Öyvind Fahlström ist in vieler Hinsicht aktuell
(geblieben). Seine Reaktionen auf Welt-Zustände richten sich gegen
Großmächte und deren Vertreter zwischen Politik und Wirtschaft.
Puzzleartig sortierte und kommentierte er punktuell, wozu ihn diverse
sogenannte "Brandherde" anregten.
1964 erregte der in Brasilien als Sohn skandinavischer
Eltern geborene Künstler, der sich während der sechziger Jahre vor allem
in den USA orientierte, ein kleines Aufsehen bei der Biennale in Venedig.
Als einer, der sich neuer Ausdrucksmittel und Methoden zu bedienen gelernt
hatte, um seine dissidenten Botschaften verbreiten zu können. Die
Druckgraphik, vor allem der Siebdruck, sollte ihnen massenhafte
Verbreitung ermöglichen, wozu es allerdings kaum je gekommen ist.
Jetzt breitet die Wiener Bawag Foundation aus, was
zwischen 1954 und Öyvind Fahlströms frühem Tod 1976 - er starb an Krebs -
entstanden ist. Für die Lektüre seiner Bild-Aperçus und Welt(zustands)
karten muß Zeit eingeplant werden. Was ihn aktivierte, waren Richard
Nixons Nase und Divergenzen zwischen reichen und armen Ländern, die Lage
im Nahen Osten oder in Chile, das Wirken des CIA, Repressionen.
Graffiti, Pop, Comic
Minutiös fächerte Fahlström in Zeiten des Kalten Kriegs
all die ihn begleitenden Ereignisse auf, mit bissigem Humor stets Partei
beziehend. Seine Bilderbögen waren also, was man als "brisant" bezeichnet;
sie erklären dem Zeitgenossen, daß sich im dschungelartigen Gemenge des
"Weltgartens" nicht viel verändert hat.
Die Präsentation seines von Ausdrucksformen zwischen
Graffiti, Pop und Comics entwickelten Vokabulars vermittelt ein Stück
persönlich genommener Zeitgeschichte. Und erinnert nebenbei an einen
altersgleichen österreichischen Kollegen, der 1968 damit begonnen hatte,
in der Zeitschrift "Neues Forum" seinerseits in satirischer Form auf
Weltwickel zu antworten. Das war Rudolf Schönwald mit seiner
"literarischen" Erfindung des "Goks", eines liebenswert raunzenden, sehr
wienerischen Monstrums. Die gesamte Comic-Folge erschien 1979 in Buchform,
Restbestände wurden erst kürzlich verramscht.
Schönwald war nicht nach New York gegangen, das war sein
Fehler. Sein intelligent-sophistisches Auftreten wäre dort aber ohnedies
nicht verstanden worden, so wie man Maria Lassnig in Manhattan nicht
begriffen hatte.
Fahlströms Erfolg basiert auf einer größeren
Eindeutigkeit. Dabei interessierte auch er sich auf eine differenzierte
Weise für Literatur. Bereits 1953 veröffentlichte er ein jetzt gratis
verteiltes "Manifest für konkrete Poesie".
Bis 3. März 2002, täglich von 10 bis 18 Uhr.
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