WOLFGANG ÖLZBREGENZ (SN). So viele internationale Pressevertreter wie zu Beginn der Schau "Re-Object" haben sich im Kunsthaus Bregenz in den zehn Jahren seines Bestehens selten gedrängt. Kein Wunder: Die drei Künstler Damien Hirst, Jeff Koons und Gerhard Merz sind jeder für sich bereits Publikumsmagneten. Und in der am vergangenen Sonntag eröffneten Ausstellung werden die Werke der drei mit dem Schaffen des Objektkünstlers Marcel Duchamp in Beziehung gesetzt.
Zum zehnten Geburtstag hat das Kunsthaus Bregenz und sein Direktor Eckhard Schneider eine neue Schiene gelegt: Gezeigt werden nicht nur zeitgenössische Personalen, sondern diesen werden kunsthistorischen Positionen gegenübergestellt. Zu dieser Art von Themenausstellung ist dem Kunsthaus zu gratulieren.
Damien Hirst hat seinen Tigerhai, den er vor der Küste von Australien hatte fangen lassen, in 20 Tonnen Formaldehydlösung eingelegt und in seiner ganzen Schrecklichkeit zum Kunstwerk mit dem Titel "Die physikalische Unmöglichkeit von Tod im Bewusstsein eines Lebenden" ("The Physical Impossibility of Death in the Mind of Someone Living") erhoben. Hirsts Hai allein ist eine Reise an den Bodensee wert. Vielleicht zum letzten Mal ist der Raubfisch für die Dauer der Schau in Europa zu sehen. Dann soll er zurück nach New York in eine Privatsammlung verfrachtet werden.
Jeff Koons zeigt in Bregenz u. a. den "Balloon Dog", ein aufblasbares Hündchen, das Koons monumental vergrößert und als Objekt der Begierde präsentiert. Gerhard Merz hat 395 Leuchtstoffröhren aneinander gereiht und zur Kunst erklärt.
Diesen Werken der großen drei liegt die Idee zu Grunde, vorgefundene Objekte als Kunst zu definieren. Diese stammt von Marcel Duchamp (1887-1968) und hat Generationen von Künstlern inspiriert. Duchamp hat einst einen Flaschenhalter oder ein Pissoir aus deren alltäglichen Kontext genommen und als so genannte Ready-Mades zu Kunstwerken erklärt.
Diese Arbeiten Duchamps seien nie - also anders als die verbreitete Meinung - für ein Museum bestimmt gewesen, sondern funktionierten nur in Duchamps New Yorker Wohnatelier, erläutert Herbert Molderings, Kurator der Werke Duchamps im Erdgeschoß des Kunsthauses. Also zeigt die Bregenzer Ausstellung lebensgroße Schwarz-Weiß-Fotografien des Ateliers.
Vater der Objektkunst und seine Enkel Alle heute verfügbaren Ready-Mades von Duchamp sind Repliken. Als der "Vater der Konzeptkunst" 1923 sein New Yorker Atelier aufgab und zurück nach Paris ging, landeten alle Originale auf dem Müll. Nach seinen Vorlagen wurden 1965, kurz vor seinem Tod, von ihm autorisierte Repliken hergestellt. Sie sind in Bregenz zu sehen.
Ein Schlüsselwerk dieser Ausstellung ist Duchamps "Fresh Window". Es stellt ein geschlossenes Balkonfenster dar. Duchamp schließt hier das Fenster der Renaissance, das einst den Blick in einen perspektivisch-illusionistischen Raum geöffnet hat, und erklärt dieses Fenster zum Kunstwerk. Internet: www.kunsthaus-bregenz.at






