
Bis 30. 4.

Wien
- 1971 hat Gottfried Bechtold sein "Zauberlehrlingsstück" geliefert: Er
wollte "etwas ganz Schnelles ganz langsam machen". Und ist nach kurzer
Hinwendung zu Ferrari
und Maseratti auf den Porsche gekommen. (Auch weil der sehr deutsch war
und aus Wolfsburg stammt: jener Stadt, die einst
"Kraft-durch-Freude-Stadt" hieß und erst durch einen englischen
Besatzungsoffizier in Anlehnung an Hitlers Selbstbild - "Wolf" - zu
Wolfsburg wurde. Und wo Ferdinand Porsche den Volkswagen entwickelt
hat. "Einen Beschiss, weil aus den Anzahlungen nicht Autos, sondern
Kriegsgeräte gebaut wurden.")
Beton war das Material, aus dem
technisch revolutionären Wirtschaftswunderpotenzmittel ein Fossil zu
machen. Die genaue Replik des Autos landete als Skulptur in der
Universität von Konstanz. Und Bechtold hatte einen Fluch am Hals: "Der
mit dem Betonporsche." Sein Lehrstück verfolgt ihn bis heute. Also:
Gasgeben!
"Dreißig Jahre später trifft es mich wie ein
Keulenschlag, dieses Tuch, das die Oberfetischisten kaufen: eine
teutonische Autoabdeckung um 700 Euro! Die OberChamps fahren am
Sonntagabend durch die Waschstraße, und dann kommt das drüber wie ein
Maßanzug. Die legen ihre Autos selbsttätig still - kurzzeitig."
Betonieren dagegen ist langzeitig, konsequenter. Also war klar: Man
muss einen Betonporsche mit dieser Schutzhülle gießen, aus der Teil-
eine Vollkonserve machen. Und das ist zunächst ein skulpturales
Problem. Weil: "Hartes Material stellt weiches Material dar. Ein
Faltenwurf ist vom Bildhauerischen her betrachtet einfach. Da kann man
total viel mogeln; Stretch hingegen ist schwer, da sieht man jeden
Fehler." Bechtold aber wollte die Hülle perfekt haben, glatt, "ohne
Steppdeckeneffekt". Das Problem regte die Lust an, "forschungsmäßig"
vorzugehen. Unendlich lange musste mit Betonmischungen experimentiert,
Abformtechniken mussten neu entwickelt, Apparaturen konstruiert werden,
um den Porsche auch „querrollen" zu können.
Jeff Koons war in
dieser Zeit in Bechtolds Atelier in Vorarlberg und hat mit offenem Mund
und fragenden Augen signalisiert: "Warum kannst du das alles, warum
machst du das alles selbst?" Bechtold begründete die Bastelei mit
"Lust" und dem Selbst-Probieren als einziger Möglichkeit, auf
Detailfragen überhaupt erst zu kommen: "Man lässt ja auch nicht von
jemand anderem bumsen!" Und schließlich ist das wie mit einer
Wallfahrt. Die Gebete am Weg sind auch schon Teil des Ziels.
Und
dann sind da noch zwei Aspekte: "Ein Auto ist ja nur von praktischem
Nutzen, wenn es einen Innenraum aufweist." Und also kann man so einen
Porsche auch stilllegen, indem man ihn so weit presst - "seine Moleküle
in andere Raumkoordinaten bringt" -, bis innen kein Platz mehr ist.
Und: "Die Kunstgeschichte ist voller Reiterstandbilder - ein ausgiebig
abgehandeltes bildhauerisches Problem. Nur Autos, die Pferde unserer
Tage, wurden kaum je als skulpturale Aufgabe wahrgenommen." Die Galerie
Krinzinger zeigt nun Gussformen als "kaltschnäutzige artefacte". Der
Porsche ist also dort, und auch wieder nicht. (Markus Mittringer/DER
STANDARD, Printausgabe, 29. 4. 2009)