Seine Esel und Katzen, vor allem seine
Tiere aus dem Schönbrunner Tiergarten sind allseits bekannt: Ludwig
Heinrich Jungnickel hat schon zu Lebzeiten internationale Anerkennung
gefunden - auch mit Landschaften, Genrebildern und Porträts, vor allem
aber mit seinen unheimlich dynamischen Tierbildern. Diese Sujets
dominieren auch in der Ausstellung in der Wiener Galerie bei der
Albertina. Die Originalzeichnungen zum Zyklus der klassischen Fabeln des
Altertums sind erst vor kurzem wieder aufgetaucht und werden in der
Ausstellung zum ersten Mal präsentiert.
Neue Monografie
Als Jungnickel 1965 im Alter von 84 Jahren starb, hinterließ er einen
umfangreichen Fundus an Werken, Skizzen und Studien. Einen Überblick über
sein umfangreiches Oeuvre, das in mehr als sechs Jahrzehnten entstanden
ist, versucht nun die Kunsthistorikerin Ilse Spielvogel-Bodo in ihrer eben
erschienen Monografie über den Maler und Grafiker zu vermitteln.
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| "Zwei Esel und eine Maus", Kohle und Aquarell
auf Papier, Bildausschnitt |
Was ist nun das Besondere an Jungnickels Tigern und Löwen, Affen und
Rehen, Katzen und Eseln? "Er hat die Tiere mit menschlichen Eigenschaften
ausgestatten, was ihn besonders bekannt gemacht hat", stellt Ilse
Spielvogel-Bodo fest. Und: "Er hat die Seele der Tiere mit einfließen
lassen."
Komischer Kauz
Zu den Tieren hatte der als schrullig bekannte Künstler offenbar eine
innigere Beziehung als zu den Menschen, wie Ilse Spielvogel-Bodo in ihrem
Buch ausführt. "In Villach erzählt man sich heute noch die
interessantesten Anekdoten über den Künstler", weiß Spielvogel-Bodo. Er
sei sehr misstrauisch und spartanisch gewesen und habe zum Beispiel Sessel
gehasst, sie seien ungesund. "Er hatte in seiner Wohnung, die zugleich
sein Atelier war, nur Kisten, in denen er auch seine Bilder aufbewahrte.
Das war sein ganzer Besitz."
Starker Wandel
So chaotisch sein letztes Atelier in Villach war, so stilvoll war jenes
seiner Anfangsjahre in Wien, wo er ganz dem Geschmack der Wiener
Jahrhundertwende entsprechend Asiatika sammelte. Denn als der 1881 in
Wunsiedel geborene Bayer über München, Rom und Kärnten nach Wien kam, war
er sehr vom Geist der Secession fasziniert. Frühe Landschaftsbilder geben
davon Zeugnis, aber auch viele Arbeiten, die für die Wiener Werkstätte
entstanden sind.
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| "Italienische Küstenlandschaft", Aquarell auf
Papier (Zum Vergrößern klicken) |
Österreich blieb für den Rest seines Lebens Jungnickels Wahlheimat,
hier hatte er viele Künstlerfreunde, auch wenn er immer viel auf Reisen
war und speziell den Winter lieber im wärmeren Süden, in Dalmatien und
Italien, verbrachte. Trotz seiner Beziehungen zur Wiener Secession, später
zum Expressionismus oder zu den Künstlern des Nötscher Kreises ist
Jungnickel eine Einzelerscheinung in der Kunst des 20. Jahrhunderts
geblieben, wie aus Ilse Spielvogel-Bodos Monografie hervorgeht.
"Was er sein Leben lang gescheut hat, waren menschliche Bindungen",
sagt die Autorin. "Klimt und Schiele etwa zählten zu seinen Freunden, aber
er war nicht der Mann, der sich angepasst hat - stilistisch offen, aber im
Grunde sich selbst treu."
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| "Porträt eines Mulis", Kohle auf
Papier |
Tipp:
Ilse Spielvogel-Bodos Buch über Ludwig Heinrich Jungnickel ist im
Klagenfurter Verlag Johannes Heyn erschienen.
In der Wiener Galerie bei
der Albertina sind Jungnickels Werke bis 3. Oktober zu sehen sind. Am 26.
September werden über 30 grafische Arbeiten von Ludwig Heinrich Jungnickel
in einer Benefizauktion zu Gunsten des Schönbrunner Tiergartens
versteigert.