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05.05.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung
Sinnliche Schau: Wiener Aktionismus
Österreichs Beträge zur internationalen Avantgarde: Brus, Nitsch, Muehl und Schwarzkogler im Mumok.

"Eine beeindruckende, sinnliche Ausstellung" zum Wiener Aktionismus ist es, so Mumok-Direktor Edelbert Köb. Die Sammlung von Julius Hummel sei die bisher einzige von einem österreichischen Privatsammler, die im schwarzen Kubus im Wiener Museumsquartier gezeigt werde. Der Grund dafür sei einfach, so Köb bei der Pressekonferenz: "Die Sammlung ist qualitativ hochwertig und einzigartig." Mit Videoprojektionen und Fotografien soll das "vielschichtige Phänomen" des Wiener Aktionismus fassbar gemacht werden.

Mit Günter Brus, Hermann Nitsch, Otto Muehl und Rudolf Schwarzkogler stehen jene vier Personen im Zentrum der Ausstellung, die in den 60er Jahren durch ihre performativen Aktionen einen der wichtigsten Beiträge Österreichs zur internationalen Avantgarde lieferten. Die Schau auf Ebene 1 liefert laut Köb einen umfangreichen geisteswissenschaftlichen und kulturgeschichtlichen Hintergrund zum Wiener Aktionismus und versucht zudem die Darstellung einer Wirkungsgeschichte der orgiastischen und radikalen Körperkunst.

Die vier Künstler hatten sich zusammengeschlossen, um gegen bürgerlich-akademische Kunstkonzepte zu protestieren, und erweiterten bzw. überwanden die informelle Malerei durch ihre performativen Verfahren, heißt es im Pressetext zur Ausstellung. Nitsch und Brus wehrten sich bei der Pressekonferenz jedoch dagegen, die Wiener Aktionisten stets als Gruppe zu sehen. "Das empfinde ich nicht so sehr", meinte Nitsch. Vielmehr habe es sich um vier Künstler gehandelt, die mittels ihrer unterschiedlichen Begabungen auf die Außenwelt - "das konservative Wien" - reagiert hätten.

Brus wollte ebenso nicht ständig in einen Topf mit den drei anderen geworfen werden, fühlte sich in der Sammlung aber dennoch gut repräsentiert. "Ich habe die Ausstellung bisher nur flüchtig gesehen, war aber überwältigt von den zahlreichen Exponaten", so Brus. Auch Daniele Roussel, Leiterin des Muehl-Archivs und Vertreterin des an Parkinson erkrankten Künstlers am Podium, zeigte sich "verblüfft von der Potenz, der unglaublichen Kraft" der vier Aktionisten, die es geschafft hätten, "Formales und Ekstase" unter einen Hut zu bringen. "Ich finde die Sammlung wahnsinnig schön." Dem stimmte Nitsch zu: "Ich fasse die Ausstellung als Kunstwerk auf."

Tatsächlich prasseln mit zahlreichen Videos und großen Fotografien eine Unmenge von Eindrücken auf den Museumsbesucher ein, die einen "wichtigen Teil der jüngeren europäischen Kunstgeschichte" (Köb) richtiggehend am ganzen Körper erfahrbar machen. Auf die Frage eines ausländischen Journalisten, ob der Wiener Aktionismus nach zahlreichen Anfeindungen nun eigentlich rehabilitiert sei, meinte der Museumsleiter, dass es in Österreich immer noch Vorbehalte gebe. Und Nitsch ergänzte: "Ich finde es gar nicht schlecht, unversöhnlich zu bleiben. Lassen wir doch die Kluft zwischen blöd und nicht blöd." (APA)

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