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derStandard.at | Newsroom | Kultur | Bildende Kunst 
27. April 2009
17:39 MESZ

Fenster, beziehungsreich verknüpft.


Schräges Raumgefühl
Intervention von Christian Hutzinger, die die historische Substanz des Belvedere thematisiert, aber in einem vormals "toten Eck" stattfindet

Wien - "Die Architektur ist immer der Anker. Bei der Wandmalerei geht es ja nicht darum, eine zehnmal so große Fläche wie auf der Leinwand zur Verfügung zu haben." Seine Arbeiten, erklärt Christian Hutzinger, hätten immer mit der Architektur zu tun, "sie hängen sich irgendwo an und suchen sinnvolle oder interessante Fortsätze".

Fortsatz scheint auch das richtige Wort zu sein für die blauen Haken, Ärmchen, ja, geradezu tentakelartigen violetten Elemente, die Hutzinger, der Malerei an der Angewandten studierte und schon zahlreiche Wandmalereien realisierte, im Orchestergang zwischen die Fenster zum Marmorsaal des Belvedere gespannt hat. Dicke violette Rahmen erden die schwebenden Fenster, geben ihnen skulpturalen Charakter. Hutzinger: "Ich stelle sie auf die Unterkante meiner Leinwand."

Eine Intervention, die wie die vorangegangenen Projekte (von Gudrun Kampl, Brigitte Kowanz und Franz Kapfer) das Belvedere in seiner historischen Substanz thematisiert, aber in einem vormals "toten Eck" stattfindet. "Der Orchestergang, der zwei Trakte miteinander verbindet (unter Franz Ferdinand gebaut) war nie besonders attraktiv", erzählt Kuratorin Eva Maria Stadler. Ziel sollte es sein, diesen Durchgang mit der auffällig schrägen Decke, "in ein anderes Licht zu versetzen".

Blick ins Aquarium

Und das ist Hutzinger in Verbindung mit einer weiterführenden Interpretation des "schrägen" Raumgefühls zweifelsfrei gelungen: Blitzblau leuchtet es sogar bis in den Marmorsaal hinein, sodass der Blick von dort dem in ein Aquarium gleicht. "Ich wollte, dass der Eindruck entsteht als hätte man eine große, blaue Hülle übergestülpt."

Nicht weiter verwunderlich also, dass sich in den abstrakt-geometrischen Elementen, die freilich auch von ornamentalen Formen des benachbarten Prunksaales, wie den goldenen Rosetten, abgeleitet sind, figürliche Andeutungen finden: Die malerisch perfekten Formmodule, die er zwischen den Fenstern einführt, mutieren gelöst oder auseinandergerissen auf der gegenüberliegenden Wand zu Schrauben eines Unterseeboots, zu Wassertropfen oder Saugfüßchen.

Trotz aller Geometrie sind Hutzingers Arbeiten nie abstrakt. Sie siedeln in einem Dazwischen: "Es geht mir nie darum, eine Form zu kreieren und daraus ein wiederholbares Muster zu machen, das Dinge wie eine Tapete überzieht, sondern aus bestehendem Zusammenhängen etwas rauszunehmen, und dem einen eigenen Charakter zu geben und sich vorzustellen, wie sich das weiterentwickelt." Das macht seinen Eingriff so lebendig. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD/Printausgabe, 28.04.2009)

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