MAK

Dokumentarfilm über Otto Muehl uraufgeführt

02. Juni 2010, 14:11
  • Artikelbild: "Apokalypse/Keinen Keks Heute" unmittelbar nach der Farbattacke. Das Bild wurde vor seiner nun erfolgten erstmaligen
Wiederpräsentation nicht restauriert, doch vom Künstler adaptiert:
Die roten Farbspuren sind weiterhin zu sehen. Dafür prangt nun das
Konterfei von MAK-Direktor Peter Noever auf einer der zentralen
Figuren. Noever zeigte sich am Dienstag "überrascht". - Foto: APA / Mutzger
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    "Apokalypse/Keinen Keks Heute" unmittelbar nach der Farbattacke. Das Bild wurde vor seiner nun erfolgten erstmaligen Wiederpräsentation nicht restauriert, doch vom Künstler adaptiert: Die roten Farbspuren sind weiterhin zu sehen. Dafür prangt nun das Konterfei von MAK-Direktor Peter Noever auf einer der zentralen Figuren. Noever zeigte sich am Dienstag "überrascht".


Großbild "Apokalypse/Keinen Keks Heute" wird nach EGH-Urteil und Adaptionen wieder präsentiert

Wien - Eine Vorboten auf den kommenden 85. Geburtstag des umstrittenen Künstlers Otto Muehl (auch: Mühl) am 16. Juni hat es Dienstagabend im Wiener MAK gegeben: Der Dokumentarfilm "Becoming Otto" des Schweizer Kunsthistorikers und Regisseurs Vincent Juillerat feierte seine Uraufführung.

Danach wurde Muehls neunteiliges Großbild "Apokalypse/Keinen Keks Heute" in adaptierter Form präsentiert. "Apokalypse/Keinen Keks Heute", auf das 1998 in der Secession ein Farbanschlag verübt worden und das zwischenzeitlich mit einem gerichtlichen Ausstellungsverbot belegt war, wird bis 1. August in der großen MAK-Ausstellungshalle zu sehen sein.

"Pornojäger" Martin Humer hatte 1998 in der Secession die Bild-Collage, auf der 33 öffentlich bekannte Personen in teilweise obszönen Situationen dargestellt sind, durch einen Farbbeutel-Wurf beschädigt. Nach mehreren Prozessen war Humer in letzter Instanz schließlich vom Vorwurf der Sachbeschädigung freigesprochen worden, dafür hatte das Oberlandesgericht Wien im Jahr 2000 nach einer Klage des (ebenfalls auf dem Bild dargestellten) früheren FPÖ-Generalsekretärs Walter Meischberger ein Ausstellungsverbot verhängt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hob 2007 dieses Ausstellungsverbot als "nicht angemessen" auf.

Die Verurteilung des Kommunengründers 1991 wegen einer Reihe von Sittlichkeitsdelikten, allen voran Unzucht mit Unmündigen, sowie Verstößen gegen das Suchtgiftgesetz zu sieben Jahren Haft (von denen er sechseinhalb verbüßte), wird im Film thematisiert. Dass Muehl dabei wohl nicht nur staatlich vorgegebene Normen, sondern auch die persönliche Integrität von Mitmenschen verletzt hat, ist heute unstrittig. "Ich glaube, dass Otto Muehl in vielen Bereichen gescheitert ist, und dass er es weiß", sagte die Muehl-Vertraute Roussel in der Diskussion. (APA)

 

Kommende Ausstellungen

Ab 11. Juni zeigt das Leopold Museum eine Auswahl von rund 80 Werken des Künstlers aus der "Sammlung Leopold II", der privaten Kollektion des Sammlers. Im Mittelpunkt stehe "die radikal-expressive Malerei Otto Muehls, ein unkonventionelles Oeuvre von hoher künstlerischer Qualität", heißt es in einer Ankündigung. Die Schau gebe "Einblick in einzelne Werkkomplexe von den programmatischen Arbeiten der späten 60er über Köpfe und Porträts der 80er bis zur Vincent-Serie nach Van Gogh, den Gefängnisbildern und 'Farblandschaften' der späten 90er Jahre". Im Kontakt zu einer Gruppe ehemaliger Muehl-Kommunen-Mitglieder habe man sich entschlossen, keine Bilder auszustellen oder im Katalog abzubilden, "auf denen dem heutigen Wissensstand nach die missbrauchten Minderjährigen zu sehen sind".

