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Galerie Charim. Der Kolorismus ist wieder in die
Bilder von Erwin Bohatsch eingezogen. Im Laufe der neunziger Jahre
hat Bohatsch einen konsequenten Abstraktionsprozeß betrieben, der einen
radikalen Endpunkt in seiner Malerei tangierte: Grau, Weiß und Schwarz
überdeckten das Bildgeviert, zarte Schleier akzentuierten formal die
Bildfläche. Die primären Gestaltungsprinzipien sind gleich geblieben, von
einem radikalen Bruch keine Rede: Der Einzug der Farbe verläuft moderat
und gedämpft. Schillernde Rot-, Gelb- und Grüntöne überlagern sich
atmosphärisch. Dunkle schwere Formen, geronnen und mit der Gummispachtel
geformt, bilden Vordergrund und Bildfigur. Dabei entstehen beeindruckend
elegante Bilder, die auch für die nächsten Jahre malerischen Reichtum
versprechen (I., Dorotheergasse 12; bis 2. März).
Galerie nächst St. Stephan. Die Auswahl entspricht dem Stil,
der mit Rosemarie Schwarzwälder Ende der 70er Jahre in die Grünangergasse
eingezogen ist: Die internationale minimalistisch orientierte Malerei.
Dabei haben in der Galeriegeschichte Größen wie Helmut Federle und
Günter Umberg immer eine große Rolle gespielt. In der aktuellen
Schau werden neuere mit älteren Arbeiten in einen Dialog gestellt. Zu
Federle, Imi Knoebel, Gerhard Merz und Umberg ist Stephen
Bambury gestoßen, der mit seinen Kreuz- und Quadratbildern die Wurzeln
der konkreten geometrisch abstrakten Kunst durchforscht. Neuerdings spielt
Photographie bei Federle eine gewichtigere Rolle, wenn auch stark an den
Kontext gebunden. Dennoch mag der Zusammenhang zwischen einer
Aquariumsaufnahme und einem abstrakten "Cornerfieldpainting" zunächst
befremdend, unklar wirken (I., Grünangergasse 1; bis 2. Februar).
Galerie Feichtner & Mizrahi. Verfremdung, ironische
Sozialkritik und Inversion der realen Bedingungen stehen im Zentrum von
Deborah Sengls neuen Arbeiten. Sengl hinterfragt Jägertum und
rustikal-bürgerliche Identität, indem sie Trophäen von Tieren mit den
Häuten ihrer Opfer verkleidet: ein Rebhuhn wird "ertarnt", so nennt Sengl
diese Umkehrung, mit der Haut einer Raupe oder ein Fisch mit dem Panzer
eines Hummers. Sengl steigert das Groteske, indem manche dieser Trophäen
auf Knopfdruck zu singen und zu tanzen beginnen.
In Sengls zweitem neuen Werkblock mit pornographischen
Darstellungen kippt das Biedere und Kindliche - das Bild, prunkvoll
gerahmt und aus Spielsteckperlen zusammengesetzt - ins Obszöne und
Laszive. (I., Singerstraße 16; bis 22. Dezember).
© Die Presse | Wien
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