VN Sa, 26.6.2004

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Kultur 

Lehnen Sie sich aus dem Fenster

Aleksander Konstantinov in Dornbirn

Dornbirn (VN-ag) "Lehnen Sie sich aus dem Fenster!", empfiehlt Aleksander Konstantinov in der Dornbirner Galerie "c.art". Wer es nicht tut, ist selber schuld. Ihm entgeht, dass sich die Ausstellung des russischen Künstlers auch in Nachbars Garten fortsetzt.

Und "Windows 2004", eine situations- und ortspezifische Installation aus blauem Klebeband für die Galerie c.art, beginnt auch bereits vor der Tür. Unter diesem sinnigen Titel unternimmt Aleksander Konstantinov, der 1953 in Moskau geborene, dort lebende und bis zu Beginn der Perestroika im Untergrund arbeitende Künstler, den Versuch einer Annäherung von Kunst und Leben.

Wie ein Windstoß

In der Verschränkung von Innen und Außen, gehören die omnipräsenten blauweißen, alles dominierenden, vorhangartigen Elemente mit ihren rasterartigen Strukturen aber weder dem einen noch dem anderen Bereich an. Sie bilden, indem sie alle Fenster besetzen, vielmehr eine Art Scharnier. Zudem führen sie sogar hinter die Kulissen, sprich Stellwände, des Galerieraumes und enden in einem kapellenartigen Allerheiligsten für die Kunst.

Ihren bildhaftesten Ausdruck findet die angestrebte Öffnung allerdings in den sperrangelweit offen stehenden Fenstern der Galerie. Nicht nur, dass eine installationsartig über die Wand verteilte, 25-teilige Reihe von Papierarbeiten wie von einem Windstoß in Richtung Fenster getragen zu werden scheint. Die geöffneten Fenster geben auch den Blick frei auf die gegenüberliegende, ebenfalls blauweiß getapte Wand und ein zweites, etwas weiter entfernt liegendes, einbezogenes Nachbarshaus.

Dass die geometrischen Strukturen keine bajuwarisch-weißblaue Gemütlichkeit demonstrieren, sondern vielmehr Konstruktivismus in seiner poetischsten Form, davon zeugen auch die Exponate in der Ausstellung selbst.

Der Einstieg ins Werk erfolgt mit älteren Objekten. Deren handfeste Materialität wird in den jüngeren Arbeiten reduziert und weicht zugunsten einer neuen Transparenz dem Einsatz von Licht, Plexiglas und Gravuren. Der Einsatz der neuen Materialien erfolgt pragmatisch und mit Blick auf die bekannte Gegenstandswelt des Alltags. In Arbeiten wie "Skala", "Lineal" oder "Radar" verbinden sich technoide Aspekte mit der Handschrift des Künstlers, das starre Gleichmaß und die glatte Ästhetik von Millimeterpapier wird gebrochen von den manuell gesetzten Linien und ihren kleinen Unregel mäßigkeiten. Die entdeckt man erst auf den zweiten Blick. Im ersten Moment scheint es, als befinde man sich, umgeben von Skalen, Radarschirmen und den oszillierenden Farben Blau und Grün in der Kommandozentrale eines U-Bootes.

Die Ausstellung ist in der Galerie "c.art" in Dornbirn, Widagasse 9, bis 30. Juli zu sehen, geöffnet Dienstag bis Freitag 9 bis 12 und 15 bis 18 Uhr.

Konstruktivismus in seiner poetischen Form: Aleksander Konstantinov in der Dornbirner Galerie "c.art". (Foto: A. Grabher)




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