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07.04.2006 - Kultur&Medien / Kommentare
Kunstlicht: Verlangen nach Verlangsamung
ALMUTH SPIEGLER

D
ienstagabend ging ich auf die Jagd. Ziel: die angeblich 600 "Global Player" und "Kunst-Opinion-Leader", die von den Organisatoren der "Vienna Art Week" eingeladen wurden. Während ich mir beim Eröffnungscocktail im Museumsquartier also bereits überlegte, was ich Marktmotoren wie Charles Saatchi oder Maurizio Cattelan immer schon fragen wollte, lauschte ich teils erschreckend euphorischen Eröffnungs-Kampfreden - und hörte gleich wieder auf zu grübeln. Die Global Player müssen im Hotel geblieben sein. Alle Reden waren auf Deutsch. Was die versammelte Wiener Kunstszene natürlich nicht weiter störte.

Und auch beim mitternächtlichen "Come Together" im MAK fand man im neuen "Österreicher"-Cafe vor allem das, was draufsteht. Enttäuscht? Von wegen. Ich habe mich prächtig unterhalten, mit Künstlern wie Marco Lulic - wahrscheinlich der nächste Präsident der Secession. Sollen die Global Player doch die Kunstmessen in Basel, Miami oder London als schicke Ausrede dafür benutzen, ihre exzessiven Pool-Partys zu feiern und mit ihrem neuesten Kitsch-Maler zu protzen. Wien muss anders sein, um sich in diesem so dekadent und selbstherrlich gewordenen Zirkus positionieren zu können.

Die Chancen dafür stehen gar nicht so schlecht. Selbst der schwierige Schwerpunkt Osteuropa scheint heuer in Wien mit besseren Präsentationen und interessierterem Publikum zu funktionieren.

T
ake Time, meet Art" hieß das Motto der "Vienna Art Week" 2005 - das war weise. Ein Verlangen nach Verlangsamung ist spürbar, das sich auch in der Kunst widerspiegelt. Derart könnte jedenfalls der vorherrschende Hang zu Malerei und Zeichnung interpretiert werden. Die Motive stammen zwar oft aus dem rasanten Bilderstrom der neuen Medien, mit zeitintensiven Techniken wird dieser jedoch angehalten.

Exemplarisch dafür stehen drei Ankäufe, die die Albertina auf der "Viennafair" mit Hilfe des neuen "conwert"-Fonds (55.000 €) getätigt hat: Zwei große jugendliche "Wanderer", die Alois Mosbacher nach Fotos aus dem Internet gezeichnet hat. Und eine ebenfalls großformatige Zeichnung Sonja Gangls, die in meditativer Arbeit Schluss-Szenen von Filmen festhält. In diesem Fall von Claude Lelouchs "Ein Mann und eine Frau". Ein Liebes-Schicksal, das sich ebenfalls erst aus einer - trauerbedingten - Verlangsamung heraus ergibt. Und daraus, im richtigen Moment doch schnell gewesen zu sein.

almuth.spiegler@diepresse.com

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