Unmittelbar vor der Eröffnung des Österreichischen
Kulturforums morgen, Donnerstag, in New York übt nun der Rechnungshof
ungewöhnlich harte Kritik an den Vorgängen um den Neubau. In einem streng
vertraulichen Rohbericht, der vergangene Woche im Kabinett von
Außenministerin Benita Ferrero-Waldner eingelangt ist, verweisen die
Prüfer des Rechnungshofes besonders auf die exorbitanten Kosten des
23-geschossigen, von Architekturkritikern fast schon euphorisch gefeierten
Neubaus.
Derzeit hält man bei mehr als 30 Millionen US-Dollar
(knapp 34 Millionen Euro) Baukosten für knappe 2300 Quadratmeter
Gesamtfläche, obwohl der Bau noch nicht endgültig abgerechnet ist.
Umgelegt ergibt das Errichtungskosten von fast 15.000 Euro (mehr als
200.000 Schilling) pro Quadratmeter. Das ist das Zwanzigfache der
durchschnittlichen Baukosten pro Quadratmeter Bürofläche in New York.
Architekt Raimund Abraham und die
Bundesimmobiliengesellschaft BIG, die den Bau abgewickelt hat, berufen
sich wegen der hohen Kosten auf die hier angewandte und in den USA
unübliche teurere "europäische Bauweise". Allerdings sind die Baukosten
selbst unter Berücksichtigung dieses Arguments um mehr als eine
Zehnerpotenz überhöht. Zum Vergleich: Die Errichtungskosten beim technisch
noch deutlich aufwendigeren Millenniumstower in Wien betrugen 1100 Euro
pro Quadratmeter. Der Rechnungshof vermißt in seinem Rohbericht zudem ein
klares Raumkonzept und fundierte Überlegungen darüber, ob dieser extrem
teure Neubau überhaupt notwendig und sinnvoll sei.
Zusätzlich bemängeln die Rechnungshofprüfer auch die
Tatsache, daß mehr als ein Zehntel der Gesamtfläche, nämlich 260
Quadratmeter plus 30 Quadratmeter Dachterrasse, auf die Dienstwohnung des
Leiters des Kulturinstitutes entfallen. Umgelegt auf den Quadratmeterpreis
hat die Republik Österreich für den Leiter des Kulturinstitutes eine
Wohnung um stolze 3,9 Millionen Euro (mehr als 53 Millionen Schilling)
errichtet.
Der Sprecher des Außenministeriums, Martin Weiss, sagte
zur Kritik des Rechnungshofes: "Da es sich um einen vertraulichen
Rohbericht handelt, geben wir keine Stellungnahme ab."
Warnung schon 1988
Abgesehen von der nunmehrigen harten Rechnungshof-Schelte
ist die Geschichte des Neubaus, der Österreichs Kulturbotschaft Nummer
eins darstellen soll, eine äußerst wechselhafte. Eine der wenigen
Konstanten sind lediglich die laufenden Kostensteigerungen.
Schon 1988 hatte der Rechnungshof dringend eine bessere
Nutzung des alten Österreichischen Kulturinstitutes in New York gefordert.
Wörtlich heißt es dazu im RH-Bericht: "Das 1965 erworbene Gebäude des
KI wurde um die Jahrhundertwende als Privathaus auf einem rund 190m2
großen Grundstück in Manhattan 11. East 52. Straße erbaut. Das
Gebäude bestand einschließlich zweier Keller aus acht Geschossen und war
seit dem Erwerb weder nennenswert umgebaut noch instandgesetzt worden. Der
schlechte Gesamtzustand des Gebäudes sowie die nicht voll genutzte
Ausbaumöglichkeit führten laufend zu Überlegungen, wahlweise das Gebäude
instandzusetzen, auszubauen oder zu verkaufen. Der RH bemängelte das
langjährige Aufschieben einer Entscheidung über den zukünftigen Standort
des KI, so daß das Grundstück in dieser teuren Bürogegend nicht
bestens genützt wurde."
Die Reaktion des Außenministeriums damals: Die
Entscheidung zu einem zwölfstöckigen Neubau sei bereits getroffen worden.
Der Rechnungshof dazu: Ein Aus- oder Neubau des Objektes an der 52. Straße
sei nur dann zweckmäßig, wenn dort neben dem Kulturinstitut auch andere
Dienststellen untergebracht würden. Davon ist beim jetzigen Neubau keine
Rede mehr. Zusätzlich kritisierte der Rechnungshof schon 1988, daß sich
die Arbeit des Kulturinstitutes ausschließlich auf New York konzentriere.
Aufgabe des Kulturinstitutes wäre es, österreichische Kultur in den
gesamten USA bekannt zu machen.
Trotz der Behauptung des Außenministeriums, daß man sich
bereits für einen Neubau entschieden habe, dauerte es weitere vier Jahre,
bis 1992 ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben wurde. Als Siegerprojekt
auserkoren wurde ein Entwurf von Raimund Abraham, seit 1971 in New York
lebender Osttiroler und Freund des früheren Leiters des Kulturinstitutes,
Peter Marboe.
Einstimmig im Parlament
Erst weitere drei Jahre später, im Jänner 1995, wurde die
Baugenehmigung erteilt. Während der Ausschreibungsphase stoppte der
damalige Finanzminister Andreas Staribacher das Projekt mit der Begründung
zu hoher Kosten. Damals rechnete man mit 150 bis 180 Millionen Schilling.
1996 beschloß das Parlament einstimmig den Neubau des
Kulturinstitutes. Übertragen wurde diese Aufgabe der
Bundesimmobiliengesellschaft (BIG). Die im Ministerrat abgesegneten
Maximalkosten: 193 Millionen Schilling.
Kurz nach Beginn der Bauarbeiten 1998 hielt man bereits
bei mehr als 300 Millionen Schilling voraussichtliche Baukosten. Zwei
Baufirmen mußten aus Gründen mangelnder Qualität abgelöst werden. Erst dem
dritten Unternehmen gelang nun die Fertigstellung - zu Kosten von bisher
umgerechnet 450 Millionen Schilling oder 34 Millionen Euro. Diesen Betrag
muß die BIG nun durch die Vermietung des Neubaus an das Außenministerium
hereinbekommen. Die vereinbarte Jahresmiete (ohne Betriebskosten): 1,44
Millionen Euro und damit mehr als ein Viertel des gesamten operativen
Kulturbudgets des Außenministeriums.
© Die Presse | Wien