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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
29. Mai 2007
16:34 MESZ
Ausstellung: Robert Maria Stieg: "Vorsicht: Möbelhaftes!" in der Studiensammlung Möbel des MAK geöffnet vom 30. Mai bis zum 21. Oktober, Di 10-24 Uhr, Mi-So 10-18 Uhr. 
"Vorsicht: Möbelhaftes!"
Ungewöhnlich und unwohnlich: MAK zeigt Objekte von Robert Maria Stieg

Wien - Wenn schon der Ausstellungstitel wörtlich zur Vorsicht mahnt und statt Möbel nur "Möbelhaftes" ankündigt, ist die Erwartung, in der Studiensammlung Möbel des MAK auf echte Gebrauchsgegenstände zu treffen, wohl vorweg gering. Und obwohl der Titel "Vorsicht: Möbelhaftes!" nur als Paraphrase aus zwei ehemaligen Ausstellungstiteln des 1984 verstorbenen Robert Maria Stieg entstand, ist er Programm. Die Ausstellung, die Dienstag Abend eröffnet wird, verdeutlicht eindrucksvoll das künstlerische Credo des österreichischen Designers, Möbel nicht zum Nutzen oder zum Anschauen zu bauen, sondern um das Gespräch darüber anzuregen.

Nicht nur sprechen, auch rätseln kann man über die Funktionsweise einiger Ausstellungsstücke. Stühle ohne Beine, Tische ohne flache Tischplatten, Polstermöbel mit heraushängendem Innenleben bedürfen durchaus einiger erklärender Worte. Dass Farben, Formen und Materialen dennoch als deutliche Anlehnung an die Wiener Möbeltradition erkennbar und auch ganz zweckfrei schön anzuschauen und schwierig herzustellen sind, macht die Grenzen politischer Aussagekraft verschmerzbar. Dieser Grenzen war sich auch Stieg selbst durchaus bewusst, wie folgendes Zitat aus 1977 zeigt: "Ein revolutionäres Möbelstück wird es genauso wenig geben, wie einen revolutionären Mantel oder ein revolutionäres Butterbrot."

Der Gedanke dahinter

Seine Möbel gewordene Kritik richtete sich deshalb an ganz konkrete Entwicklungen. In seiner Ausstellung "Unvollkommen Möbelhaftes" (1978) versuchte er mit ungewöhnlichen und größtenteils nicht benutzbaren Kreationen "einen Kontrapunkt zur homogenisierten Wohnlandschaft zu setzen", so Kurator Sebastian Hackenschmied. Statt fertigen Produkten, die nur ein weiteres Glied in der Kette der medial inszenierten Unzufriedenheit mit dem, was man schon hat, darstellen würden, versuchten seine Möbel neue Denkmodelle anzuregen. Ein Stuhl ohne Hinterbeine, der nur an die Wand gelehnt - wenn überhaupt - funktioniert, reflektiere dabei die Tatsache, dass die meisten Wohnräume so gedrängt seien, dass Stühle sowieso an der Wand stehen müssten.

"Gegen den konservativen Mief" habe sein Freund Stieg sein Design angelegt, erzählte MAK-Direktor Peter Noever. In einem gemeinsamen Projekt mit dem Namen "Initiative so" hatten Noever und Stieg 1977 den gesellschaftskritischen Ansatz des Möbeldesigns greifbar gemacht: Mit dem "demokratischen Arbeitsplatz", mehreren ausfahrbaren Tischen, die sich um eine einzige runde Achse drehen, wollte man "unmittelbar die Arbeitsverhältnisse verändern", wie Hackenschmied erläuterte. Durch das gemeinsame Zentrum, das Mappen, Telefon und Schreibwaren enthält, sollten Hierarchien abgebaut und spontane Projektgruppen angeregt werden. Diese eindeutige sozialkritische Komponente in Stiegs Arbeit findet sich auch in späteren Werken, wenn er beispielsweise Billig-Polstermöbel aufschnitt, um zu zeigen, was sich unter den schönen Stoffen an "Pfusch" verbarg und damit Verschwendung und Qualitätsverlust thematisierte. (APA)


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