Am 17. Juni findet in der Wiener Galerie Konzett die Vernissage zu der von Danièle Roussel kuratierten Ausstellung "Otto Muehl - Excess Art" mit Bildern aus den Jahren 2000 bis 2007 statt. Im Mittelpunkt stehen Werkteile des von Muehl ab 2001 entwickeltem "Electric Painting", elektronisch gemalter Collagen, bei denen Einzelfotos von Aktionen am Computer weiterentwickelt, die Zwischenphasen abgespeichert und teilweise zu Filmen zusammengefügt werden. Bei ebenfalls gezeigten "Excess Art"-Objekten findet die Malerei über den Umweg der Beschäftigung mit dem Computers wieder aus der Tube auf die Leinwand.

 

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22 Postings
03.06.2010 18:17
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wieso wird der verurteile kinderschänder mühl eigentlich so hofiert oder sein sogenannter künstlerische nachlass, die linken messen mit zweierlei mass moralinsauer wenns in den kram passt und auf beiden augen blind wenn es die eigenen leute betrifft siehe cohn-bendit

joergipoergi 
03.06.2010 06:47
wo bleibt LCD??

03.06.2010 02:27
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Dieses Bild wurde gerade durch die Farbattacke ein wichtiges Zeitdokument. Es war ein großer Fehler, es zu adaptieren. Ohne Bearbeitung hätte es einen viel höheren Wert gehabt.

03.06.2010 11:55
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Dieses Bild ist ein gutes Beispiel

für die provokativen Absichten des Aktionismus, aber was daran künstlerisch wertvoll sein soll, erschließt sich mir nicht. Kann mich jemand aufklären?

Einen positiven Einfluß auf die gesellschaftliche Entwicklung in Österreich hat der Aktionismus nicht gebracht. Womit verdient er also diese Aufmerksamkeit im Standard?

Moritz Geremus
03.06.2010 15:40
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"Einen positiven Einfluß auf die gesellschaftliche Entwicklung in Österreich hat der Aktionismus nicht gebracht."

Das sehe ich ganz im gegenteil. Der Aktionismus war eine der wenigen moeglichkeiten der biederen oesterreichischen Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten. Den Mut sein eigenes Land auf so eine extreme art und weise darzustellen hatten nur wenige - und heute kann man auf solche kunstformen zurueckblickend eine eigentherapie einer gesellschaft sehen. "Der Aktionismus war eine Therapie für Österreich" hat Theo Altenberg als mitgaenger auch so schoen gesagt.

Das sich retrospektiven des Aktionismus dann meistens nur in den spiesigsten Kunstkreisen wieder finden ist schade, aber wohl ein unausweichliches symptom bei allen formen von wiederstandskulturen.

a grünes stricherl 
03.06.2010 14:04
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der aktionismus hat in jeder hinsicht geholfen verkrustungen

aufzubrechen.

dass manche elemente in österreich nach wie vor verkrustet sind kann man dem aktionismus nur sehr peripher vorwerfen.

dieses bild ist tatsächlich ein wichtiges zeitdokument.

stimme dem vorvorposter allerdings zu .. die adaptierung halte ich für einen fehler.

Heavyweather 
03.06.2010 00:26
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Total vertrottelt diese Welt.
Malt genauso einen Müll wie viele andere. Wo ist der Unterschied zwischen Picasso, Harrings oder Müll...

Bisserl Kommune, bisserl Schweinderl, bisserl malen, bisserl Köpfe aufpicken und schon im MAK.

Wer kauft das Zeug eigentlich? Würde ich mich schon fragen wenn ein Bekannter von mir einen Mühl an der Wand hätte.

02.06.2010 20:57
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Otmar Bauer, "1968"

Autographische Notizen

Wiener Aktionismus, Studentenrevolte, Underground, Kommune Friedrichshof, Mühl Ottos Sekte

Edition Roesner

Vermutlich nicht mehr lieferbar.

Gibt im damals üblichen "sponti"-Jargon unter anderem hautnahe Aufklärung über die verbrecherischen Aktivitäten Otto Mühls und seines "Führungsteams" auf dem Friedrichshof.

