Die gleißende Sonne sucht man vergeblich. Brennende
Strahlen sind dieser Tage anderswo zu finden. Zur Flucht in eine
Südsee-Kulisse lockt das Kunstforum Bank Austria mit der Ausstellung
"Nolde in der Südsee".
Nicht die Sonne macht Noldes Südsee-Bilder leuchten,
sondern verhaltener Mondschein, weiß-aufschäumende Gischt, ein flüchtig
aufblitzender Ohrring hinter dichtem Haar - oder Tausende von
fuchsienfarbenen Krokusblüten. Trotz der für ihn eher gedämpften Palette
läßt Nolde die Farben glühen - sparsam und dadurch effektvoll.
Effektvoll ist die Schau auch inszeniert: In exotischen
Lila- und Rosé-Schattierungen sind die Wände gehalten, die Durchblicke
sind schön berechnet, sanfte Spots unterstützen die Farbkraft. Ergänzend
werden Holzfiguren aus dem Wiener Völkerkundemuseum gezeigt, ihre Schatten
an den Wänden hauchen den Plastiken flackerndes Leben ein.
Nach einer Nolde-Personale 1994 und einer Beteiligung an
der "Brücke"-Ausstellung von 1995 - Emil Nolde war eineinhalb Jahre lang
Mitglied dieser Gruppe - ist dies nun der dritte Auftritt dieses
norddeutschen Expressionisten im Wiener Kunstforum. Wirken darum die 50
Ölgemälde und 200 Aquarelle so gar nicht fremd-exotisch in ihrer Formen-
und Farbensprache?
Im Jahr 1913 bekam der damals 46jährige Maler die
Gelegenheit, mit seiner Frau Alda an der "Medizinisch-demographischen
Deutsch-Neuguinea-Expedition" des Berliner Reichskolonialamtes
teilzunehmen. Die Gesundheitsverhältnisse der Eingeborenen in Teilen des
Bismarck-Archipels sollten untersucht werden - Nolde war als Zeichner für
die Dokumentation dabei. Zwei Jahre lang dauerte die Abenteuerfahrt -
Sibirien, China, Neuguinea, Indien, Ägypten. Diese Erfahrung, von Nolde in
hunderten Studien und Skizzen festgehalten, zählte zu den prägenden in
seiner künstlerischen Entwicklung und auch seinem Leben.
Nicht eine romantische Sehnsucht nach dem angeblich so
"paradiesischen" Leben der Naturvölker war Noldes Antrieb für die Fahrt,
"sondern das starke Gefühl einer Empfindungsverwandtschaft in letzter
Tiefe, ein drängendes Suchen nach dem Primären, dem Ursprünglichen -
letzter religiöser Humanismus", so Noldes Freund und Biograph Max
Sauerlandt.
Sein Interesse an der Kunst der Naturvölker erwachte
schon 1911, ein Jahr vor Exkursionsbeginn. Im Berliner Völkerkundemuseum
studierte er Masken und Holz-Figuren und arrangierte sie auf seinen
Bildern zu ungewöhnlichen Stilleben. Mit diesen Bildern, gemalt vor der
Exkursion, wird die Wiener Schau eingeleitet. Dann folgen Aquarelle,
Zeichnungen, Studien, die Nolde während der Fahrt schuf. Hier beginnt,
trotz der üppigen Farbigkeit und Formenvielfalt in den Porträts und
Landschaften, aufgrund der unüberschaubaren Menge der Blick gesättigt
abzuschweifen. Gereizt wird er dann wieder bei den Ölbildern, die bei der
Aufarbeitung der Eindrücke nach der Rückkehr in Noldes Fischerhaus auf der
Insel Alsen entstanden. Noch einmal dürfen hier aus der Erinnerung die
indische Tänzerin ihren grün-schimmernden Körper sanft winden, die beiden
Eingeborenen mit glänzend blauer Haut vor der Feuerstelle düstere
Beschwörungen murmeln, die Augen der Neu-Guinea-Krieger finster aus dem
Dunkel leuchten.
Bis 3. März 2002. Täglich 10 bis 19 Uhr, Sa 10 bis 21
Uhr.
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