In der Tabakfabrik mit den hohen und weitläufigen Räumen entstehen wunderschöne Bühnenbilder für die Medienkunst. Bild: hermann wakolbin
95 Prozent des Festivals finden am Gelände der Tabakfabrik statt. In der voestalpine-Stahlwelt zeigt der österreichische Medienpionier Richard Kriesche seine faszinierende Installation „blood and tears“, Roboter Asimo lädt ins Ars Electronica Center, am Linzer Hauptplatz steht das „Haiti-Haus“, hergestellt aus harzgetränkten Papierstreifen, die nur die Cellulose-Menge eines Baumes benötigen.
Die „CyberArts“-Ausstellung widmet sich natürlich auch dem Thema des diesjährigen Festivals: „repair – sind wir noch zu retten“. Angesichts von Umweltkatastrophen und Klimaerwärmung ist auch diese Ausstellung ernster und wissenschaftlicher geraten als jene der Vorjahre. Der Spielcharakter mancher interaktiven Installationen in den Jahren zuvor fehlt – doch der Spieltrieb lässt sich bei anderen Ausstellungen in den verschiedenen Gebäuden auf dem Tabakfabrik-Gelände ausleben (dazu untenstehender Artikel).
„CyberArts“ zeigt Siegerprojekte und Anerkennungen aus den Kategorien Interactive Art, Digital Musics & Sound Art sowie Hybrid Art, die zum internationalen Medienkunst-Wettbewerb Prix Ars Electronica eingereicht wurden. Vom bisherigen Standort OK Offenes Kulturhaus also in die Tabakfabrik: Diese Räumlichkeiten sind eine Wucht!
„Eye Writer“ ist Goldener Nica-Gewinner in der Sparte Interactive Art: Die US-britische Künstlergruppe entwickelte Brille samt Software, um es dem gelähmten Graffiti-Künstler Tony Quan zu ermöglichen, mit Hilfe seiner Augen weiterhin kreativ sein zu können. Es ist berührend, via Film den schnellen Augenbewegungen des Künstlers zuzusehen, die ein Bild entstehen lassen. Vielleicht wirklich eine Zukunfts-vision für mehr „Beweglichkeit“ schwer erkrankter Menschen.
Oder der Australier Stelarc, Goldener-Nica-Gewinner der Kategorie Hybrid Art: Er, der schon mehrmals beim Festival gezeigt hat, dass er seinen Körper auch als Versuchslabor sieht, hat sich für „Ear on Arm“ ein ohrenförmiges Gewebegerüst in den Unterarm operieren lassen – hier soll dieses zu einer Art Prothese heranwachsen – zu sehen ebenfalls als Film.
In den teils hohen und weitläufigen Räumen entstehen durch Lichteffekte und wirksame Ausstellungsarchitektur – wie bei den Bildschirm-Dokus – auch wunderbar ästhetische Bilder wie bei „Flaechen“ von Jürgen Stahl: Vibrierende Stahlseile, deren Töne gleichsam zu sehen, aber nicht zu hören sind.
Interessant die sozialkritische Arbeit „Home“ der Koreanerin Hee-Seon Kim: Durch ein Teleskop können wir die von ihr gefilmten Fenster eines Hochhauses heranzoomen und das Treiben in den Wohnungen beobachten – Voyeurismus auf künstlerische Art.
Tipp: Wer sich alle Ausstellungen in den weitläufigen Gebäuden mit den vielen Stiegenhäusern der Tabakfabrik ansehen will, sollte bequemes Schuhwerk wählen – ein Rundgang dauert zirka sechs Stunden!
ich kann mir nicht vorstellen, dass die voest-Stahlwelt (Besucherzentrum) in die Tabakfabrik verlegt wurde.