"Ich bin Maler, ich nagle Bilder."

Kurt Schwitters' Aufnahme in den "Club Dada" wurde abgelehnt.


Schwitters studierte an der Dresdner Kunstakademie, nachdem er in Berlin als unheilbar unbegabt entlassen worden war. "Ich kann ja nicht lernen, das ist mein Kummer, und was ich selbst wollte und musste, das stand nicht auf dem Programm." Als Kunstmaler konnte er mit einer gewissen Reputation auch sich verehelichen. 1920 schreibt er: "Meine Unzufriedenheit mit der Kunst der Ölmalerei. Aus meiner Sicht ist an der Ölmalerei nichts auszusetzen, wenn das Resultat Kunst ist, besonders wenn im Falle einer solchen Kunst für den besagten Künstler die Kunst selbstverständlich ist. Davon abgesehen bin ich nicht glücklich über die übertriebene Überflutung der Kunst mit Ölmalerei. Warum sollen wir uns einschränken, wenn die ganze Welt, wie wir sie mit unserem Sinnen erfahren, uns zur Verfügung steht ?"

"Ich bin der Hauptmann von Köpenick in der Malerei." Für die Aufnahme in den Club Dada bewarb er sich mit den Worten: "Ich bin Maler, ich nagle Bilder." Er wurde abgelehnt. Hätte die Zeitschrift "Der Sturm" tatsächlich einen Preis ausgesetzt für denjenigen Maler, der im letzten Jahr am meisten beschimpft worden war, Schwitters hätte ihn gewonnen. In Schwitters' Wohnhaus roch es ein bisschen nach Zoo und ein bisschen nach gekochtem Leim oder Stärkekleister.

Schwitters als Musiker

In Schwitters' Wohnzimmer standen ein Flügel und ein Käfig mit Meerschweinchen. Als Student kaufte sich Schwitters ein gebrauchtes Pianino. Beim Transport fiel es die Treppe hinunter und klang dabei wundervoll, wie eine Windharfe im Sturm. Das Klavier nahm Schwitters in die Emigration nach Norwegen mit. Die Notenhefte ließ er bei einem Organistenfreund.

"Ich habe mir nun einmal vorgenommen, entsprechend meiner Lautsonate auch für Klavier zu komponieren. So studiere ich weiter Harmonielehre. Es ist meine unglückliche Leidenschaft, ich studiere und komme nicht so weit, komponieren zu können, die Harmonielehre macht mich ängstlich. Meine Kompositionen sind teils unmöglich, teils trivial. Dadurch unterscheiden sie sich ja nicht von meinen Dichtungen, aber dass es zum Beispiel Schubert wird, wäre nicht nötig gewesen; mir fehlt noch zuviel Theorie."

Meerschweinchen im Krieg

Seine Meerschweinchen ließ Schwitters gern frei laufen, mit Vorliebe durch den Merzbau, der sich im ersten und im dritten Stock seines Hauses und über den Balkon hinaus erstreckte und beobachtete dann, welchen Weg die Meerschweinchen sich durch die Gänge, Säulen, Treppen und Throne bahnten. Während der Bombenangriffe in Norwegen ließ er sie absichtlich entweichen, um sie einzufangen. Das beruhigte seine Angst.

"Helma sagt, wir haben genug Meerschweinchen," trug Kurt Schwitters gleich fünf Meerschweinchen auf einmal in die Zoohandlung zurück und kaufte dafür Griechen und Römer für seinen Sohn zum Soldatenspielen, verpackt in kleinen Spanschachteln. "Siehst du," sagte er, "das wird aus den großen Helden in den Geschichtsbüchern, sie sind jetzt ganz flach, und man kann eine Menge für fünf Meerschweinchen eintauschen und in einen kleinen Kasten legen."

Schwitters im Schlafsack

Schwitters antwortete mit "Danke" wenn sich einer mit "Bitte" am Telefon meldete, kam spätabends zu seinen Freunden mit der Aufforderung: "Nun wollen wir zusammen dichten: Lies mir deine neuesten Gedichte vor, damit wir den Sinn daraus entfernen."

Schwitters besuchte seine Freunde mit Rucksack und Schlafsack, breitete letzteren am Boden des Wohnzimmers aus, nahm seine Zähne heraus und meinte abschließend: Jetzt könnt ihr gehen.

Schwitters' Verlag

Schwitters gab eine Zeitung heraus und tauschte damit andere Kunstzeitschriften ein. Wer tauscht, betrügt, sagte er. Das war wohl seine Art Kapitalismuskritik. Seinen Verlag nannte er Aposs : A - aktiv, P - paradox, Os - ohne Sentimentalität, S - sensibel.

Schwitters Vortragsabende endeten immer mit einem wilden Getanze, Schwitters war ein leidenschaftlicher Tänzer.

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