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08.05.2002 - Ausstellung
AUSGESTELLT IN WIEN von JOHANNA HOFLEITNER


Kunstraum Palais Porcia. Konsequent wie wenige andere Künstler entziehen sich Horáková + Maurer in ihren Arbeiten der Verführung der Photographie, Wirklichkeit abzubilden, Verweise auszulegen, Erzählungen anzustiften. Was sie hingegen weit mehr interessiert, sind Schnittstellen zwischen Photographie und Realität. Photographie bedeutet für sie immer auch Auseinandersetzung mit Digitalität und deren durch die Pixelung nur oberflächlich sichtbar gemachten Grundlagen. In einer kleinen, eindrücklichen Inszenierung, die sie anläßlich der Verleihung des "Würdigungspreises für künstlerische Photographie" geschaffen haben, dokumentieren Horáková + Maurer diesen Anspruch anhand von zwei "Band test rolls", Photos, die auf Teststreifen aus dem Labor basieren. Was auf den ersten Blick wie abstrakte Photographie erscheinen mag (oder als Abbildung eines Regenbogens gedeutet werden könnte), ist die Niederschrift des komplexen Transfers von (Bild-)Informationen: vom Moment der Entscheidung, etwas zu photographieren (in diesem Fall liegt eine Aufnahme von einem Objekt Jean Nouvels zugrunde) bis zur Rückkehr des photographischen Bildes aus dem Labor als letzter Akt eines langen Prozesses. Thematisiert wird somit, auch über die Photographie hinaus, ein heute nahezu omnipräsentes System von Information und Kommunikationskanälen.

Horáková + Maurer machen es in ihren analytischen Photographien transparent. In diesem Sinn ist ihre Arbeit eine ebenso photographische wie medienreflexive - auf die einzulassen sich unbedingt lohnt (I., Herrengasse 6; bis 17. Mai).

Galerie Grita Insam. Die Architektur der Städte und der Dinge umkreist Gerold Tagwerker in seinen Arbeiten. Diesmal steckt er das Feld mit Objekten, Großphotographien und einem Video ab, die sämtliche auf gefundene Materialien zurückgehen: sind es in den Skulpturen Stücke aus dem Baumarkt (Leuchten, Folien, Fenster), so spürt er in den Fotos anonyme Räume auf: Sechziger-, Siebziger-Jahre-Interieurs ebenso wie Fassaden von Wolkenkratzern. Konsequenterweise beruht auch das Video auf einem Fundstück, wodurch Godards photographierend-spionierender Alphaville-Agent Lemmy Caution quasi als Alter Ego zu künstlerischen Ehren kommt. Tagwerker hat hier eine Inszenierung geschaffen, die als Ganzes gut funktioniert, als einzelne verlieren sich die Arbeiten allerdings (I., Köllnerhofgasse 6; bis 1. Juni).



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