



Ein zerknülltes Fotogramm wird hinter Plexiglas zum Relief: Hans Kupelwieser, ohne Titel, 2009.

Gmunden - Hans Kupelwieser und Rudi Stanzel entziehen sich beide einer eindeutigen Künstlerpositionierung. Der eine - Rudi Stanzel - wollte nie Maler werden. Sagt er. Und verweigert deshalb die trügerische Vielfalt der Farbpalette, wenn er doch mit zwei "Nicht-Farben" das Gleiche an Ausdruckskraft viel exakter und radikaler erzeugen kann.
Die ersten beiden Bilder beim Eintritt in die Galerie lassen das spüren: Stanzel zwängt einen dicken schwarzen Zwirn unter ein darübergeklebtes, festgepresstes Transparentpapier. Fast scheint es, als würde sich der Zwirn winden und gegen die ihm vom Künstler aufgebürdete Struktur wehren. Ohne Erfolg. Die losen Enden hängen oben und unten schlaff aus dem Bild hervor; kraftvoll ist er nur im Moment des Aufbegehrens. Ein Vorgeschmack auf das, was kommt: Rudi Stanzels Grafitbilder.
Metallene Kälte korreliert mit der weichen, natürlichen Textur des darunterliegenden Holzes. Dem Holz maschinell zugefügte Linien und Wellen eröffnen Perspektive und Dreidimensionalität. Wohltuende Einheit und verstörende Sattheit sind Ergebnisse jahrelanger Auseinandersetzung des 53-jährigen gebürtigen Linzers mit der Verortung des eigenen Kunstschaffens.
Stanzel hat ebenso wie der zehn Jahre ältere Hans Kupelwieser unter anderem bei Peter Weibel studiert. So wie Stanzel sich der Zuschreibung als Maler entzieht, erweitert Kupelwieser den Begriff des Bildhauers. Er zwängt zerknüllte Fotoarbeiten hinter Plexiglaskästen und macht daraus Reliefs. Grell gefärbte Kunststoff-Abgussformen stellt er nicht nur aus, sondern zur Debatte, eben weil sie grell und trashy sind. Und weil sie so sehr im ästhetischen Gegensatz stehen zu Kupelwiesers Fotogrammen: scheinbar endlos dünne Streifen von Fotopapier, mit denen der Künstler die Spuren menschlicher Grundbedürfnisse wie Essen (in diesem Fall Spaghetti) in Szene setzt. Dem Verfall Preisgegebenes verewigt er und haucht unscheinbar Alltäglichem einen poetischen Moment ein.
"Postmediale Skulptur" - der Begriff, der Kupelwieser spätestens seit der gleichnamigen Ausstellung 2004 in der Neuen Galerie Graz begleitet, erhält auch mit den in der Galerie 422 gezeigten Arbeiten einmal mehr Gültigkeit. (Wiltrud Hackl/ DER STANDARD, Printausgabe, 7.4.2011)
Bis 29. 5., Galerie 422, An der Traunbrücke 9-11, 4810 Gmunden
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