
vergrößern 600x861Viel Wert auf das Setting legte Dorothee Golz in der Arbeit "Der Perlenohrring" (2009), bei dem Lichteinfall, Boden und Körperdrehung dem Original Vermeers von ca. 1665 entspricht: Die Konstruktion des Bildes verschleiert Golz allerdings nicht: Der Koffer der Kamera verbleibt im Bild.
Die "Dame mit Hermelin" lehnt lässig an der Wand. Die von Holbein porträtierte Gattin Heinrichs VIII., Anna von Kleve, posiert bauchfrei im Designerinterieur. Und Agnolo Bronzinos Eleonora von Toledo fixiert den Betrachter selbstbewusst und sexy im Business-Outfit. 2005 begann Dorothee Golz mit einer Serie von Fotografien, die mit Renaissanceporträts spielten: Sie transferierte die Gesichter der malerischen Ikonen in moderne Räume und kombinierte sie mit zeitgenössischer Körpersprache.
In ihrer Ausstellung "Der Perlenohrring" in der Galerie Charim zeigt Dorothee Golz (geb. 1960) eindrucksvoll, wie sie ihre Serie "Digitale Gemälde" seit 2005 weiterentwickelt hat: Zunächst faszinierte es sie, "ein Gesicht, das vor 500 Jahren gesehen worden ist" , in die Gegenwart zu versetzen. Die historische Figur interessiert sie nicht, sondern die Blicke von Maler und Gesellschaft, die sich in der Darstellung spiegeln. Der Gesichtsausdruck, der in den alten Gemälden brav und sittsam wirkt, ergänzt sich mit moderner Körperhaltung und Kleidung zu einem Bild intelligenter, selbstständiger Frauen. Nicht nur das Format der Fotografien hat sich seit 2005 stark vergrößert - insbesondere die Bedeutung von Komposition und Setting hat sichtbar zugenommen:
"Nichts ist dem Zufall überlassen" , betont Golz. Auch formale Details wie eine Schattenfuge nicht: In Holbein vor Cy Twombly (2010) inszeniert Golz Holbeins Derich Born als jungen, stylishen Ausstellungsbesucher vor einem Twombly-Gemälde mit Schattenfuge. Ebendiese führt sie - um die Kontinuität der Szene in der Galerie fortzusetzen - in der Rahmung der üblicherweise rahmenlos bleibenden Aufnahmen fort. Großes Augenmerk schenkt Golz auch Kopfbedeckungen, die sie nachschneidern lässt, oder auf den Schmuck, von dem sie für die barbusige Version der Anne van Cleve (2007) Kopien anfertigen ließ: "Es darf nicht gemalt aussehen" .
Neben den Konstruktionen von (Geschlechts-)Bildern interessiert Golz, die immer auch bildhauerisch arbeitete, der "Bau" der Gemälde: "Mein Denken ist räumlich" , sagt die Künstlerin, die auch mit ihren zarten Wandzeichnungen überzeugt. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.3.2010)
Charim Galerie Wien, Dorotheergasse 12/1, 1010 Wien. Bis 10. 4.
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Wiki:
"Der Turban mit dem gelben, herabfallenden, Tuch ist ein Zeichen
für das in der damaligen Zeit vorhandene Interesse an der
morgenländischen Kultur in Folge der Türkenkriege. Im 17. Jahrhundert
waren Turbane deshalb ein beliebtes und weit verbreitetes Accessoire in
Europa."
Seltsamerweise fand das damals niemand fürchterlich
Naja damals war Holland ja vergleichsweise aufgeklärt.

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