Kultur

Baukünstler Boris Podrecca

26.11.2007 | SN
ERNST P. STROBL

Ernst P. Strobl Wien (SN). "Ich bin Triestiner. Ich spreche sieben Sprachen. Ich habe nie Schwierigkeiten, mich wo zurechtzufinden", sagt der Architekt Boris Podrecca. Er hat Architekturbüros in Wien, Stuttgart und Venedig, um vor allem Bauten in Zentraleuropa zu betreuen. Rund 40 Prozent seiner Projekte sind im Osten und Südosten Europas. Ob er in Venedig, Triest oder Bozen, in Neapel, Belgrad oder Wien baut, für Boris Podrecca ist das kulturelle und soziale Umfeld wichtig. Von Auftraggebern in Dubai oder China lässt er sich nicht locken. "In Schanghai war ich gerade. Es gibt selten einen Ort, an dem man so schlecht baut. Es ist nur Esperanto und Globalisierung", sagte Podrecca in einer Pressekonferenz Ende der Vorwoche in Wien.

Anlass dafür war die Eröffnung einer Ausstellung im Wiener Ringturm, die bis 18. Jänner einen Überblick über realisierte und geplante Bauten des Architekten gibt. In der Schau steht auch ein Modell für den Neubau der Wiener Städtischen Versicherung in Graz, der demnächst realisiert wird. Das zeigt den eleganten Stil und den souveränen Umgang mit Dimensionen - und einen klaren Blick für Ästhetik. Es ist immer "schöne", klare Architektur aus Form und Material, egal ob Bürogebäude, Wohnhaus, Museum oder sogar U-Bahn-Station. Nahezu futuristisch wirkt die U-Bahn-Station San Pasquale, die in Neapel entsteht und unter Wasser - samt einer Glaswand von Peter Kogler - ein einzigartiges Raumgefühl vermitteln wird.

Tony Cragg für den Salzburger Makartplatz Boris Podrecca ist auch ein europaweit gefragter Platzgestalter. In Salzburg prägte er den Universitätsplatz. Gefragt nach seinem Entwurf für den Makartplatz, Siegerprojekt des einstigen Architektenwettbewerbs, das wegen Ungewissheit über die darunter geplante Garage auf Eis liegt, zeigt sich der Architekt gelassen. Dass der Bildhauer Tony Cragg auf Einladung der Salzburg Foundation für den Makartplatz eine Skulptur schaffen wird? Dies gefalle ihm, er schätze Tony Cragg sehr, sagt Boris Podrecca. Nur: "Besser wäre gewesen, wenn man mit mir wenigstens geredet hätte." Ob sein Entwurf je realisiert wird, steht ohnehin in den Sternen.

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