Wie lange noch dauert die Inflation der
"Von-Bis-Ausstellungen"? Ab wann tritt eine Sättigung ein? Direktor Gert
Amman mag sich dem Trend der Eventkultur in selbstkritischen Äußerungen
widersetzen. Am Ende hielt das publikumswirksame Konzept auch im Tiroler
Landesmuseum Einzug.
"In freier Natur - Von Cézanne bis Picasso" heißt also
die erste große Sonderausstellung, die das Ferdinandeum nach zweijähriger
Umbauzeit in seinen neuen Ausstellungsräumen präsentiert. Thema ist der
Wandel des Verhältnisses von Mensch, Natur und Landschaft in der Malerei
der Moderne von 1880 bis 1930. Gezeigt werden rund 80 Werke von Künstlern
des französischen und deutschen Impressionismus, der Nabis und Fauves in
Frankreich, des Symbolismus bis zu Jugendstil und Expressionismus.
Akte im Freien und Badende, wie die berühmten "Badende
vor einem Zelt" von Paul Cézanne (1880) oder Picassos "Vier weiblichen
Akte am Meer" (1921) gehören zu den Hauptmotiven der Moderne. Sie stellen
eine Art irdisches Paradies als Kontrast zur Industrialisierung dar. Doch
auch Refugien innerhalb der Großstädte werden Thema der modernen Malerei:
der Garten als Idyll der Privatsphäre, Frühstücke im Freien (Edouard
Manet, 1863), Spaziergänger in öffentlichen Grünanlagen, auch ironisiert
von Lyonel Feininger (1915). Spiel und Sport im Freien wird als eigener
Themenkomplex mit Bildern von Degas, Liebermann und Delaunay gewürdigt,
ebenso Paul Gauguins symbolisches Arkadien der Südsee - bis hin zu den
"Brücke"-Künstlern Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Max
Pechstein.
Die neue "Art-Box" des Tiroler Ferdinandeums in strenger,
kühler Architektur (und vollklimatisiert) bietet das geeignete Ambiente.
Etwas zu karg ausgefallen sind Kommentare und Erklärungen zu den lose
aneinander gereihten Werken. Und etwas zu laut die veralteten
Luftentfeuchtungsapparate, die mit ihrem Geknatter den Rundgang begleiten.
Bis 28. 9., www.tiroler-landesmuseum.at
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