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Quer durch Galerien

Testosteron mit Telefon

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Ihr könnt euch glücklich schätzen, dass ihr überhaupt etwas von mir lesen dürft! Pardon. Aber Selbstbewusstsein ist so ansteckend. (Und ab und zu eine Überdosis Eigenlob zu schlucken, ist sowieso nur reiner Selbsterhaltungstrieb.) "You' re lucky to even know me" (ihr habt Glück, mich überhaupt zu kennen): Ein süffisanter Ausstellungstitel. Hanna Stippl, der Kuratorin, müsste man eigentlich schon das Ego "auspumpen", so kurz vor dem Größenwahn. Aber sie meint's ja nicht so beinhart arrogant. Noch bis 5. Juli stellt man in der IG Bildende Kunst (Gumpendorfer Straße Nr. 10-12) interessante Dinge mit der Trivialkultur an.
Beim Crashtest werden bekanntlich Unfälle, die für den Straßenverkehr zugelassen sind, auf eine Knautschzone losgelassen. Wenn nun Jonathan Podwil einen Werbespot in ein perfekt gealtertes filmisches Wrack verwandelt (voll mit nostalgisch pittoreskem Flackern) und da ausgerechnet die Unfalltauglichkeit einer speziellen Automarke demonstriert wird, dann ist das durchaus subversiv. Noch dazu, wo man den Dummy, der ja nur den Führerschein für Frontalzusammenstöße besitzt, nicht mehr als solchen erkennt. Da denkt man jetzt wohl weniger an die Lebensqualität namens Mobilität, als daran, dass das Auto halt eine ziemlich beliebte Todesursache ist.
Die Weltflucht der Jugoslawen: "Warten auf den Mann" (ein gelungenes Opus der Kategorie "Vergangenheitsbewältigung"). Die Leute auf Dejan Kaludjerovics Plastiktischtuch warten zwar nicht auf den Weihnachtsmann, aber immerhin auf Tito. So gesehen, sind sie irgendwie trotzdem in Adventstimmung. Kaludjerovic hat Tito-Fans von einem alten Foto auf ein kitschiges Tischtuch gepinselt, auf dem Rehe idyllisch äsen, weil hier niemand hinter ihrem Wildbret her ist. Ein Fall von Realitätsverleugnung: Die Familie im Kommunismus geht daheim am Küchentisch in den Bambiwald Mittagessen.
Und Peter Kraus hat es das orale Gewerbe mit Fernwirkung angetan - der Telefonsex. Gebt dem Testosteron ein Telefon und es ruft an! Poppig malt er die Motivationstrainerinnen vom Testosteron mit Telefon. Die Pointe: die Telefonnummer 696 969, die genauso gut der Code für eine Orgie sein könnte.
Einem Bild sieht man die Hautfarbe des Malers ja nicht an. Besonders wenn es abstrakt, also "global" ist. Ed Clark (auch altersmäßig der Reifste in der "afroamerikanischen" Schau, die bis 6. Juli bei Christine König läuft, Schleifmühlgasse 1a) malt wie ein Straßenkehrer. Aber nur insofern, als er dasselbe Streichinstrument beherrscht. Zuerst schüttet er Farbe aus, dann macht er Kehrbewegungen. Ein Besen ist ja längst ein legitimer Pinsel. Hermann Nitsch kehrt ja ebenfalls in seinen "Blutergüssen" und Farblackerln aus. Kurz: Ein Besen ist nicht von vornherein das Arbeitsgerät der Unterprivilegierten, also die "Insignie der Ohnmacht". Clark malt also keine "schwarzen Manifeste", sondern etwa eine fast schon poetische Landschaft mit Purpurhimmel. Hinter den expressiv über die Wand verteilten "Gefängnisgittern" von Denyse Thomasos ist man ja auch nicht gezwungen, sich schwarze Häftlinge vorzustellen. Wenn überhaupt.
Wieso sollte man sich ein Selbstporträt von Judith Zillich anschaffen, obwohl man diese Frau doch gar nicht persönlich kennt? Weil es billiger ist als eines von Rembrandt. Oder wegen dem eigentümlich künstlichen Kolorit. Zillich (bis 6. Juli in der Galerie Plank, Kirchengasse 13) hat sich nämlich eine malerisch wirklich delikate Gesichtshaut übergezogen. "Kubismus" für den Spieltrieb: Ein Würfelspiel, mit dem man sich sechs Porträts "erwürfeln" kann. Ein Gag.

Erschienen am: 28.06.2002

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