
Salzburg - Das seit Jahren bekannt schwierige Verhältnis von Politik und Medien der Landeshauptstadt Salzburg zu Kunstprojekten im öffentlichen Raum ist seit dieser Woche um eine Facette reicher. Das begehbare Kunstwerk "A.E.I.O.U." des in Frankreich lebenden Künstlers Anselm Kiefer im Furtwänglerpark zwischen Kollegienkirche, Theologischer Fakultät und Festspielhaus muss um einige Meter versetzt werden.
Der als "Kiefer-Pavillon" bekannte Kubus wird aus dem Park entfernt und an dessen Rand, gegenüber dem Kleinen Festspielhaus (Haus für Mozart) am Gelände des ehemaligen Sparkassenstöckls aufgebaut. Kostenpunkt der Aktion: Auf jeden Fall ein sechsstelliger Euro-Betrag, von dem einen erheblichen Teil die öffentliche Hand beisteuern wird. Das Sparkassenstöckl übrigens ist erst vor kurzem abgerissen worden, um den städtebaulich wichtigen Platz frei zu bekommen.
Was nicht nur für Nicht-Salzburger wie einer der sprichwörtlichen Streiche aus Schilda anmutet, ist Ergebnis einer wochenlangen Kunstdebatte in Salzburg. Offiziell musste das Kunstwerk, dessen Inneres auch als Hommage an die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann verstanden werden kann, weichen, weil man bei der Errichtung 2002 auf eine ordentliche Widmung verzichtet hatte. Mit Ablauf einer Sonderbewilligung dieses Frühjahr drohte der Solitär zum Schwarzbau zu werden. Er steht im Grünland.
Das freilich wäre mit einer Umwidmung auch behebbar gewesen. Allerdings macht vor allem das lokale Kleinformat seit Wochen gegen den als "Fremdkörper" und "Kunstbunker" diffamierten Pavillon mobil. Die VP hat sich der Kampagne angeschlossen, obwohl ausgerechnet der damaligen VP-Vizebürgermeister Karl Gollegger das Kunstwerk an dieser prominenten Stelle platzieren ließ. Die Übersiedelung um wenige Meter ist nun der Versuch von Stadt und Land, sich die lästige Debatte vom Hals zu schaffen.
Der umstrittene Quader ist Teil jenes Skulpturenparks, den die private Stiftung Salzburg Foundation - aus Privatmitteln ohne Steuergelder - in der Stadt initiiert. Andere Werke sind beispielsweise Stephan Balkenhols monumentale "Sphaera" auf dem Kapitelplatz im Herzen des Kirchenbezirks oder der umstrittene - weil etwas weibliche - Mozart von Markus Lüpertz. (Thomas Neuhold / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.3.2008)