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08.04.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung
Stürzen, aber mächtig
VON ALMUTH SPIEGLER
Liechtenstein Museum. Waldmüller, Rottmayr, Bronze.

E
rst habe er die Fotos gar nicht her zeigen wollen, erzählt Johann Kräft ner, Direktor des Liechtenstein Mu seums. So erschreckend devastiert erschien das mächtige Deckenfresko "Der Sturz der Giganten" von Barockmeister Johann Michael Rottmayr, als es nach 200 Jahren Schattendasein unter dem großformatigen Ölgemälde Bernardo Belluccis im westlichen Stiegenhaus auftauchte. Im 19. Jahrhundert war es vermutlich durch einen Wasserschaden beschädigt worden.

Vor vier Jahren, als Fürst Hans Adam II. das Gartenpalais als Museum wiedereröffnete, wurde dann der Wiener Restaurator Herbert Schwaha mit einer Totalrekonstruktion beauftragt. Jetzt ist auch dieses frühere der beiden Stiegenhaus-Fresken, eineinhalb Jahre nach seinem östlichen Pendant "Triumph des militärischen Geistes", wieder in voller Dramatik erlebbar. Ein ganz und gar nicht kleines Trostpflaster für die eingeschworene Fangemeinde des Hauses, die seit April mit reduzierten Öffnungszeiten (siehe Info-Kasten) leben muss. Aber da helfen keine Seufzer, nur mehr Besucher.

Wenigstens die Kauflust des fürstlichen Geldgebers scheint weiterhin ungebrochen, sein Sammlungsdirektor Kräftner kann wieder zwei prächtige Neuerwerbungen präsentieren: eines der bedeutendsten Werke der Silberschmiedekunst, eine reichst verzierte vergoldete Taufgarnitur, die der Augsburger Ulrich Schönmacher um 1570 für die Familie Herberstein schuf. Und das Waldmüller-Gemälde "Die unterbrochene Walfahrt", das Kräftner November letzten Jahres im Dorotheum ersteigert hat. Um den Rekordpreis von 1,32 Millionen Euro.

Statt der Caravaggio-Ausstellung - wesentliche Leihgaben waren zurückgezogen worden - setzt das Liechtenstein Museum jetzt auf um einiges Spröderes. Auf den ersten Blick allerdings nur. Denn die über 40 Bronze-Plastiken aus der Sammlung des zurzeit wegen Renovierung geschlossenen Rijksmuseum Amsterdam bilden ein feinsinniges Kunstkammer-Stück voll Rätselhaftigkeiten. Besonders der Vergleich mit der repräsentablen hauseigenen fürstlichen Bronzesammlung ist reizvoll, verdeutlicht er doch den bürgerlichen Charakter der kleinen niederländischen Figuren, die aus unterschiedlichem Privatbesitz ins Museum kamen.

Besonders eindrucksvoll sind die ältesten Exponate der Schau, zehn an der Schwelle von Gotik zu Renaissance entstandene "Trauernde", die um 1475 das Grab von Isabella von Bourbon in Antwerpen umstanden haben. Ergänzt mit sorgfältig ausgewählten Tapisserien und Gemälden, in denen sich wie in Suchbildern hier ein Satyrkopf, dort ein Ornament der davor aufgebauten Bronzearbeiten wiederholen, soll allerdings vor allem das stilistische Zusammentreffen von Nord und Süd, von der dominanten italienischen Tradition und der aus den Niederlanden, Deutschland und Österreich vorgeführt werden. Mit zwei klingenden Namen als Klammer: Giambologna und Adrian de Fries.

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