Kultur

Die Bildersammler

15.02.2007 | SN

In Löcher blicken

Die Suche nach dem "undefinierbaren Bild" hat den deutschen Künstler Peter Piller in den vergangenen Jahren angetrieben. Er durchforstete Regionalzeitungen, schnitt 7000 Fotos aus, sortierte sie und legte schließlich ein Archiv mit mehr als 100 verschiedenen Kategorien an: "Suchende Polizisten" oder "In Löcher blicken" nennen sich etwa die daraus entstandenen Bilderserien, von denen eine Auswahl ab heute, Donnerstag, im Salzburger Kunstverein zu sehen ist.

Das alltägliche Bild

Als Ausgangspunkt für seine Arbeit verwendet Piller das alltägliche Bild, das man aus Regionalzeitungen kennt. "Fast alle Bilder sind austauschbar, aber in der jeweiligen Zusammenstellung ergeben sie eine Erzählung", erläuterte der in Leipzig lebende Künstler am Mittwoch im Rahmen eines Pressegesprächs. Es ist Pillers erste Einzelausstellung in Österreich, in New York, Basel oder Barcelona feierte der 38-Jährige bereits Erfolge.

Peter Piller und die Ironie

Piller hat die Bildunterschriften entfernt, durch die Anordnung zu Motivgruppen erhalten die Fotos nicht selten einen ironischen Touch. Gutes Beispiel dafür ist die Serie "Bauerwartungsflächen", in der Fotos von Wiesenflächen nebeneinander gestellt wurden, auf denen ein Gebäude entstehen soll. Da zum Zeitpunkt des Fotos noch nichts da war, lautete die Bildunterschrift in den Zeitungen zumeist: "Noch nichts zu sehen." Ohne diese Zuschreibung und den Text würde das Bild nur wenig Sinn ergeben.

Das Bedürfnis nach Kunst

Aus dem Nachlass einer Luftbildfirma kategorisierte Piller zudem 12.000 Bilder in mühevoller Kleinarbeit, daneben sind in der Schau die Archiv-Gruppen "Deko und Munition" aus Ebay-Bildern und historische Postkarten zu sehen.

Nur wenige Schritte weiter hat es sich der junge Laibacher Künstler Misha Stroj im Ausstellungskabinett des Künstlerhauses gemütlich gemacht. Auch er arbeitet mit gefundenem Material, arrangiert seine Bilderwelten jedoch ungleich assoziativer. "Das Bedürfnis nach Kunst ist mindestens so groß wie das Bedürfnis nach Socken", erklärte Stroj seinen Ansatz. Klingt eigentlich logisch.

DANIEL EBNER Internet: www.salzburger-kunstverein.at.

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