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| 02.09.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Attersee: Einfach gute Malerei? Gefehlt! | ||
| VON JOHANNA HOFLEITNER | ||
| Ausstellung. Christian Ludwig Attersee ist 65 und stellt im BA-CA-Kunstforum aus. | ||
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Sie kennen das: Da findet eine Aus stellung von X im Museum Y statt,
und Sie erwarten etwas. Viel. Einiges. Nichts. Egal. Das einzige, was Sie
nicht erwarten, sind Wunder - wenn sie doch passieren, lassen Sie sich
gern in einen Glückszustand versetzen. In diesem Sinn: Von dieser Attersee-Personale haben wir
uns gewiss keine Wunder erwartet. Nicht einmal, dass mit der Ausstellung
überwiegend neuester Bilder ein Ruck durch die Malerei-Szene gehen wird.
Der Ruck geht eher durch die Wiener Szene, die feiert schon seit Tagen den
65. Geburtstag ihres Lieb-Künstlers. Einiges hätten wir aber schon
erwartet. Zum Beispiel, dass Attersee, Meister der gemalten Großkulisse,
die 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche des BA-CA-Kunstforums spielerisch
bewältigen wird. Dass er sich für die sieben so verschiedenen Räume
verschiedene Bildprogramme ausdenkt. Und dass wir "einfach gute Malerei"
zu sehen bekommen - so hieß eine wichtige Ausstellung im Wiener 20er Haus,
und so lautet bis heute ein Euphemismus theoriefeindlicher Malerei.
Gefehlt! Attersee lässt uns nach seiner Malerei weder
hungern noch dürsten. Eher schon lässt er uns in der Fülle der
Leinwandschinken untergehen - ausgerechnet er, der zu Karriere-Beginn
seinen eigenen Hunger witzig stillte, indem er in Pop-Art-Manier die
Speisen aufs Üppigste malte, die er sich nicht leisten konnte. Jetzt sind nur mehr die Bilder in sich üppig. Das ist ihre Eigenheit, manchmal auch Qualität. Als Eigenheit äußert sich das beispielsweise, wenn Attersee bei kleineren Formaten das Bild auf dem Rahmen weitermalt, damit es hernach auf der weißen Wand ausklinge. Zur Qualität verfestigt sich diese Abundanz - Ergebnis eines künstlerischen Reifungsprozesses - aber erst in den wirklich großen Formaten. In diesen wird eine beachtliche Souveränität spürbar, die der Verweis auf den Kulissenmaler nur unzulänglich erklärt. Also in fast drei Meter hohen Tafeln, wie etwa dem brandneuen, zentral präsentierten titelgebenden Triptychon "Die Liebe - Das Haus - Der Ring", das von des Bürgers liebsten Lebenszielen berichtet. Wie in einem Gemälde von Chagall gehen da kleine Details mit großen Bewegungen zärtliche Symbiosen ein, vermählen sich turtelnde Leiber, ein kleines Haus und ein mächtiger Ring mit subtilen Schlieren, imposanten Farbflecken, gigantischen Pinselzügen. Ein sich symbolisch über alle drei Tafeln erstreckendes Farbgitter ist sowohl listiger Kommentar als auch Klammer, die dem Triptychon die formale Einheit sichert. Ein anderes eindrucksvolles Beispiel von Attersees malerischer Abundanz ist das "Brautkleid" - eine Komposition aus 2005, in der alle Macht von einem winzigen weiblichen Halbakt ausgeht. Solcher Highlights gibt es aber nicht viele. Im
Gesamtaufbau folgt die Schau hauptsächlich formalen Kriterien: kleine
Bilder, große Bilder. Leinwände, Papierarbeiten. Dünn ist auch die
inhaltliche Ausbeute: Eros, Früchte, nackte weibliche Leiber, Tiere. Wenig
Wasser. Lebensbilder ohne Todessehnsucht. Schöpfungsgedusel, wenn man so
will. In der Fülle wirken die Bilder schnell wie Raumausstattung. Ein in
den ersten drei Räumen irgendwie noch vorhandener Spannungsbogen verliert
sich spätestens nach der Hälfte der Ausstellung. |
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