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13.12.2001 - Ausstellung
Unter Palmen und sanftem Mondschein
Emil Nolde reiste 1913 in die Südsee: Im Wiener Kunstforum Bank Austria glühen seine gemalten Eindrücke in frierenden Herzen.
VON ALMUTH SPIEGLER


Die gleißende Sonne sucht man vergeblich. Brennende Strahlen sind dieser Tage anderswo zu finden. Zur Flucht in eine Südsee-Kulisse lockt das Kunstforum Bank Austria mit der Ausstellung "Nolde in der Südsee".

Nicht die Sonne macht Noldes Südsee-Bilder leuchten, sondern verhaltener Mondschein, weiß-aufschäumende Gischt, ein flüchtig aufblitzender Ohrring hinter dichtem Haar - oder Tausende von fuchsienfarbenen Krokusblüten. Trotz der für ihn eher gedämpften Palette läßt Nolde die Farben glühen - sparsam und dadurch effektvoll.

Effektvoll ist die Schau auch inszeniert: In exotischen Lila- und Rosé-Schattierungen sind die Wände gehalten, die Durchblicke sind schön berechnet, sanfte Spots unterstützen die Farbkraft. Ergänzend werden Holzfiguren aus dem Wiener Völkerkundemuseum gezeigt, ihre Schatten an den Wänden hauchen den Plastiken flackerndes Leben ein.

Nach einer Nolde-Personale 1994 und einer Beteiligung an der "Brücke"-Ausstellung von 1995 - Emil Nolde war eineinhalb Jahre lang Mitglied dieser Gruppe - ist dies nun der dritte Auftritt dieses norddeutschen Expressionisten im Wiener Kunstforum. Wirken darum die 50 Ölgemälde und 200 Aquarelle so gar nicht fremd-exotisch in ihrer Formen- und Farbensprache?

Im Jahr 1913 bekam der damals 46jährige Maler die Gelegenheit, mit seiner Frau Alda an der "Medizinisch-demographischen Deutsch-Neuguinea-Expedition" des Berliner Reichskolonialamtes teilzunehmen. Die Gesundheitsverhältnisse der Eingeborenen in Teilen des Bismarck-Archipels sollten untersucht werden - Nolde war als Zeichner für die Dokumentation dabei. Zwei Jahre lang dauerte die Abenteuerfahrt - Sibirien, China, Neuguinea, Indien, Ägypten. Diese Erfahrung, von Nolde in hunderten Studien und Skizzen festgehalten, zählte zu den prägenden in seiner künstlerischen Entwicklung und auch seinem Leben.

Nicht eine romantische Sehnsucht nach dem angeblich so "paradiesischen" Leben der Naturvölker war Noldes Antrieb für die Fahrt, "sondern das starke Gefühl einer Empfindungsverwandtschaft in letzter Tiefe, ein drängendes Suchen nach dem Primären, dem Ursprünglichen - letzter religiöser Humanismus", so Noldes Freund und Biograph Max Sauerlandt.

Sein Interesse an der Kunst der Naturvölker erwachte schon 1911, ein Jahr vor Exkursionsbeginn. Im Berliner Völkerkundemuseum studierte er Masken und Holz-Figuren und arrangierte sie auf seinen Bildern zu ungewöhnlichen Stilleben. Mit diesen Bildern, gemalt vor der Exkursion, wird die Wiener Schau eingeleitet. Dann folgen Aquarelle, Zeichnungen, Studien, die Nolde während der Fahrt schuf. Hier beginnt, trotz der üppigen Farbigkeit und Formenvielfalt in den Porträts und Landschaften, aufgrund der unüberschaubaren Menge der Blick gesättigt abzuschweifen. Gereizt wird er dann wieder bei den Ölbildern, die bei der Aufarbeitung der Eindrücke nach der Rückkehr in Noldes Fischerhaus auf der Insel Alsen entstanden. Noch einmal dürfen hier aus der Erinnerung die indische Tänzerin ihren grün-schimmernden Körper sanft winden, die beiden Eingeborenen mit glänzend blauer Haut vor der Feuerstelle düstere Beschwörungen murmeln, die Augen der Neu-Guinea-Krieger finster aus dem Dunkel leuchten.

Bis 3. März 2002. Täglich 10 bis 19 Uhr, Sa 10 bis 21 Uhr.



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