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Deutschbauer/Spring: "Wir sind die
Mediatoren der Kunstszene"
Künstlerduo übt sich in "Nachahmung
interventionistischer Kunstpraxen" - Doppelconferencen als
Schüssel und Morak - Weitere Projekte in Kürze.
Wien (APA) - Wenn
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) und Kunststaatssekretär
Franz Morak (V) in Salzburg, Venedig, Wien oder Warschau
Kulturevents oder -bauten "eröffnen", dann sehen sie mitunter
ganz anders aus, als man es vom Bildschirm her gewohnt ist. In
diesem Fall ist man in eine Doppelconference des Künstlerduos
Julius Deutschbauer und Gerhard Spring geraten. Seit bald zwei
Jahren sorgen die beiden mit subversivem Aktionismus zu
aktuellen Themen im Kunstbereich für
Aufsehen.
Deutschbauer/Spring sind derzeit gut im
Geschäft. Kürzlich eröffneten sie das "World Trade Center im
Literaturhaus Salzburg", am 31. Jänner beginnt ihr Tanzprojekt
"Radikale Demokratie" im Tanzquartier Wien, und am 1. Februar
eröffnen sie (mittels Videoprojektion) eine österreichische
Filmschau in der Kunsthalle Basel. Außerdem planen sie in
München eine Ausstellung mit dem Titel "Wurmfortsatz", bei der
sie ihre Methode des "transformierenden Nachspielens" auf den
Skulpturkünstler Erwin Wurm anwenden werden. Wurm habe nämlich
öffentlich gesagt, "dass jeder, der ihn nachahmt, geklagt
wird, und wir versuchen herauszufinden, was da dahinter ist",
so die Künstler im Gespräch mit der APA.
Im Repertoire
befinden sich Performances, Ausstellungen, Plakataktionen,
Buchveröffentlichungen sowie Videoarbeiten. Die Methodik
hinter ihren Arbeiten entwickelt sich zum Markenzeichen und
lässt sich mit "Nachahmung interventionistischer Kunstpraxen"
beschreiben. Die beiden bildenden Künstler erzeugen die Kunst
nicht selbst, sondern es gehe ihnen darum, "im Nachspiel -
nicht des Künstlers, sondern des geforderten Publikums - zu
erfahren", was eigentlich hinter dem Kunstbetrieb
stecke.
Die Qualifizierung ihrer Arbeit bleibt der
journalistischen (In-)Kompetenz oder der des Konsumenten
überlassen. "Gattungsbegriffe obliegen den Kritikern, obwohl
wir bei unseren Aktionen Vorschläge machen. Wir würden uns
nicht gegen eine Fehlbezeichnung wehren. Wir sind mit allem
einverstanden." Sei es Plakatkünstler ("Plakatkünstler stimmt
immer!"), Videokünstler, Fotokünstler, Text-, Vortrags- oder
Auftrittskünstler. - Gemeinsamer Vorschlag nach kurzem
Brainstorming: "Wir sind die Mediatoren der Kunstszene" -
Schneller Nachsatz: "Schön wär's."
Bei ihren
Rollenspielen (etwa als Morak mit wechselnden Gästen) gehe es
den beiden nicht um Personen, sondern um Funktionen,
versichern sie. Deutschbauer/Spring sehen dabei ihre Arbeit
als "satirisch im positiven Sinne, dass wir das Affirmierbare
der Positionen deutlich herausstellen wollen." Also Negatives
in Positives umkehren? - "Genau!" Vor einem schrecken sie
allerdings zurück: "Den positiven Haider zu erfinden, wäre
Schwerarbeit". Außerdem "würden wir noch harmloser werden. -
Noch harmloser geht ja gar nicht mehr."
2002-01-23
10:49:34
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