Otmar Bauer konnte sich aus diesem Schlamm der Abhängigkeiten befreien und war wesentlich daran beteiligt, daß Otto Mühl vor Gericht zur Rechenschaft gezogen wurde.

Empfehlenswert.





Simplicius Simplicissimus
03.06.2010 16:50
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Mich wundert, ...

... dass sich erwachsene Menschen freiwillig Gruppierungen anschließen, die sie nicht verstehen.
Das betrifft in der "normalen" Gesellschaft übrigens so ziemlich jeden Wähler, nur dass korrupte und Menschen verachtende Politiker äußerst selten in's Gefängnis geschickt werden. Die Glatz- und Schwachköpfe vom Friedrichshof haben nichts anderes getan, als ihre Blödheit an Mühl abzuputzen und zufrieden in aller Ruhe weiterhin blöd zu bleiben.
Eine gescheite Textzeile an all die emotionalen und denkerischen Krüppel(falls sie überhaupt imstande sind, zu fühlen und zu denken): "Don't criticize what
you can't understand!" - B.Dylan. Und: Man muss die Regeln kennen, ehe man sie bricht! In diesem Sinne: fröhliches Weitersuhlen!

04.06.2010 01:45
Mich wundert, daß Sie nicht verstehen wollen ...

daß Mühl niemals die Absicht hatte, "erwachsene", "eigenständig denkende" Menschen zu integrieren sondern schwachen und verstörten Persönlichkeiten einen "raum" geben wollte, in dem er sie schlúßendlich als autoritäre Macht unter Zuhilfenahme von Drogen mißbraucht hat.
Ich bin empört darüber, daß Sie diese Menschen, die im Friedrichshof eine Heimat finden wollten als Glatz- und Schwachköpfe bezeichnen.

03.06.2010 19:27
Mich wundert das nicht...


Hatte Mitte der 70er Jahre das "Vergnügen" die Mühl- Kommune (Wien) und eine große Wohngemeinschaft der Vereinigungskirche (Moon-Sekte) zu besuchen.
In beiden Vereinen ein, zwei "Vordenker", der Rest arme Menschen, die wahrscheinlich das erste Mal in ihrem Leben etwas empfunden haben, das sie als Gemeinschaft interpretierten.
Junge Intellektuelle, wie im von ulkike@ weiter unten angeführten Link beschrieben, habe ich keine getroffen...(das hätte mich auch gewundert)

04.06.2010 02:27
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am meisten erschüttert hat mich nach einer besichtigung des friedrichshof (einladung der freunde der sezession), daß niemand, absolut niemand mit mir über das grauen sprechen wollte, das ich empfunden hatte, an all diesen geduckten, mehlwürmerartigen gestalten vorbeigeführt zu werden um von den einzigen gesunden menschen in diesem areal (braungebrannt und vergnügt), mühl, seine frau und altenberg, darüber informiert zu werden, welche großartigen ziele sie verfolgen.
im bus retour nach wien wurde nur darüber diskutiert, welche unglaublichen mengen an kunstwerken in den hallen des friedrichshofs schlummern ... wahnsinn, wie leicht auch halbwegs vernünftige menschen zu manipulieren sind.

04.06.2010 10:18


Nehme an, mit "gesunden Menschen" meinen Sie körperlich gesund...

02.06.2010 19:01
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@standard:

Eine Schande, dass man solchen Perversl!ngen eine derartige Bühne (Web-Auftritt im Standard) bietet!!!

Auf Muehls Art von "Kindererziehung" kann ich verzichten.

03.06.2010 10:27
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Finde ich eigentlich nicht

Es wäre nur an der Zeit, dass einige Leute aus seinem Umkreis die Vergangenheit offen aufarbeiten und sich die Allgemeinheit mit der strukturellen Gewalt in derartigen Kommunen auseinandersetzt.

Es ist nicht nur die kath. Kirche, deren Struktur und gesellschaftliche Verankerung Kindesmissbrauch erleichtert, sondern es sind anscheinend auch so genannte alternative Formen des Zusammenlebens, die derartige Probleme bekämpfen müssen.
Es sollte uns ein Anliegen sein, zu verstehen, wie es dazu kommt.
Michael

02.06.2010 18:10
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Ich finde, es ist eine Verharmlosung

Kindesmissbrauch als "scheitern" zu definieren.

