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| 06.05.2006 - Spectrum / Literatur | ||
| Gilbert Bretterbauer: o.t. teppich | ||
| Von Katharina Riese | ||
| Den Maserati mit rosa Lack übergießen. Bretterbauers poetischer Blick auf die Kunstszene. | ||
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Das groß angelegte Schreibpro jekt (Klappentext) "o. t. tep pich" ist ein dickes Buch. Gil bert Bretterbauer hat bei seinem zweiten Seitensprung von der bildenden Kunst in die Literatur eine Gratwanderung zwischen Konzept- und Erzählkunst angetreten. Für die einen wird der Text prima vista vielleicht zu sperrig, für die anderen vielleicht zu gesprächig sein. Anzuraten ist die Lektüre dieses Buches allemal, jedoch sei zur Warnung gesagt, dass dieses Buch jedes Schnelllesen vereitelt. Wer keine Zeit hat, sollte erst gar nicht damit anfangen. Nur wer bereit ist, sich auf eine Geduld erfordernde Lesearbeit einzulassen, wird belohnt durch einen Panoramablick auf unsere Zeit und ihre Fragen, ohne Mangel an Kurzweil, Poesie, Schärfe und Tiefe. Die Tagebuchaufzeichnungen des Text-Ichs, eines bildenden Künstlers, zu dessen Kunstobjekten sein Körper ebenso zählt wie seine Weltsicht, seine Objekte, Installationen und Performances und nun auch seine Texte, sind das Material, aus dem Gilbert Bretterbauer in einem Recycling- und Montage-Verfahren Prosa generiert. Seine langjährige Erfahrung als bildender Künstler erlaubten einen Start auf hohem technischen Niveau. Der Unterschied zwischen Stoff (Textil) und Stoff (Erzählinhalte) erwies sich als nicht allzu groß. Das Zerreißen und das Zusammennähen, das Positionieren und Aussetzen seiner Textilobjekte, die Dokumentationsarbeit auf Fotos, Video, ihre Speicherung im Computer, all diese Arbeitsschritte, von denen uns in "o. t. teppich" erzählt wird, erweisen sich für die Herstellung einer Textfläche als ebenso dankbar in der Anwendung. Mit zwei weiteren, rein literarischen Stilmitteln, beides
Reduktionen, erreicht der Autor erstaunliche Ergebnisse. Er verzichtet auf
Erklärungen und lässt die Eigennamen der Personen weitgehend weg und
ersetzt sie durch ein Referenzsystem. Das klingt komplizierter als es ist:
"von seiner frau hat sich der künstler, der einerseits den blauen maserati
seinem freund borgt, andererseits den dunkelroten maserati mit rosa lack
übergießt und drittens eine ducati in ein heilbad taucht, getrennt. Die
jetzt von ihrem mann und der langjährigen beziehung zu ihm getrennte frau,
reist kommende woche für ein monat nach san diego zu dem aus serbien
stammenden paar." Das Ergebnis ist ein apartes Werk, das einen langen, nachdenklichen und poetischen Blick auf die heutige Kunstszene wirft. Texte über Japan, Kalifornien, New Mexico, das Waldviertel, Schicksale der Weggefährtinnen, die Kinder, seine und die der anderen, werden in diesen großen Teppich eingewoben. Wir erleben den Kunstmarkt als das übermächtige Diktat im Sinn von extra ecclesiam nulla salus. Ins Bild kommt so ziemlich alles, was trendy war und ist, buddhistische Mönche, die eine saubere Küche als Basis eines erfüllten Lebens sehen, der Zauber der Menschen, der Jahreszeiten und der Landschaften, die Abstürze und Untergänge von geliebten Menschen. Die Tatsache, dass Konsequenz im Widerstand schließlich die höchsten Preise am Kunstmarkt erzielt, wird verwoben mit grellen Miniaturen über Kauflust und fleischliche Gelüste auf, unter und neben Designermöbeln - in und ohne Modelabels auf der Haut. Gilbert Bretterbauer: o.t. teppich. 354 S., brosch., € 26
(SCHLEBRÜGGE.EDITOR, Wien) |
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