Die schwarzen, buschigen Augenbrauen, die über die Nasenwurzel hinweg eins geworden sind, der zarte Oberlippenflaum, der direkte, starre, herausfordernde Blick, die symbolsatte Selbstinszenierung und die hemmungslose Innenschau sind jene Merkmale, mit denen sich Frida Kahlo (1907 - 1954) ins Gedächtnis der Kunstwahrnehmung geschnitzt hat.
In ihrer Heimat gehütet wie ein nationaler Schatz und in den USA von Sammlern begehrt, fand das Werk spät den Weg nach Europa. Nunmehr ist Frida Pop, eine Madonna der Malerei. Vor dem Berliner Martin-Gropius-Bau, wo die Schau im Sommer zu sehen war, wanden sich kilometerlange Schlangen aus Menschen, denen es nichts auszumachen schien, acht Stunden zu warten.
Das Skript des Lebens
Seinen Teil zu dieser anziehenden Aura trägt ein vom Leben geschriebenes Skript bei, das sich liest wie die Dramen in Herz-Schmerz-Gazetten, die unter Trockenhauben beim Friseur verschlungen werden: der schwere Busunfall, bei dem die 18-Jährige im Unterleib gepfählt wird; ein ewig schmerzender Körper, in Gips- und Eisenkorsetten festgehalten; die unsterbliche und doch so verletzten Liebe zu ihrem älteren Künstlerkollegen Diego Rivera, seine und ihre Affären, Abtreibungen und Fehlgeburten; der frühe Tod. Hollywood brauchte sich quasi nur noch ins gemachte Bett legen, als es die tragisch-schöne Vita 2002 mit Salma Hayek in der Hauptrolle erzählte.
Und natürlich bleibt hängen, dass Kahlo wie keine andere ihr Ich ins Zentrum der Kunst rückte. 60 ihrer 145 Gemälde sind Selbstbildnisse, die Befindlichkeiten, Ängste, Sehnsüchte, Leid und Liebe spiegeln, in denen sie in Rollen schlüpft oder sich zur Heiligen überhöht. Das zur Marke gewordene Schaffen bildet den Kern der Schau: das „Selbstbildnis mit Dornenhalsband“, in dem Verwundungen und ein magisches Schutzdenken zu lesen sind, oder das „Selbstbildnis mit Zopf“, in dem nach der zweiten Heirat mit Diego das Haar zum Zeichen der Unendlichkeit geflochten ist, ausbrechende Spitzen jedoch an der Beständigkeit zweifeln lassen.
Erweiterung der Marke
Das kennt man. Wunderbar macht die Ausstellung die Schaffensfrucht, in die der Kern eingebettet ist. Gezeigt werden Bilder mit Freunden und Lebensbegleitern, die „Stadtlandschaft“ (ein Blick aus dem Spitalsfenster), das als erstes Werk gilt, farbenfrohe Stillleben, in denen sich zutiefst Menschliches metaphorisch verbirgt, und die surrealistischen Wunschbilder. Zu den 50 Gemälden und 90 Zeichnungen – die meisten davon vorbereitende Skizzen – gesellen sich noch etwa 150 Fotografien, darunter jene berühmten Aufnahmen, die Nicholas Muray von einer sich in Szene setzenden Frida machte, der er auch liebend verbunden war.
Auf einem Foto zeichnet sich im Antlitz Kahlos etwas ab, das in keinem Gemälde zu finden ist: ein Lächeln. Dafür geht dem Schau-Besucher das Herz freudig auf.