Präzis, bisweilen verstörend detailliert
wirken die Raumchoreografien, die Bewegungsmuster auf Niedermayrs
Fotoarbeiten. Viele der Arbeiten sind als Serie konzipiert. Und zwar von
Anfang an. Sie entstehen als vielteilige Komposition eines Schauplatzes.
Im Katalog zur Ausstellung spricht Walter Niedermayr davon, dass "es ihm
immer darum ging, das Bild aus der Starre zu lösen, das eine fixe Bild. Es
gibt ja nicht nur das eine Bild."
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| Installationsansicht, Kunsthalle Wien 2003 /
©Bild: Gerhard Koller, Kunsthalle
Wien |
Und genau aus diesem Bewusstsein heraus, dass es nicht nur das eine
Bild, nicht nur ein getreues Abbild geben kann, erstehen die
vielperspektivischen Serien, die sich zu einem offenen Ganzen
zusammensetzen. Und zwischen den Bildern einer Serie tun sich die Brüche
und Sprünge, die Ritzen und Fugen unserer komponierten
Wahrnehmungsmechanismen auf. Diese werden durch die Zusammenfügung nicht
geklittert, sondern vielmehr betont und hervorgehoben.
Katalog als Ausdrucksmittel
Der Katalog mit dem Titel "Zivile Operationen" ist als eigenes
künstlerisches Ausdrucksmittel gestaltet. Beim Durchschauen des
breitformatigen Bandes entwickelt sich eine visuelle Choreografie vom
Außenraum: von den alpinen Räumen über die Autobahnen zu den Rohbauten und
schließlich den Raumfolgen von Krankenhäusern und Gefängnissen.
Bauen im Rohzustand
Neben dem seriellen Blick auf einen gewählten Landschaftsraum, spielt
auch ein anderes Anschauen des Gebauten eine wesentliche Rolle. In den
Fotografien von Architekturen zeigt sich ein anderer Aggregatzustand des
Gebauten. Mit herkömmlicher Architekturfotografie haben diese Bilder
nichts zu tun. Wir sehen Zellen oder Korridore von Gefängnissen,
Operationssäle oder Hochsicherheitstrakte. Und Gebautes im Werden, Details
und Ausschnitte unfertiger Räume und Architekturen, sieht man auf den
Fotografien von Rohbauten.
Niedermayr: "Dieses Raumerlebnis hat nichts mit Architektur (im Sinne
von Design) zu tun. So ist es vollkommen unwichtig, ob es sich um die
Baustelle eines mehr oder weniger namhaften Architekten handelt. Letzterer
würde sich für meine Bilder wahrscheinlich gar nicht interessieren, weil
ich in einem Stadium fotografiere, wo so etwas wie eine Handschrift noch
gar nicht sichtbar ist".
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