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12.12.2001 - Ausstellung
Bissige, humorvolle Farb-Fährten durch ein globales Durcheinander
Öyvind Fahlström (1928 bis 1976) bediente sich für seine kritischen Bilder-Serien comicartiger Mittel. Die Bawag Foundation reagiert auf ein neues Interesse mit der Präsentation des kompletten druckgraphischen Werks.
VON KRISTIAN SOTRIFFER


Öyvind Fahlström ist in vieler Hinsicht aktuell (geblieben). Seine Reaktionen auf Welt-Zustände richten sich gegen Großmächte und deren Vertreter zwischen Politik und Wirtschaft. Puzzleartig sortierte und kommentierte er punktuell, wozu ihn diverse sogenannte "Brandherde" anregten.

1964 erregte der in Brasilien als Sohn skandinavischer Eltern geborene Künstler, der sich während der sechziger Jahre vor allem in den USA orientierte, ein kleines Aufsehen bei der Biennale in Venedig. Als einer, der sich neuer Ausdrucksmittel und Methoden zu bedienen gelernt hatte, um seine dissidenten Botschaften verbreiten zu können. Die Druckgraphik, vor allem der Siebdruck, sollte ihnen massenhafte Verbreitung ermöglichen, wozu es allerdings kaum je gekommen ist.

Jetzt breitet die Wiener Bawag Foundation aus, was zwischen 1954 und Öyvind Fahlströms frühem Tod 1976 - er starb an Krebs - entstanden ist. Für die Lektüre seiner Bild-Aperçus und Welt(zustands)
karten muß Zeit eingeplant werden. Was ihn aktivierte, waren Richard Nixons Nase und Divergenzen zwischen reichen und armen Ländern, die Lage im Nahen Osten oder in Chile, das Wirken des CIA, Repressionen.

Graffiti, Pop, Comic

Minutiös fächerte Fahlström in Zeiten des Kalten Kriegs all die ihn begleitenden Ereignisse auf, mit bissigem Humor stets Partei beziehend. Seine Bilderbögen waren also, was man als "brisant" bezeichnet; sie erklären dem Zeitgenossen, daß sich im dschungelartigen Gemenge des "Weltgartens" nicht viel verändert hat.

Die Präsentation seines von Ausdrucksformen zwischen Graffiti, Pop und Comics entwickelten Vokabulars vermittelt ein Stück persönlich genommener Zeitgeschichte. Und erinnert nebenbei an einen altersgleichen österreichischen Kollegen, der 1968 damit begonnen hatte, in der Zeitschrift "Neues Forum" seinerseits in satirischer Form auf Weltwickel zu antworten. Das war Rudolf Schönwald mit seiner "literarischen" Erfindung des "Goks", eines liebenswert raunzenden, sehr wienerischen Monstrums. Die gesamte Comic-Folge erschien 1979 in Buchform, Restbestände wurden erst kürzlich verramscht.

Schönwald war nicht nach New York gegangen, das war sein Fehler. Sein intelligent-sophistisches Auftreten wäre dort aber ohnedies nicht verstanden worden, so wie man Maria Lassnig in Manhattan nicht begriffen hatte.

Fahlströms Erfolg basiert auf einer größeren Eindeutigkeit. Dabei interessierte auch er sich auf eine differenzierte Weise für Literatur. Bereits 1953 veröffentlichte er ein jetzt gratis verteiltes "Manifest für konkrete Poesie".

Bis 3. März 2002, täglich von 10 bis 18 Uhr.



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