Am Balkon blubbert ein Blutbrunnen, die Sitzgelegenheiten zieren Perserteppiche und auf den Fotografien erklettern weibliche Polizistinnen in der Burka eine Hauswand, schwer bewaffnet: Die Ausstellung "The Promise Of Loss" zeigt Kunst aus dem Iran - von Innen. Mit der Schau eröffnet am Freitag die "BrotKunsthalle" in der ehemaligen Anker Brotfabrik.
Galerist Ernst Hilger für diese neue Kunsthalle 430 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur permanenten erklärt. "Wir wollten unbedingt die ersten sein, die zeitgenössische Kunst aus dem Iran zeigen", sagte er Hilger. Seinen Kurator Shaheen Merali schickte Hilger auf Kunstmission nach Teheran, herausgekommen ist eine breite Sammlung
Etwa zwei Drittel der 18 vertretenen Künstler leben in der iranischen Hauptstadt, manche mit hoher Bekanntheit in ihrer Heimat, andere auch bereits mit hohem internationalen Renommee, zwei aus Hilgers eigenem Galerieprogramm: Sara Rahbar gab den Anstoß zu seinem Iran-Interesse, und dass eine Hälfte des österreichischen Künstler-Duos Asgar/Gabriel iranische Wurzeln hat, kam gerade recht.
Es ist Kunst aus dem Iran und als solche erzählt sie vom Iran, kommentiert das "westliche" Bild dieses Landes und schneidet Details aus dem Alltag aus. Die Rückfenster von Taxis aus den Straßen Teherans, Briefmarken, Handkopien von iranischen Tageszeitungen, "zensurierte" deutsche Tageszeitungen. Viele Kunstwerke erzählen vom Krieg, von der Melancholie, mit der er den Lebensraum infiltriert: Eine Handgranate ragt aus einer Handtasche, eine Gasmaske baumelt von der Stofftierkiste.
"Wir haben die Revolution erlebt und all die Hoffnungen und die Versprechungen, die daran geknüpft waren. Man hat uns den Krieg als Schlüssel zum Paradies erklärt", kommentierte die Künstlerin Mandana Moghaddam ihre Arbeit "Sarah's Paradise". Klinisch weiße, leere Kanister umranden wartend eine Wanne voller Blut, das im Springbrunnen an der Oberfläche quellt. Grünes Neonlicht verweist ganz nebenbei auf aktuelle Entwicklungen.
Bei aller Regimekritik und politischem Bewusstsein der Kunstwerke sei die Kunstproduktion in Teheran dennoch wenig eingeschränkt, berichtet Hilger. "Es gibt einige sehr gute Galerien. Natürlich können sie nicht wie wir plakatieren und offensiv an die Öffentlichkeit gehen. Aber der Iran genießt in der arabischen Kunstwelt einen sehr hohen Stellenwert."
Programmatisch ist die Schau für Hilgers Visionen in seiner neuen Dependance. "Mich interessieren Länder, Themen, Kontexte. Das zu zeigen kann ich mir in meiner Innenstadt-Galerie nicht leisten", so der frischgebackene Kunsthallen-Besitzer. Drei Ausstellungen im Jahr sind in der BrotKunsthalle geplant, "ein bis zweimal zu junger Kunst, ein bis zweimal eine historische Schau".
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