

"Salumi" :Das Wurstfabrik-Modell aus Jean-Luc Godards und Jean-Pierre Gorins Film "Tout va bien" von 1972
Bekannt wurde Liam Gillick Anfang der 1990er-Jahre mit modulartigen Architekturen, die er als kommunikative Plattformen installierte, um Begriffe wie Arbeit und Produktion neu zu verhandeln. Im deutschen Pavillon in Venedig ging er 2009 mit seiner Frankfurter Küche in den Bereich klassischer Reproduktion - nun präsentiert er eine filmische Arbeit: In dieser erinnert eine krachende Telefonanrufbeantworteraufzeichnung an die sprechende Katze in Venedig und rückt den theoretischen Background des Künstlers ebenfalls in den Hintergrund.
"Tout va bien" heißt der Film von Jean-Luc Godard und Jean-Pierre Gorin von 1972, um den Gillick seine Ausstellung assoziativ kreisen lässt. Es geht um einen Streik in einer Wurstfabrik, der von einer Reporterin und ihrem Ehemann, einem Filmregisseur, beobachtet wird. In leichter Verdrehung des Titels nennt Gillick seine Ausstellung fast 40 Jahre später everything good goes und spielt damit auch auf ein Credo des Kunstmarktes an. Ein Leuchtkasten kündigt den gleichnamige Film an, der auf einer raumtrennenden Wand präsentiert wird.
Der Pressetext erhellt, wie Tonspur und Bild zusammengehen: Um der für die Herstellung des Films beauftragten amerikanischen Produktionsfirma seinen künstlerischen Ansatz näherzubringen, hat er ihren Anrufbeantworter so lange mit einem theoretisierenden Text bequatscht, bis nach einem Piepston der ganze Sermon wieder von vorne losgeht. Der Eindruck von Sermon hängt aber weniger mit dem Textinhalt zusammen (der ist durchaus ernst zu nehmen, wenn man ihn lesen kann) als mit der verheerenden Tonqualität, die das Verstehen der Tonspur bewusst verunmöglicht.
Auf der Bildebene wird deutlich, dass es dem beauftragten Filmproduzenten nicht viel besser erging: Ewig langsame Kamerafahrten zeigen Gillick an seinem Schreibtisch und heben die Warenästhetik seines Notebooks und des Computers hervor. Dort entwirft er gerade ein 3-D-Modell jener Fabrik, die in Tout va bien als Hauptschauplatz dient.
Als künstlerisches "Endprodukt" findet man diese Fabrik in der Ausstellung auch als Objekt auf einem Sockel wieder. Viel wichtiger sind jedoch Gillicks Fragen rund um die Vermittlung des künstlerischen Arbeitsprozesses, den offensichtlich noch nicht mal ein auf Lifestyle konzentrierter Filmproduzent in allzu aufregende Bilder zu übersetzen vermag. (cb / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.3.2010)
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