Niedermayr schärft den Blick

Ausstellungskuratorin Marion Pfiffer Damiani spricht vom spezifischen Mikroklima unserer Zivilisation, das Walter Niedermayr aufspürt.


Im Laufe der Zeit ist dem Menschen die Natur, der unberührte Raum der Natur, abhanden gekommen. Alles verwandelte sich in Landschaft, in Räume, in denen sich die menschliche Präsenz mit technisch-medialem Aufwand hineinschreibt.

Walter Niedermayr, White Sands I, 2001 / ©Bild: Galerie Meyer Kainer, Wien
Walter Niedermayr, White Sands I, 2001 / ©Bild: Galerie Meyer Kainer, Wien

Es sind die menschlichen Eingriffe in die Landschaftsräume des Alpinen, die zivilisatorischen Eingriffe und Prägungen, denen der Fotograf Walter Niedermayr, der sich selbst als Autodidakt bezeichnet, nachgeht.

Nuancierte Wahrnehmung

Bei Niedermayr geht der Blick auf den Raum in Serie. Die kleinen Unterschiede, die feinen Differenzen der verschiedenen Blickpunkte auf Landschaften, der unterschiedlichen Standpunkte im Raum, schärft den Blick für eine nuancierte Wahrnehmung.

In der Wiederholung und Verschiebung von Perspektiven zeigt sich das Charakteristische der Landschaftsmomente im alpinen Raum, aber das Besondere, das Wiedererkennbare des jeweiligen Orts ist in dieser Betrachtungsweise verloren gegangen. Ob wir uns nun in Japan, in Europa oder in den USA befinden, geografisch, zivilisatorisch, das ist in diesen Aufnahmen gleich gültig.

Mensch und Landschaft

"Mich interessiert keine Landschaft rein als Landschaft. Mich interessiert die Landschaft dort wo der Mensch auftritt. Die Arbeiten konzentrieren sich auf die Präsenz des Menschen in der Landschaft. Die Strategie der Wiederholung in Form von minimalen Differenzen, Überschneidungen und entgegengesetzten Blickwinkeln bewirkt irritierende Effekte, die den Kurzschluss zwischen Wirklichkeit und Bild immer wieder unterlaufen", so der Künstler.

Walter Niedermayr, Shiga Kogen lI, 2000 / ©Bild: Galerie Anne de Villepoix Paris
Walter Niedermayr, Shiga Kogen lI, 2000 / ©Bild: Galerie Anne de Villepoix Paris

Niedermayrs Fotografien werden nicht manipulativ nachbearbeitet, vielmehr zeigen sie Einstellungen auf die Manipulationen landschaftlicher Raumwirklichkeiten. Ferienressorts, Urlaubs(t)räume, immer befinden wir uns in gemachten Räumen, in Räumen, die einer ökonomischen Interesselage gehorchen und sich zugleich als ideale Projektionsfläche der Sehnsüchte nach unberührter Natur und Weite versprechen. Kunsthallendirektor und Kurator Gerald Matt spricht davon, dass "Nahes fern und Fernes nah" wird.

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