Michael

02.06.2010 21:16
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das ist eine
unverschämte, freche und übelkeiterregende (!)
verharmlosung
mir fehlen die worte

mühl ist nicht einmal ein guter maler.
wer auch immer ihn öffentlich als "künstler" im bildnerischen bereich wertschätzt, wird möglicherweise einen sehr guten grund dafür haben.

03.06.2010 12:53
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Leider wird heutzutage

'Skandal' und 'Kunst' gleich gewertet. Da sich immer mehr Scharlatane (die niemals etwas 'ausserordentliches' also 'künstlerisches' zustande gebracht haben) durch Oszönitäten, Grauslichkeiten, kriminelle Handlungen usw. in die 'Seitenblicke' manövrieren, haben wirkliche Künstler, die etwas zu sagen haben, einen schweren Stand. Hrdlicka hat einmal sehr richtig gesagt: 'Ich bin der Künstler, ich kann sagen, was Kunst ist.' (Anlässlich des finanziellen Streits um sein ausgezeichnetes Engels-Denkmal). Leider entdeckte er dann später selber, wie bequem ein paar pornographische Strichmännchen als Kunst zu deklarieren und abzusetzen waren. Mit Unterschrift, wie schlecht genähte Kleider aus Fernost mit Etikett von Luxuslabel.

Wurzelloser Kosmopolit
03.06.2010 00:39
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Was die Verharmlosung betrifft, geb ich Ihnen recht - Sie haben die passenden Adjektive gefunden.

Mühl als Maler, naja, das ist etwas anderes.
Handwerklich gut und intellektuell ist seine Malerei sicher nicht.
Aber er ist Aktionskünstler. Und weil sich Österreich in den letzten 50 Jahren so überhaupt nichts geändert hat - man beachte die Wahlergebnisse, ich meine nicht nur für die FPÖ, sondern auch für SPÖVP - funktionieren seine Provokationen immer noch.
Somit ist er schon irgendwie ein Künstler, wie es ihn eigentlich nur in und für Österreich geben kann.

04.06.2010 00:46

"man beachte die Wahlergebnisse, ich meine nicht nur für die FPÖ, sondern auch für SPÖVP"

1. Aha, deshalb ist er jetzt ein Künstler!?
2. Grüne und BZÖ hab ma noch zur Auswahl ghabt^^

03.06.2010 14:48
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betrachte seine arbeiten keineswegs als geeignete provokation um veränderungen herbeizuführen.
vielmehr vermute (!) ich, daß im rahmen der aktivitäten am friedrichshof und der unverschämten verkaufsstrategie jede menge bilder von namhaften personen gekauft wurden, die sich eine wertsteigerung erhofften und/oder (es gilt die unschuldsvermutung ;-) es vermeiden wollen, daß ihre fallweise anwesenheit (selbstverständlich im interesse der kunst) bekannt wird.

http://www.claudiatittel.de/provokati... ential.htm

Wurzelloser Kosmopolit
04.06.2010 08:44
Ich bin ja eh Ihrer Meinung. Mühls "Kunst", als Aktionskünstler betrachtet er wohl sein ganzes Leben als "Gesamtkunstwerk", ist fragwürdig und verdient eigentlich keine besondere Aufmerksamkeit.


Mein obiges Post bezog sich nur darauf, ob er ein Künstler, ein guter oder schlechter ist. MMn kann man das eben so einfach nicht sagen.

Zur Spekulation - da kann ich sie beruhigen.
Ich kauf selbst manchmal was, aber ein Mühl kommt mir nicht ins Haus, nicht allein wegen den ekelhaften Sujets und vor allem ihrem Hintergrund, sondern gerade auch aus Gründen der Wertsteigerung.
Da die Wertschätzung seiner Bilder auf einem Hype um Skandale, Prozesse... beruht, dürfte ihr Wert deutlich sinken, wenn keine Skandale mehr geliefert werden können.
Wer Mühl jetzt kauft, wird wohl Geld verlieren. Gut so, denn man sollte Kunst kaufen, weil sie einem gefällt und nicht, weil...ichweissnichtwas.

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