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Flatz erregt in Florenz Aufsehen

Vatikan-Museen haben aber Interesse an seiner Kreuzes-Darstellung bekundet.

CHRISTA DIETRICH

christa.dietrich@vn.vol.at, •72/501-225

Florenz (VN) Sich als Christus darzustellen ist - betrachtet man die Kunstgeschichte - nichts Außergewöhnliches. Der berühmte Belgier James Ensor (1860Ö1949) hat es beispielsweise getan oder auch der Österreicher Richard Gerstl (1883Ö1908). Wenn der Vorarlberger Künstler Flatz nun seinen Körper für eine Kreuzes-Darstellung zur Verfügung stellt, hat das allerdings nichts mit dieser Tradition zu tun. Flatz, seit den 70 er-Jahren im Kunstgeschehen präsent - hat den eigenen Körper immer schon als Material verstanden. Ihn etwa im Rahmen von Aktionen malträtiert, um die Gesellschaft mit ihrer Gewaltbereitschaft zu konfrontieren, ihn als "Physical Scultpure" aufgeladen und der Interpretation der Betrachter überlassen. Wenn er sich dabei selbst ins Schussfeld stellte (beispielsweise als Zielscheibe für ein Dart-Spiel, die Zuschauer in Aussicht auf eine Gewinnsumme wirklich bewarfen), hat das immer auch Gegenwehr hervorgerufen.

Ähnlich ergeht es Flatz jetzt. Für das Pecci-Kunst-Zentrum in Prato bei Florenz hat der Vorarlberger Christoph Bertsch, Professor an der Universität Innsbruck, gemeinsam mit weiteren Kuratoren

einen spannenden Einblick in das österreichische Kunstschaffen der letzten Jahrzehnte zusammengestellt.

Faschismus und Kirche

Flatz ist dabei, präsentiert das, worauf der Großteil seiner Arbeiten beruht, nämlich auf die Auseinandersetzung mit dem Faschismus und dem Katholizismus. Flatz gelingt das so stringent, dass ihm dafür der erste Raum zur Verfügung gestellt wurde. Man sieht die Werkserie "Zwei Österreicher oder Geschichte bedingt Interpretation" (1976), für die er Hitler-Posen auf nicht autorisierten Fotografien selbst imitierte und sie diesen gegenüberstellt. Stilisierungen, wie sie Machthaber betreiben, will er hinterfragen.

Mit der Beschönigung des Kreuzestodes Christi hat er sich lange vor dem Film-Schocker "The Passion" von Mel Gibson auseinandergesetzt. Wobei Flatz, der dem Christentum zwar kritisch, aber keineswegs ablehnend gegenübersteht, andere Motive als Gibson (der antisemitisch agiert) leiten. In der Fotoarbeit "Superstar" aus dem Jahr 2001 tritt er ebenfalls gegen Stilisierung an, verwendet seinen Körper erneut als Material, an dem die Wundmale auf drastisch-realistische Art zu sehen sind und erntete in Deutschland bereits Anerkennung. Übrigens auch von Vertretern der Vatikanischen Museen, die den Ankauf der Serie in Betracht ziehen. Nur italienische Medienvertreter haben die Leuchtkästen (immerhin erreichen sie eine Gesamthöhe von fünf Metern) nun zum Teil irritiert. In der Presse sah sich Flatz zuletzt in eine Diskussion über das generelle Verbot von Kreuzes-Darstellungen in öffentlichen Gebäuden Italiens involviert.

Ob die Arbeit in Vorarlberg, wo Flatz im Jahr 2003 die Installation "Heimweh" realisierte, zu sehen sein wird, steht noch nicht fest. Geklärt ist jedoch, dass Flatz - stets mit einem von ihm geretteten Boston Bullterrier unterwegs - einen weiteren Auftritt in seiner Heimat plant.

Die Ausstellung "Opera Austria" im Zentrum für zeitgenössische Kunst Luigi Pecci in Prato bei Florenz ist bis 28. Mai geöffnet. Ein Katalog wurde von der Edition Medicea in Florenz und dem Studienverlag Innsbruck herausgebracht.

STICHWORT

Künstler Flatz

. . . wurde 1952 in Dornbirn geboren. Nach einer Gold- und Silberschmiedlehre studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in München.

Nach zahlreichen Ausstellungen und Kunstaktionen (in denen es u. a. um die Gewaltbereitschaft unserer Gesellschaft geht) erhält er ab den 90 er-Jahren mehrere Lehraufträge an zahlreichen Hochschulen und Universitäten in Deutschland, Österreich und in Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Im Jahr 1992 wurde er zur Weltkunstschau "documenta" in Kassel geladen.

Ich sehe mich keineswegs in der Tradition, in der sich Künstler als Christus darstellen.

KÜNSTLER FLATZ

Medienvertreter meinten, dass Österreicher schockieren wollen, Vertreter des Vatikans sehen das Werk positiv.

KURATOR CHRISTOPH BERTSCH

"Heimweh" hieß eine Arbeit - samt Gipfelkreuz, die Flatz 2003 in einer ehemaligen Fabrikshalle in Dornbirn realisierte. (Foto: Miro)

Fünfteilige Arbeit "Superstar" von Flatz. (Foto:Flatz/Bertsch)




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