Dornbirn (VN-ag) "Lehnen Sie sich aus dem Fenster!", empfiehlt
Aleksander Konstantinov in der Dornbirner Galerie "c.art". Wer es
nicht tut, ist selber schuld. Ihm entgeht, dass sich die Ausstellung
des russischen Künstlers auch in Nachbars Garten fortsetzt.
Und "Windows 2004", eine situations- und ortspezifische
Installation aus blauem Klebeband für die Galerie c.art, beginnt
auch bereits vor der Tür. Unter diesem sinnigen Titel unternimmt
Aleksander Konstantinov, der 1953 in Moskau geborene, dort lebende
und bis zu Beginn der Perestroika im Untergrund arbeitende Künstler,
den Versuch einer Annäherung von Kunst und Leben.
Wie ein Windstoß
In der Verschränkung von Innen und Außen, gehören die
omnipräsenten blauweißen, alles dominierenden, vorhangartigen
Elemente mit ihren rasterartigen Strukturen aber weder dem einen
noch dem anderen Bereich an. Sie bilden, indem sie alle Fenster
besetzen, vielmehr eine Art Scharnier. Zudem führen sie sogar hinter
die Kulissen, sprich Stellwände, des Galerieraumes und enden in
einem kapellenartigen Allerheiligsten für die Kunst.
Ihren bildhaftesten Ausdruck findet die angestrebte Öffnung
allerdings in den sperrangelweit offen stehenden Fenstern der
Galerie. Nicht nur, dass eine installationsartig über die Wand
verteilte, 25-teilige Reihe von Papierarbeiten wie von einem
Windstoß in Richtung Fenster getragen zu werden scheint. Die
geöffneten Fenster geben auch den Blick frei auf die
gegenüberliegende, ebenfalls blauweiß getapte Wand und ein zweites,
etwas weiter entfernt liegendes, einbezogenes Nachbarshaus.
Dass die geometrischen Strukturen keine bajuwarisch-weißblaue
Gemütlichkeit demonstrieren, sondern vielmehr Konstruktivismus in
seiner poetischsten Form, davon zeugen auch die Exponate in der
Ausstellung selbst.
Der Einstieg ins Werk erfolgt mit älteren Objekten. Deren
handfeste Materialität wird in den jüngeren Arbeiten reduziert und
weicht zugunsten einer neuen Transparenz dem Einsatz von Licht,
Plexiglas und Gravuren. Der Einsatz der neuen Materialien erfolgt
pragmatisch und mit Blick auf die bekannte Gegenstandswelt des
Alltags. In Arbeiten wie "Skala", "Lineal" oder "Radar" verbinden
sich technoide Aspekte mit der Handschrift des Künstlers, das starre
Gleichmaß und die glatte Ästhetik von Millimeterpapier wird
gebrochen von den manuell gesetzten Linien und ihren kleinen Unregel
mäßigkeiten. Die entdeckt man erst auf den zweiten Blick. Im ersten
Moment scheint es, als befinde man sich, umgeben von Skalen,
Radarschirmen und den oszillierenden Farben Blau und Grün in der
Kommandozentrale eines U-Bootes.