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vom 08.09.2007 - Seite 027
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Das Entblößen der Privatheit
Videoüberwachung, Internetnutzungs-Profile, mobile Rufdatenerfassung, Vorratsdatenspeicherung, Online-Fahndung - die Gefährdungen der Privatsphäre sind so vielfältig wie noch nie zuvor. Dies wurde beim Symposium des Festivals Ars Electronica thematisiert.
Das "Goodbye Privacy"-Symposium der Ars Electronica hat die Gefahren dieses "Auf Wiederschaun, Privatheit" vielfach unter die Lupe genommen. Doch immer mehr, vor allem junge Menschen "feiern ihr Privatleben im Internet", sagte Ö1-Journalistin Ina Zwerger. Das Entblößen des Privaten sei "eine Industrie" geworden.
Doch der Spaß hat dann ein Ende, wenn diese privaten Daten gegen den Einzelnen verwendet werden. Denn wer will schon seinen neuen Arbeitgeber wissen lassen, wie er in der Badehose aussieht oder welche Gedanken er in einer betrunkenen Freitagnacht in den eigenen Blog gestellt hat?
Da wird man die Internetgeister, die man gerufen hat, nicht mehr los.
Dumme Terroristen
Angedacht seien nun digitale "benutzerzentrierte Identitäten", die dem Einzelnen die Kontrolle über die eigene Person zurückgeben. "Die Zivilgesellschaft liefert ihre Daten brav ab. Andere aber werden ihre Daten nicht abliefern", sagte Erich Moechel von der ORF-Futurezone. Überführen werde man damit "dumme Ganoven und irgendwelche Terroristen, die Amateure sind. Professionals wird man nicht erwischen." Nichts ist älter als die Google-Suchanfrage von gestern - sollte man meinen. Doch: Google und andere Suchmaschinen speichern jede Eingabe und können diese auch mit hoher Genauigkeit auf die suchende Person zurückführen. Dies schilderte der aus Österreich stammende Harvard-Rechtsprofessor Viktor Mayer-Schönberger. Er fordert ein "Ablaufdatum für digitale Daten". Denn die digitale Welt vergisst nicht - und dadurch entstehen nicht nur Probleme der Privatsphäre. Wer online lebt - einkauft, sich informiert, Flüge bucht - hinterlässt Spuren. Anonymität im Internet ist eine Illusion. "Google erinnert sich. Yahoo erinnert sich. Amazon erinnert sich. Das Internet-Archiv erinnert sich", betonte Mayer-Schönberger. "Für Menschen galt seit Jahrtausenden: Vergessen ist einfach, Erinnern ist schwer. Heute lässt uns die Technik nicht mehr vergessen. Dadurch ist nicht nur die Privatsphäre in Gefahr: Unsere Fähigkeit, richtige Entscheidungen zu treffen, ist in Gefahr. Es geht nicht nur um ,Privacy`, sondern um ,Sanity` und ,Rationality`" - auf gesellschaftlicher Ebene.
Demokratie ist den Kids egal
Die Anfangseuphorie um das Internet als demokratiestiftendes, weltverbesserndes Wunderwerk sei schnell geplatzt: "Die Technologie ist nicht mehr so bedeutend. Aber die soziale Veränderung, die die neuen Online-Angebote mit sich bringen, schon", sagte der japanische Internet-Pionier, Unternehmer und "World of Warcraft"-Spieler Joichi Ito.
Die nächsten wirklich wichtigen Entwicklungen werden die flächendeckende Öffnung von drahtlosen Internetverbindungen und, damit verbunden, die Entwicklung von Kleingeräten zur Online-Kommunikation sein, prognostiziert Ito.
"Den meisten Kindern sind PCs egal, aber sie lieben ihre Handys. Es wächst eine von Computerspielen und Handys geprägte Generation heran. Ich verfechte sehr stark die Idee, dass der Cyberspace die Demokratie voranbringen wird. Aber den meisten Kids, mit denen ich rede, ist die Demokratie völlig egal ¼"
Der Mensch hinterlässt Spuren: beim Telefonieren, am Computer.
Foto: Archiv |
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