diepresse.com
zurück | drucken

03.07.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung
Bawag Foundation: Wenn man trotzdem lacht
VON JOHANNA HOFLEITNER
"Nothing but Pleasure", eine lustige und listige Schau.

Nein, zum Lachen hat die Bawag seit Monaten nichts. Ihre Founda tion will sich's aber nicht vermie sen lassen. Wegschauen geht nicht mehr, daher gibt Chefkuratorin Christine Kintisch Durchhalteparolen aus. Die letzte: "Nothing but pleasure". Der Kunstraum ist in Zeiten wie diesen schließlich das einzige Bawag-Institut, das noch reinen Gewissens positive Signale auszustrahlen vermag.

Und das gelingt diesmal ziemlich gut, pointiert und bisweilen sogar mutig - mit einer großen Group-Show, die sich mit 22 Künstlern zur Gänze dem Lachen, dem Humor, der Ironie verschrieben hat. Und damit gut zu einem internationalen Trend passt: Mehr und mehr Künstler produzieren humorige Arbeiten, in Berlin stand zuletzt mit den "Smile-Machines" der "Transmediale" sogar ein ganzes Festival im Zeichen von Humor, Kunst, Technologie.

Im Visier hat Kintisch das Thema schon seit fünf Jahren. Dennoch wirken etliche Arbeiten so treffsicher, als wären sie ein Kommentar zum Bawag-Skandal. Vor allem die älteste - und zentrale - Arbeit, Buster Keatons Kurzfilm "One Week" (1921): Zu ebener Erd, schräg unter dem Dachausbau von Bawag-Ex-Boss Elsner, gerät jetzt im Film ein Fertigteilhaus gekonnt aus den Fugen. Erst wird es zum schwindelerregenden Ringelspiel, dann zum ungewollten Mobil-Wohnheim, das von einem vorbei rasenden Zug durchbohrt und zertrümmert wird, worauf der Held und seine Braut die Ruine endlich zum Kauf freigeben und in die Weite der Prärie ziehen. Wenn es in Wirklichkeit auch so einfach wäre wie in der Kunst!

Genau davon lebt die Schau, dass sie Gegenentwürfe zur Wirklichkeit liefert, die sich aus unkontrollierten Freiräumen wie dem Unterbewussten, dem A- und Abnormalen, dem Verbotenen und Traumhaften nähren. Der New Yorker John Pilson etwa lässt in Video-Szenarien elegante Business-Typen total ausrasten. Oder "Mr. Pickup": Hier muss ein Anwalt unaufhörlich wachsende Aktenberge vom Boden aufklauben, die mehr und mehr unfassbar und unbewältigbar scheinen. Ein ähnliches Alptraum-Szenario zeigt der Deutsche Friedrich Kunath in seiner wie ein Musikvideo aufgemachten Arbeit "After a While You Know the Style": Unaufhörlich fällt der Protagonist überraschten Hamburger Passanten vor die Füße.

Insgesamt dominiert Video. Kein Wunder, eignet sich dieses Medium doch bestens, narrative Zusammenhänge in den Ausstellungsraum zu übertragen und performative Momente einzufrieren. So betreibt der Deutsche John Bock das Studium einer "Bilanzgeraden" ganz performativ - unter Zuhilfenahme seines Körpers und zweier riesiger Holzblöcke, die er auf ein Ei, Ketchup, Würstel u. ä. donnern lässt. Heimo Zobernigs und Muki Pakeschs slapstickhaftes Imitationsgeblödel erhält durchs Video einen doppelten Boden. Von der Verdopplung handelt auch Rodney Grahams Installation: "City Self, Country Self", eine schillernde Kostümfilmparodie um einen Zylinder, in der Graham eine Doppel-Hauptrolle spielt.

Listige Abgründe eröffnen aber auch die Objekte und Zeichnungen. Geteert und gefedert hat Heimo Zobernig - und zwar eine Karton-Rolle, und das schon vor 16 Jahren. Als postfeministisches Westerngirl, das an exponierten Stellen des Körpers Eier vor sich her trägt, präsentiert Rosemarie Trockel (mit Alexandra Mir die einzige Künstlerin in der Schau) ihre "Legendäre Ei-Ronny". Sowieso immer humorig und hintersinnig ist Franz West, diesmal mit seltenen frühen Zeichnungen und einem "Ohrfeigen-Passstück". Die schallendste Ohrfeige verteilt aber der Schweizer Marcus Geiger: Er hat "La Rêve" in Öl und Frottee nachempfunden - just jenes Picasso-Bild, für das Flöttl-Sohn Wolfgang einst 48 Millionen Dollar hinlegte (und sich so den Zutritt zur Kunstwelt verschaffte) und das er 16 Jahre später, also 2003, um stolze 64 Mio Dollar weiterveräußerte.

Bis 26. August, Mo-Sa, 10-18 Uhr

© diepresse.com | Wien