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17.04.2002 - Kultur News
Scharfe Rechnungshofkritik an Kulturforum New York
Das Zwanzigfache der ortsüblichen Bürobaukosten verschlang der Neubau des Österreichischen Kulturforums. Der Rechnungshof schlug nun Alarm, das Außenministerium verweigert jede Stellungnahme.
VON WERNER BENINGER


Unmittelbar vor der Eröffnung des Österreichischen Kulturforums morgen, Donnerstag, in New York übt nun der Rechnungshof ungewöhnlich harte Kritik an den Vorgängen um den Neubau. In einem streng vertraulichen Rohbericht, der vergangene Woche im Kabinett von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner eingelangt ist, verweisen die Prüfer des Rechnungshofes besonders auf die exorbitanten Kosten des 23-geschossigen, von Architekturkritikern fast schon euphorisch gefeierten Neubaus.

Derzeit hält man bei mehr als 30 Millionen US-Dollar (knapp 34 Millionen Euro) Baukosten für knappe 2300 Quadratmeter Gesamtfläche, obwohl der Bau noch nicht endgültig abgerechnet ist. Umgelegt ergibt das Errichtungskosten von fast 15.000 Euro (mehr als 200.000 Schilling) pro Quadratmeter. Das ist das Zwanzigfache der durchschnittlichen Baukosten pro Quadratmeter Bürofläche in New York.

Architekt Raimund Abraham und die Bundesimmobiliengesellschaft BIG, die den Bau abgewickelt hat, berufen sich wegen der hohen Kosten auf die hier angewandte und in den USA unübliche teurere "europäische Bauweise". Allerdings sind die Baukosten selbst unter Berücksichtigung dieses Arguments um mehr als eine Zehnerpotenz überhöht. Zum Vergleich: Die Errichtungskosten beim technisch noch deutlich aufwendigeren Millenniumstower in Wien betrugen 1100 Euro pro Quadratmeter. Der Rechnungshof vermißt in seinem Rohbericht zudem ein klares Raumkonzept und fundierte Überlegungen darüber, ob dieser extrem teure Neubau überhaupt notwendig und sinnvoll sei.

Zusätzlich bemängeln die Rechnungshofprüfer auch die Tatsache, daß mehr als ein Zehntel der Gesamtfläche, nämlich 260 Quadratmeter plus 30 Quadratmeter Dachterrasse, auf die Dienstwohnung des Leiters des Kulturinstitutes entfallen. Umgelegt auf den Quadratmeterpreis hat die Republik Österreich für den Leiter des Kulturinstitutes eine Wohnung um stolze 3,9 Millionen Euro (mehr als 53 Millionen Schilling) errichtet.

Der Sprecher des Außenministeriums, Martin Weiss, sagte zur Kritik des Rechnungshofes: "Da es sich um einen vertraulichen Rohbericht handelt, geben wir keine Stellungnahme ab."

Warnung schon 1988

Abgesehen von der nunmehrigen harten Rechnungshof-Schelte ist die Geschichte des Neubaus, der Österreichs Kulturbotschaft Nummer eins darstellen soll, eine äußerst wechselhafte. Eine der wenigen Konstanten sind lediglich die laufenden Kostensteigerungen.

Schon 1988 hatte der Rechnungshof dringend eine bessere Nutzung des alten Österreichischen Kulturinstitutes in New York gefordert. Wörtlich heißt es dazu im RH-Bericht: "Das 1965 erworbene Gebäude des KI wurde um die Jahrhundertwende als Privathaus auf einem rund 190m2 großen Grundstück in Manhattan 11. East 52. Straße erbaut. Das Gebäude bestand einschließlich zweier Keller aus acht Geschossen und war seit dem Erwerb weder nennenswert umgebaut noch instandgesetzt worden. Der schlechte Gesamtzustand des Gebäudes sowie die nicht voll genutzte Ausbaumöglichkeit führten laufend zu Überlegungen, wahlweise das Gebäude instandzusetzen, auszubauen oder zu verkaufen. Der RH bemängelte das langjährige Aufschieben einer Entscheidung über den zukünftigen Standort des KI, so daß das Grundstück in dieser teuren Bürogegend nicht bestens genützt wurde."

Die Reaktion des Außenministeriums damals: Die Entscheidung zu einem zwölfstöckigen Neubau sei bereits getroffen worden. Der Rechnungshof dazu: Ein Aus- oder Neubau des Objektes an der 52. Straße sei nur dann zweckmäßig, wenn dort neben dem Kulturinstitut auch andere Dienststellen untergebracht würden. Davon ist beim jetzigen Neubau keine Rede mehr. Zusätzlich kritisierte der Rechnungshof schon 1988, daß sich die Arbeit des Kulturinstitutes ausschließlich auf New York konzentriere. Aufgabe des Kulturinstitutes wäre es, österreichische Kultur in den gesamten USA bekannt zu machen.

Trotz der Behauptung des Außenministeriums, daß man sich bereits für einen Neubau entschieden habe, dauerte es weitere vier Jahre, bis 1992 ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben wurde. Als Siegerprojekt auserkoren wurde ein Entwurf von Raimund Abraham, seit 1971 in New York lebender Osttiroler und Freund des früheren Leiters des Kulturinstitutes, Peter Marboe.

Einstimmig im Parlament

Erst weitere drei Jahre später, im Jänner 1995, wurde die Baugenehmigung erteilt. Während der Ausschreibungsphase stoppte der damalige Finanzminister Andreas Staribacher das Projekt mit der Begründung zu hoher Kosten. Damals rechnete man mit 150 bis 180 Millionen Schilling.

1996 beschloß das Parlament einstimmig den Neubau des Kulturinstitutes. Übertragen wurde diese Aufgabe der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG). Die im Ministerrat abgesegneten Maximalkosten: 193 Millionen Schilling.

Kurz nach Beginn der Bauarbeiten 1998 hielt man bereits bei mehr als 300 Millionen Schilling voraussichtliche Baukosten. Zwei Baufirmen mußten aus Gründen mangelnder Qualität abgelöst werden. Erst dem dritten Unternehmen gelang nun die Fertigstellung - zu Kosten von bisher umgerechnet 450 Millionen Schilling oder 34 Millionen Euro. Diesen Betrag muß die BIG nun durch die Vermietung des Neubaus an das Außenministerium hereinbekommen. Die vereinbarte Jahresmiete (ohne Betriebskosten): 1,44 Millionen Euro und damit mehr als ein Viertel des gesamten operativen Kulturbudgets des Außenministeriums.



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