diepresse.com
zurück | drucken
28.11.2001 - Ausstellung
AUSGESTELLT IN WIEN von FLORIAN STEININGER


Galerie Charim. Der Kolorismus ist wieder in die Bilder von Erwin Bohatsch eingezogen. Im Laufe der neunziger Jahre hat Bohatsch einen konsequenten Abstraktionsprozeß betrieben, der einen radikalen Endpunkt in seiner Malerei tangierte: Grau, Weiß und Schwarz überdeckten das Bildgeviert, zarte Schleier akzentuierten formal die Bildfläche. Die primären Gestaltungsprinzipien sind gleich geblieben, von einem radikalen Bruch keine Rede: Der Einzug der Farbe verläuft moderat und gedämpft. Schillernde Rot-, Gelb- und Grüntöne überlagern sich atmosphärisch. Dunkle schwere Formen, geronnen und mit der Gummispachtel geformt, bilden Vordergrund und Bildfigur. Dabei entstehen beeindruckend elegante Bilder, die auch für die nächsten Jahre malerischen Reichtum versprechen (I., Dorotheergasse 12; bis 2. März).

Galerie nächst St. Stephan. Die Auswahl entspricht dem Stil, der mit Rosemarie Schwarzwälder Ende der 70er Jahre in die Grünangergasse eingezogen ist: Die internationale minimalistisch orientierte Malerei. Dabei haben in der Galeriegeschichte Größen wie Helmut Federle und Günter Umberg immer eine große Rolle gespielt. In der aktuellen Schau werden neuere mit älteren Arbeiten in einen Dialog gestellt. Zu Federle, Imi Knoebel, Gerhard Merz und Umberg ist Stephen Bambury gestoßen, der mit seinen Kreuz- und Quadratbildern die Wurzeln der konkreten geometrisch abstrakten Kunst durchforscht. Neuerdings spielt Photographie bei Federle eine gewichtigere Rolle, wenn auch stark an den Kontext gebunden. Dennoch mag der Zusammenhang zwischen einer Aquariumsaufnahme und einem abstrakten "Cornerfieldpainting" zunächst befremdend, unklar wirken (I., Grünangergasse 1; bis 2. Februar).


Galerie Feichtner & Mizrahi. Verfremdung, ironische Sozialkritik und Inversion der realen Bedingungen stehen im Zentrum von Deborah Sengls neuen Arbeiten. Sengl hinterfragt Jägertum und rustikal-bürgerliche Identität, indem sie Trophäen von Tieren mit den Häuten ihrer Opfer verkleidet: ein Rebhuhn wird "ertarnt", so nennt Sengl diese Umkehrung, mit der Haut einer Raupe oder ein Fisch mit dem Panzer eines Hummers. Sengl steigert das Groteske, indem manche dieser Trophäen auf Knopfdruck zu singen und zu tanzen beginnen.

In Sengls zweitem neuen Werkblock mit pornographischen Darstellungen kippt das Biedere und Kindliche - das Bild, prunkvoll gerahmt und aus Spielsteckperlen zusammengesetzt - ins Obszöne und Laszive. (I., Singerstraße 16; bis 22. Dezember).



© Die Presse | Wien