebauten der Nachkriegszeit werden neuen Anforderungen weichen müssen. Längst ist das Flugzeug Transportmittel Nummer eins für weitere Strecken und längst sind die großen Hallen des Süd- und Westbahnhofs triste Unorte. Dabei waren sie ursprünglich durch ihre spezielle Beleuchtung und Infrastruktur gerade bei Nacht Aushängeschilder des Fortschritts. Trotz aller Nostalgie in Wien hat man den alten Bahnhofsgebäuden nie nachgeweint oder sie wegen ihrer teils namhaften Architekten unter Denkmalschutz gestellt. Immer wieder plante man bis zum Karls- oder sogar Stephansplatz per Zug vorzu dringen, doch die fünf wesentlichen Bahnhöfe wurden an den damaligen Stadtrand gebaut. Sie waren zwar im Wesentlichen Eisenkonstruktionen, täuschten aber Schlösser und Kathedralen vor – reine Ingenieursleistung ist auch im neuesten Projekt eines riesigen Zentralbahnhofs am Südtirolerplatz nicht ausreichend. Also wieder ein Prestigeprojekt, wie auch der neue Nordbahnhof "Wien – Europa Mitte".

Moderat modern

War, so gesehen, die funktionalistische Bauweise des Westbahnhofs von Robert Hartinger und Josef Wöhnhart 1950 bis 1954 nicht vielleicht "moderner", wenn auch, wie alle Bauten dieser Nachkriegsphase, "moderat modern"? Er gefiel allen und nun stört es auch kaum jemanden, wenn er überbaut wird oder im Fall des Südbahnhofs weichen wird. Die Vorgängerbauten blieben auf Fotografien und als Motive auf Tarockkarten erhalten.

In der Schau geht es aber weiterführend auch um all die Dinge, die mit der Bahn, dem Bahnhof zusammen hängen. Dabei hat man auch nicht auf Negativhinweise wie die Deportation der jüdischen Mitbürger vom Aspangbahnhof und die Fahrten ins Exil oder in den Krieg verzichtet. Ernst Haas' legendäre Heimkehrerserie ist ebenso vorhanden wie Barbara Pflaums erste Prominentenfotos.

Lisl Pongers und Leo Kandls Aufnahmen der tristen Lokale und Wartesäle hängen gegenüber frühen Werbeplakaten, Urlaub und Entspannung via Bahn und auf das Auto verzichtend anzutreten. Ein Slogan, der ja immer da war, obwohl der Bahnhof heute hauptsächlich von Pendlern frequentiert wird. Ihrer Lektüre widmet sich ein ausgestelltes Projekt, ein anderes den Hotels und Restaurants und der Bahnhofsseelsorge, die im 19. Jahrhundert gefährdete Mädchen aus der Provinz betreute. Es ist kein Claude Monet Gemälde in der Schau, aber die österreichischen Varianten eines Josef Danilowatz oder Anton Karlinsky zeigen die alten Bahnhöfe romantisch im Schnee und Nebel. Auch die zahlreichen Modelle, Plastiken und Objekte bis zu Ballspenden und Spielzeug sprechen verschiedenste Interessen an.

Großer Bahnhof.

Wien und die weite Welt

Wien Museum

Di bis So, 9 bis 18 Uhr

Bis 25. Februar 2007

Orte des Wandels.

Dienstag, 03. Oktober 2006


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