Sigmar Polke wurde als Sohn eines Schmieds 1941 in Oels in Schlesien,
dem heutigen Polen, geboren. Geprägt von dem Formenreichtum des
schlesischen Barocks kam er 1953 nach Düsseldorf, wo er schon bald das
Studium der Glasmalerei aufnahm.
In den 60er Jahren studierte er an der Düsseldorfer Akademie bei Karl
Otto Goetz und Gerhard Hoeme.
Freund Richters
Zu seinen damaligen engsten Freunden gehörte der Maler Gerhard Richter.
Gemeinsam gründeten sie den "Kapitalistischen Realismus" als Persiflage
des Sozialistischen Realismus. Unter diesem Label persiflierten sie in den
60er Jahren die amerikanische Popart mit Bildern wie "Der Wurstesser",
"Socken" und "Schokoladebild".
Neue Materialien
Doch schon bald beginnt sich die Statik und Mystifizierung der
Gegenstände aufzulösen. Polke ist fasziniert von der Bilderflut der 60er
Jahre und studiert Comics, Illustrierte, wissenschaftliche Bücher, Lexika
und Science-Fiction-Heftchen.
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| Sigmar Polke, 2002 / ©Bild:
APA |
Er besucht ausgiebig die Kaufhäuser und ersteht Dekorstoffe, die Dürers
Hasen, Franz Marcs Pferde und manchmal auch nur Herzchen oder Streifen
enthalten. Polke beginnt, die Stoffe als Bildträger einzusetzen, klebt sie
auf die Leinwand und malt mit Dispersion Figuren oder Farbflecken.
Die Liebe zu den Punkten
Er entwickelt ein Rastersystem von Punkten, die er mit der Lupe auf die
Leinwand aufträgt. Sie wirken wie die Pixel eines Zeitungsfotos und kommen
auch in späteren Arbeiten immer wieder vor.
1966 sagt er über seine Vorliebe für Punkte: "Ich liebe alle Punkte.
Mit vielen Punkten bin ich verheiratet. Ich möchte, dass alle Punkte
glücklich sind. Die Punkte sind meine Brüder. Ich bin auch ein Punkt".
Erste Präsentationen
1964 hat Polke seine erste Ausstellung. Zwei Jahre später folgt die
erste Einzelausstellung in der "Galerie h" in Hannover. 1968 richtet ihm
das Kunstmuseum Luzern die erste Museums-Schau aus. 1972 ist er auf der
"documenta 5" vertreten. Heute gehört Polke weltweit zu den bedeutendsten
Künstlern.
Abenteuer Fotografie
Sein anfänglich verschmitzter Humor, der die Alltagswelt des
Nachkriegs-Deutschland mit Hilfe eines gewissen Stilpluralismus
persifliert, ebbt in den 70er Jahren etwas ab. Er bekommt 1970 einen
Lehrauftrag an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin, wo er 1975
eine Professur erhält.
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| Original + Fälschung 19 (Der Kapitän und das
brennende Schiff), 1973 |
Ansonsten lebt er mit Künstlern, Aussteigern und Adabeis in einem
Bauernhaus in Willich. Er geht viel auf Reisen und beginnt, sich mit
Fotografie zu beschäftigen. Er setzt beim Entwickeln Wasser- und
Lackflecken ein. Seine berühmteste Serie ist der "Bärenkampf" von 1974,
aufgenommen in Afghanistan.
Rückkehr zur Malerei
Kurze Zeit später wendet er sich wieder der Malerei zu. Es entstehen
Schüttbilder und er lässt die Farbe durch eine Drehbewegung der Leinwand
verrinnen. In den 80er Jahren entstehen die Lackbilder. Bis zu acht
Schichten von Kunststoff-Siegellack trägt er auf die Leinwand auf.
Dazwischen streut er Pigmente, Graphitpulver oder Blattsilber.
Dieses Zufallsprinzip interessiert ihn und wenn Risse in dem
aufgetragenen Lack entstehen, dann entwickelt das Bild ähnliche Fehler wie
die Fotoarbeiten. Eines der wichtigsten Bilder dieser Serie ist LTI
(Lingua Tertii Imperii) von 1983.
Eine deutsche Ausnahme
Sigmar Polke ist bis heute ein experimentierfreudiger Künstler
geblieben, dessen Stärke in seiner Vielfalt und in seinem Humor liegt.
Humor, den man den deutschen Malern nicht leicht zubilligt. Aber wer
zuletzt lacht, lacht am Besten.
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