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vom 30.11.2010 - Seite 023
galeriebesuch

Vom Zauber der Reduktion und der Penetranz des Zuviels

von Irene Gunnesch

Eintreten beim Haupteingang, bitteschön! Das ist ein gutgemeinter Tipp für den Besuch des aktuellen Ausstellungs-3ers in der Galerie Zauner in Leonding. Denn wer jetzt hier den Gaul von hinten aufzäumt, dem bleibt anschließend fürwahr kein Geist mehr für Hingabe an weitere Kunst.

Und die verdienen jene großartigen, per Hand colorierten Siebdruck-Arbeiten, die die Linzer Künstlerin Monika Pichler in den beiden vorderen Galeriesälen in einer sparsam akzentuierten Atmosphäre inszeniert hat. Flugs gerät man im Eingangsbereich in ihren doppelbödigen Sog: "An der Donau" heißt Pichlers Serie, die irgendwie an uralte Postkarten erinnert, aber durch präzise überhöhte, farbige Verfremdungen gleichzeitig schwer irritiert. Vor allem, wenn man als eingefleischte Urfahranerin fast jeden einzelnen Busch dort persönlich kennt.

Ein neonschimmernder Lastkahn schiebt sich hinter seltsam luftig wirkenden Eisenfauteuils von Alois Bauer ins Bild, Bugwellen drängen ans Ufer. Dort Menschen, die vor allem eines ausstrahlen: Ruhe ohne jede Statik. Dieses Verschmelzen von ästhetischer Kraft und Verunsicherung vermitteln auch die Kleinformate auf weich unterfütterter Seide. Ihr Titel: "silent landscapes". Starke Blicke in tatsächliche und vermeintliche Weiten, die Pichler neuerdings bis in die völlige Reduktion treibt.

Apropos Reduktion: Die hätte auch Teil zwei der Ausstellung dringend nötig. Nicht nur aufgrund der alles überfordernden Fülle der zum höchst seltsamen Cocktail gemixten (insgesamt 64!) Skulpturen von Markus Moser und Margit Feyerer-Fleischanderl. Ja, sind sich denn die beiden eigentlich der Raumwirkung ihrer Werke bewusst? Hätte sich Moser doch auf seine "Toiletten-Installation" und eine kleinere Arbeit als Zugabe beschränkt. Auf einen Raum vor allem! Der Knalleffekt wäre ihm für seine außergewöhnlichen, die Konturen von Gegenständen nachzeichnenden Eisenplastiken sicher gewesen.

Wem ist es denn bloß eingefallen, Mosers scharfe klare Bildsprache dermaßen penetrant mit Feyerer-Fleischanderls komischen Keramik-Figuren von Wellness- und Katholenmenschen zu durchmischen? Eine Schnapsidee.

So verkommt Mosers grandioses Kunstvokabular zum Beiläufigen und Feyerer-Fleischanderl zum Trallala-Banaldekor. Schade drum.

Info: bis 23. 12.; Mi-Fr, 10-12, 15-19 Uhr, Kauttenstraße 16; galerie-zauner.at

Ach, hätte sich Markus Moser doch damit begnügt!




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