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| 28.09.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Leopold Museum: Blauer See, weißer Mann, rotes Pferd | ||
| VON NORBERT MAYER | ||
| Die Schau "Deutsche Expressionisten" zeigt die Fülle der Sammlung Thyssen-Bornemisza. | ||
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Deutsche
Expressionisten" ist der Titel der Ausstellung, mit dem das Leopold
Museum in Wien zum fünfjährigen Bestehen für seine große
Herbstausstellung wirbt. Das ist eine Engführung, die so nicht ganz
stimmt, denn der Kern der Schau - Meisterwerke aus der Sammlung
Thyssen-Bornemisza - lässt sich nicht auf den Expressionismus
beschränken. Alles, was ihm gut und teuer war, hat Stahl-Baron Hans
Heinrich Thyssen-Bornemisza (1921-2002) gesammelt. So kam er nach
eigenen Worten "aus Liebe und Leidenschaft, Interesse und Begeisterung"
zu den Ikonen der deutschen Malerei im frühen 20. Jahrhundert: Die
Künstler des "Blauen Reiters" in Bayern, der "Brücke" in Dresden und
Berlin, aber auch Individualisten wie George Grosz, Lyonel Feininger,
Otto Dix und Max Beckmann sind in dieser Schau reichlich vertreten. Max Beckmann ein Expressionist? Das greift wohl zu
kurz, wenn man seine wunderbaren Gemälde "Liegende Frau mit Buch und
Schwertlilien" (1931) oder "Vor dem Kostümfest" (1945) betrachtet -
große, rätselhafte Werke mit klaren Kompositionen. Ein weites Feld ist
dieser Expressionismus. Die gelehrte Kategorisierung dürfte Thyssen
ohnehin weniger interessiert haben; er war ein glühender Sammler, von
Qualität besessen und ständig darum bemüht, "die besten Gemälde der
besten Periode" zu erwerben. Die Schau mit 50 Gemälden, 80 grafischen Werken und
einigen Skulpturen (Wilhelm Lehmbruck, Ernst Barlach, Käthe Kollwitz)
greift auf wesentliche Exponate der Sammlung in Madrid zurück, aber
auch der anderen Thyssen-Erben, etwa von Francesca Habsburg. Es gibt
auch Bilder von Leopold, von der Nationalgalerie Berlin und aus
Privatbesitz. Das Ganze wird in loser Folge auch thematisch geordnet,
unter den etwas willkürlichen Slogans "Primitivismus" (beigefügt sind
fantastische afrikanische Masken und Skulpturen), "Landschaft", "Akte
in der Natur" und "Großstadt". Demonstrativ wird jedoch bei den
Meisterwerken abgestuft. Mit raffinierter Beleuchtung wird auf die
Klassiker des Expressionismus aufmerksam gemacht. So erhält Ernst
Ludwig Kirchners "Fränzi vor geschnitztem Stuhl" (1910) eine
außergewöhnliche Leuchtkraft wie von innen heraus, oder auch Max
Pechsteins "Sitzendes Mädchen" (1910, siehe Abbildung oben). Nicht alle Meister aber sind mit ihren Hauptwerken
vertreten; von Gabriele Münter gibt es nur eine sehr schlichte
Landschaft "Der blaue See" (1934), und Franz Marcs "Der Traum" (1912)
ist ein eher gefälliges Bild, das nicht an seine besten Schöpfungen
heranreicht. Stärker wirkt im Vergleich sein kleines Werk "Rotes und
blaues Pferd" (Tempera auf Papier, 1912), aber ein wirklich großer Marc
ist nicht zu sehen. Üppiger ist die Schau mit Gemälden von Emil Nolde,
August Macke, Erich Heckel, Wassily Kandinsky und Karl Schmidt-Rottluff
bestückt. Die Leidenschaft des Sammlers ließ keine Einschränkung zu:
Akte, Landschaften, Charakterstudien, vor allem aber die Faszination
der Metropole Berlin in den abschließenden Räumen, darunter ganz starke
Werke wie Feiningers "Der weiße Mann" (1907), die "Straßenszene" des
Kurfürstendamm von Grosz (1925) und recht Pikantes von Dix. Zur Einfühlung in die Zeit werden im Museum auch
Filme aus den Zwanzigerjahren gezeigt, an Donnerstagen um 19 Uhr sogar
abendfüllende Klassiker wie Metropolis, Das Kabinett des Dr. Caligari
und Der Blaue Engel. Das ist dann ein Museumsbesuch für
leidenschaftliche Fans der wildesten Dekaden für die deutsche Kunst im
zwanzigsten Jahrhundert. |
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