Peter Noever: Chronik eines Rücktritts
12. Oktober 2010: Die APA berichtet über heftige Kritik von Museumsmitarbeitern an patriarchalischer Führung, Mobbing und Eigen-PR des Direktors - Noever und der Kuratoriumsvorsitzende Andreas Treichl weisen die Vorwürfe zurück.
12. Oktober 2010: Im parlamentarischen Kulturausschuss erhebt der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, weitere Vorwürfe. Seinen Informationen nach pflege der Museumsdirektor den Geburtstag seiner Mutter alljährlich in Lokalitäten des MAK auszurichten und dafür nicht nur keine Miete zu zahlen, sondern auch Dienstleistungen des Personals in Anspruch zu nehmen. Ebenso kritisierte Zinggl das angeblich wiederholte Ausleihen von Limousinen samt Chauffeur sowie den Ankauf eines Oldtimer-LKWs, der für Transporte ungeeignet sei.
15. Oktober 2010: Noever spricht einen Tag nach der Rückkehr von einer Auslandsreise in einer kurzfristig einberufenen Mitarbeiterversammlung von „einer gezielten Kampagne“ gegen ihn.
20. Oktober 2010: In einem Interview mit der Stadtzeitung „Falter“ versichert der MAK-Direktor: „Das Betriebsklima ist gut.“ Er strebe keine Verlängerung des Vertrags an, „aber in Pension werde ich sicher nicht gehen“. Bei den regelmäßigen Geburtstagsfeiern für seine Mutter habe er „zwar keine Miete bezahlt, aber es ist dem Haus kein Schaden entstanden“.
21. Oktober 2010: Kulturministerin Claudia Schmied (S) sagt, sie habe den Vorsitzenden des MAK-Kuratoriums mit der Überprüfung der Vorwürfe beauftragt.
12. November 2010: Schmied gibt bekannt, dass der Ende 2011 auslaufende Vertrag von Noever nicht verlängert werde.
1. Dezember 2010: Noever erhält das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien. Kulturstadtrat Mailath-Pokorny (S) lobt die dynamische Persönlichkeit des „chronisch Obsessiven“ als „jemand, der die Kultur dieser Stadt und dieses Landes so nachhaltig prägt“. Er habe ein biederes Kunstgewerbemuseum zu einer der wichtigsten Museumsinstitutionen Wiens gemacht. Laudator Thomas Krens, einst Guggenheim-Chef, macht Noever ein Jobangebot für den Aufbau eines Kunstkomplexes in Peking: „Komm mit mir nach China. Du hast genug für Österreich getan.“
23. Dezember 2010: Eine parlamentarische Anfragebeantwortung der Kulturministerin erhärtet Vorwürfe gegen Noever. Tatsächlich habe zwischen 2006 und 2009 viermal das Geburtstagsfest der Mutter des Direktors im Museum stattgefunden, wofür keine Saalmiete verrechnet wurde, heißt es u.a. darin. Erst im Februar wird bekannt, dass insgesamt offenbar zehn derartige Feste in Museumsräumlichkeiten stattgefunden haben.
9. Jänner 2011: In einem Interview mit der Tageszeitung „Kurier“ sagt Noever: „Ich bin sicher kein Heiliger. Ich habe genug Fehler gemacht!“ Die Geburtstagsfeiern seiner Mutter „waren sicher keine Privatveranstaltungen“, er gebe aber zu: „Das war vielleicht ein Kontext, den man besser nicht gewählt hätte.“
20. Jänner 2011: Die Grünen beantragen eine Sonderprüfung des Rechnungshofes.
1. Februar 2011: Bei der unter dem Motto „Kunst statt Kompromiss“ abgehaltenen „vermutlich letzten Jahres-Pressekonferenz in diesem Haus“ sagt Noever, er werde sich bis zum Auslaufen seines Vertrages mit Jahresende mit voller Kraft dem Haus widmen. Schließlich sei es ihm und seinem Team gelungen, „ein verschlafenes Museum in einen unverwechselbaren, lebendigen Ort der Kunst zu verwandeln“. Die „Querschüsse“ der jüngsten Zeit zielten darauf ab, „mich persönlich und das Haus zu desavouieren“. Am Vortag sei eine Prüfung abgeschlossen worden, die bei einem „Großteil der erhobenen Vorwürfe keinen Grund für Beanstandungen ergeben“ habe. Ungeachtet seiner Meinung, die Feiern seien im Sinne des MAK gewesen, habe er den „drittüblichen Vermietungsanteil“ bereits überwiesen. Im Kulturministeriums ist man verwundert, dass die im Bericht ausgewiesenen Kosten genau das Doppelte der von Noever angegeben Summe - nämlich 21.740 Euro - betragen. Man erwarte eine Klarstellung darüber, ob „etwaige Abschläge“ erfolgt seien.
23. Februar 2011: Peter Noever tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Das Kuratorium gibt bekannt, trotz der gezeigten „tätigen Reue“ Strafanzeige gegen den ehemaligen Direktor zu erstatten und kündigt eine „vertiefende Prüfung“ an, „um eventuellen weiteren Unregelmäßigkeiten nachzugehen“
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