| Salzburger Nachrichten am 04. April 2002 - Bereich: kultur
Das Bild als Körper im Raum
Bilder von Jason Martin und eine Vorschau auf Andy Warhol bei
Ropac
Jason Martin zählt zu jenen Künstlern, die unter dem von der Saatchi Collection geprägten Label der Young British Artists internationale Aufmerksamkeit erlangten. In seiner ersten Ausstellung in Österreich zeigt die Galerie Ropac neue Arbeiten, deren Reiz in der Kultivierung der Materialeigenschaften und ihrer physikalischen Substanz liegt. Mit speziell präparierten Kämmen und Bürsten erzeugt Martin auf Metall- und Kunststoffgründen fein strukturierte Oberflächen unterschiedlichen Charakters. Fleischigwulstig zieht er die pastose Ölfarbe über die Kanten, straff spannt er das Acrylgel wie gerippte Matten über die Flächen, ohne in eine Uniformität im Farbton und in der Bewegungsspur zu verfallen. Bei den transparenten Lasuren in Öl schimmert der glänzende Malgrund durch und verleiht den rhythmischen Gesten eine spielerische Leichtigkeit. Mit dieser Strategie ist Martin fest in der Tradition monochromer und gestischer Malerei verankert und liefert keinen innovativen Ansatz, wohl aber einen soliden Beitrag zur Erforschung der Farbe als Malkörper. Vollends voluminös und Raum in Besitz nehmend ist das neunteilige Tableau aufgeblasener Kissen. In diesem Sinn hat seine Arbeit eine eminent physische Komponente: der Betrachter steht vor der Aufgabe, das Spiel des Lichts auf den Wellen und Graten und mit den reflektierenden Oberflächen im fortwährenden Wechsel der Positionen vor dem Bild auszuloten. Als Vorschau auf eine Präsentation in der Pariser Galerie, die am 20. April eröffnet wird, sind aus einer Serie eine Reihe feiner, kleiner Bilder aus dem Nachlass von Andy Warhol zu sehen, die in diesem Umfang noch nie gezeigt wurden: "Human Hearts", "Diamond Dust" und "Candy Boxes", um 1980 herum entstanden, bieten unterschiedliche Zugänge zum Thema Herz. Medizinische Fotos, im Siebdruck schwarz über Farbemotionen gedruckt, glamouröse Reduktionen auf ein Symbol im Wechsel von Positiv und Negativ und schwarzweiß konterkarierte emotionale Gefühlsboxen sind ein hochkarätiges Beispiel für Andy Warhols Gespür, Facetten eines Lebensgefühls auf den Punkt zu bringen. (Bis 11. Mai) WOLFGANG RICHTER
|