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Kunstraum Palais Porcia. Konsequent wie wenige andere
Künstler entziehen sich Horáková + Maurer in ihren Arbeiten der
Verführung der Photographie, Wirklichkeit abzubilden, Verweise auszulegen,
Erzählungen anzustiften. Was sie hingegen weit mehr interessiert, sind
Schnittstellen zwischen Photographie und Realität. Photographie bedeutet
für sie immer auch Auseinandersetzung mit Digitalität und deren durch die
Pixelung nur oberflächlich sichtbar gemachten Grundlagen. In einer
kleinen, eindrücklichen Inszenierung, die sie anläßlich der Verleihung des
"Würdigungspreises für künstlerische Photographie" geschaffen haben,
dokumentieren Horáková + Maurer diesen Anspruch anhand von zwei "Band test
rolls", Photos, die auf Teststreifen aus dem Labor basieren. Was auf den
ersten Blick wie abstrakte Photographie erscheinen mag (oder als Abbildung
eines Regenbogens gedeutet werden könnte), ist die Niederschrift des
komplexen Transfers von (Bild-)Informationen: vom Moment der Entscheidung,
etwas zu photographieren (in diesem Fall liegt eine Aufnahme von einem
Objekt Jean Nouvels zugrunde) bis zur Rückkehr des photographischen Bildes
aus dem Labor als letzter Akt eines langen Prozesses. Thematisiert wird
somit, auch über die Photographie hinaus, ein heute nahezu omnipräsentes
System von Information und Kommunikationskanälen.
Horáková + Maurer machen es in ihren analytischen
Photographien transparent. In diesem Sinn ist ihre Arbeit eine ebenso
photographische wie medienreflexive - auf die einzulassen sich unbedingt
lohnt (I., Herrengasse 6; bis 17. Mai).
Galerie Grita Insam. Die Architektur der Städte und der
Dinge umkreist Gerold Tagwerker in seinen Arbeiten. Diesmal steckt
er das Feld mit Objekten, Großphotographien und einem Video ab, die
sämtliche auf gefundene Materialien zurückgehen: sind es in den Skulpturen
Stücke aus dem Baumarkt (Leuchten, Folien, Fenster), so spürt er in den
Fotos anonyme Räume auf: Sechziger-, Siebziger-Jahre-Interieurs ebenso wie
Fassaden von Wolkenkratzern. Konsequenterweise beruht auch das Video auf
einem Fundstück, wodurch Godards photographierend-spionierender
Alphaville-Agent Lemmy Caution quasi als Alter Ego zu künstlerischen Ehren
kommt. Tagwerker hat hier eine Inszenierung geschaffen, die als Ganzes gut
funktioniert, als einzelne verlieren sich die Arbeiten allerdings (I.,
Köllnerhofgasse 6; bis 1. Juni).
© Die Presse | Wien
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