Moderne Kunst gefragt

"Es gibt immer mehr Sammler im Alter zwischen 30 bis 50 Jahren. Dabei handelt es sich vor allem um junge Vermögende, die in den Bereichen Werbung, Marketing, New Economy oder bei Investmentbanken beschäftigt sind", so Jörg-Michael Bertz, Vize-Präsident von Sothebys Deutschland.


Trotz düsterer Konjunkturaussichten und unbeeindruckt von der Flaute an den Aktienmärkten erlebt der internationale Kunstmarkt einen Aufschwung: Auktionshäuser melden Rekordpreise bei der Versteigerung von Gemälden, Grafiken, Fotografien und Skulpturen.

Auch durch die Euro-Bargeldeinführung erwarten Branchenkenner ein weiter steigendes Interesse am Kunstmarkt. Als spekulative Wertanlage eignet sich der Kauf von Kunstobjekten nach Einschätzung von Experten dennoch nicht. Einzelkunstwerke können nach Einschätzung der Auktionshäuser derzeit jährliche Renditen von 10 bis 20 Prozent erzielen.

Rekordpreis für Beckmann

So habe das Bildnis "Selbstporträt" des deutschen Expressionisten Max Beckmann im Mai des Vorjahres auf der Sotheby's-Auktion in New York einen Rekordpreis von rund 50 Millionen DM (Euro 25.564.594,06) erzielt, nachdem zuvor der Bieterpreis bei 6 Millionen (Euro3.067.751,29) gelegen habe, sagt Jörg- Michael Bertz, Vize-Präsident von Sothebys Deutschland. "Das war zugleich der höchste Preis, der bisher für ein deutsches Kunstwerk gezahlt wurde."

Auch das Auktionshaus Christie's hat nach eigenen Angaben im Vorjahr Rekordpreise für Kunstwerke erzielt. Ein Bild August Mackes erbracht 8,5 Millionen Mark (Euro 4.345.980,99), ein Werk Lionel Feiningers bekam für 4,5 Millionen Mark (Euro 2.300.813,47) den Zuschlag. "Im Segment für qualitativ höchstwertige Kunst werden die Marktpreise weiter nach oben gehen oder zumindest stabil bleiben", sagt Andreas Rumbler, Geschäftsführer von Christie's Deutschland.

Kunst als Kapitalanlage

Experten raten unterdessen davon ab, Kunstwerke ausschließlich als Kapitalanlage zu erstehen. Die Wertentwicklung bei Kunstwerken sei nur schwer im Voraus abzuschätzen: "Es ist nicht so leicht, wie an der Börse, weil beim Kunstkauf Emotionen eine viel größere Rolle spielen", sagt Bertz. Nicht zuletzt sei die Nachfrage nach Kunstobjekten auch von Modetrends und vom persönlichen Geschmack von Käufern und Sammlern abhängig.

Nachfrage nach Fotokunst

Andreas Gursky, Shanghai, 2000 / ©Bild: Andreas Gursky
Andreas Gursky, Shanghai, 2000 / ©Bild: Andreas Gursky

Von letzteren profitiert insbesondere auch junge, zeitgenössische Kunst. Dominierten lange Zeit ausschließlich Klassiker das Hochpreisniveau auf dem Kunstmarkt, so beobachten Auktionshäuser seit einigen Jahren auch eine steigende Nachfrage nach Gegenwartskunst, insbesondere nach zeitgenössischer Fotokunst.

So erzielten etwa Einzelarbeiten des deutschen Fotografen Andreas Gursky in den vergangenen Monaten bis zu 255.000 Euro (3,5 Millionen Schilling). Die wachsende Nachfrage nach junger Kunst wird nach Beobachtung des Sotheby's-Vizepräsidenten auch durch eine neue Sammlergeneration gestärkt.

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