Galerien live
Auf Gespeib und Verderb
(cai) Das muss dieser britische Humor sein. Das ist ja ungefähr so, wie
wenn sich fünf Mägen einem englischen Koch völlig ausliefern (auf
Gespeib und Verderb), die Magenbesitzer sogar feierlich geloben, alles
zu schlucken (großes Indianer-Ehrenwort!), und der Kerl bereitet dann
ein gepflegtes Wiener Schnitzel zu. Ertränkt es nicht einmal in Minzsoße .
Matthew Higgs (Kurator und gebürtiger Engländer) hätte die fünf
willigen Galerien in der Eschenbachgasse nach Belieben befüllen können
und hat sich trotzdem für eine eher schale Sache entschieden:
Stubenreinheit. Gegen die ist an sich nix einzuwenden (wenn etwa in der
Galerie Krobath Jan Groover und Eileen Quinlan mit dem Fotoapparat
"malen" und Erstere Stillleben "fotograpinselt", Letztere Farbvisionen
hat), aber ich hab mir halt was "Englisches" erwartet, also Kunst, die
nur kurz angebraten und daher noch blutig ist (quasi). Das Konzept, das
nicht so recht "zündet": Zwei Leute pro Galerie, und zwischen denen
liegt gut eine Generation. (Oh, wie bei Batman und Robin oder Tarzan
und Cheetah!)
Die prostkapitalistische Literatur (hicks!)
Na ja, immerhin weiß ich jetzt, dass die wahre Muse der Poesie Oinos
heißen muss (das griechische Wort für "Wein"). Karl Holmqvists längst
geleerte und als Kerzenständer benutzte Weinflasche mit dem Etikett
"Give Poetry a Try" legt das nahe. Ob seine oft banalen
Sprachspielereien "prostmodern" (oder gar "prost kapitalistisch ")
sind? Auf einem eh sehr nüchternen Bild steht nix als "This is
Jean-Paul." Ein Radikalporträt vom Belmondo? Sartre? Gaultier? (Äh, von
was für einem Pferd? Nein, nicht Gaul -Tier.
"Gotjee"! Wie in: "Einem geschenkten Gaultier schaut man nicht ins
Dekolletee.") Mit den obsessiven Maschinschreibblättern des Autisten
Christopher Knowles (Muster und Listen) ergibt das ein irgendwie
stimmiges Duett. (Galerie Janda.) Hat man sich dann endlich die ganze
Eschenbachgasse entlanggeschleppt, kehrt man doch noch in der Herberge
zur was-weiß-ich-wie-vielten Glückseligkeit ein: in der Galerie
Steinek. Aus Restln baut B. Wurtz charmante, verspielte (und dennoch
würdevolle) Häuschen. Oben drauf (wie die Pointe auf einem Witz): ein
Socken. Die kecken Bilder rundum könnten auch von ihm sein. Stammen aber vom viel jüngeren Noam Rappaport. (Was? Echt?)
Galerien Mezzanin, Janda, Krobath, Meyer-Kainer und Steinek
Eschenbachgasse 4 – 11
curated by_
Bis 6. Juni
Di. – Fr.: 12 – 18 Uhr Sa.: 11 – 15 Uhr
Printausgabe vom Mittwoch, 20. Mai 2009
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