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| 03.07.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Meyer Kainer: Tom Cruise im Netz - Martin Janda: Spiderman i. d. Stadt | ||
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Die früheren Gemälde von Sarah Morris ließen automatisch
an Hochhausfassaden denken. Angesichts ihrer geometrisch strukturierten
Farbfeldmalerei kamen einem Mies van der Rohes Glasbauten in den Sinn, in
denen sich deren Umfeld bunt spiegelt. Die neuen Bilder der enorm
erfolgreichen Londonerin gehen stärker in Richtung kristalline Formen.
Höchstwahrscheinlich wurden die bedächtig komplexen Muster am Computer
entworfen. Mit ihren Titeln legt Morris Fährten aus: Das quadratische, in
Lackfarbe gemalte Großformat "Robert Towne [Los Angeles]" (80.000 €)
erinnert an den Drehbuchautor von atemlosen Filmen wie "Bonnie and Clyde"
oder "Frantic". Hat sich die 1967 geborene Malerin auch farblich an diesen
Streifen orientiert? Ein bisschen Retro scheint schon im Spiel zu sein.
Auch für "China Town" (60.000 €) und ihre raumumlaufende Wandmalerei "The
Firm [Los Angeles]" (150.000 €) greift Morris auf Towne zurück. In den
populärkulturell gesättigten Bezügen dieser Bilder geistern also Jack
Nicholson und Tom Cruise herum, die in undurchsichtigen kriminellen
Netzwerken unterzugehen drohen. Die Schau hat mit Zeichnungen auch
diskretere Arbeiten von Morris zu bieten, die ab 7000 Euro erhältlich
sind. Für den reißenden Absatz dieser Kunst dürfte gelten: Kein
Bürohengst, der von Morris' poppigen Rastern nicht angetan wäre, kein
Schreibtisch, über dem so ein glänzender Schinken nicht fesch aussieht.
(Bis 29. Juli, Eschenbachg. 9/11, Wien 1) Martin Janda: Spiderman i. d. StadtWenn sich Jakob Kolding seinem Hauptthema Stadt nähert,
dann geht er vor allem den Schattenseiten von Beton-Glas-Klötzen nach.
Selbst aufgewachsen in einer auf der Basis von utopischen Theorien
gebauten Trabantensiedlung, spricht er die sozialen Auswirkungen moderner
Architektur an. Dabei tritt der dänische Künstler, Jahrgang 1971, nicht
als Rechercheur gesellschaftlicher Missstände auf. Koldings Collagen
zeigen eine Jugendkultur, die sich die tristen Vorstädte aneignet. In
seinen stets schwarz-weiß gestalteten Papierarbeiten bringt er
architektonische Versatzstücke, Skater und Breakdancer sowie
ausgeschnittene Parolen sehr gekonnt auf weiße Blätter. Er versteht es,
mit minimalen Mitteln einen Raum in die Fläche zu zaubern. Macht die
Jugend einfach das Beste aus ihrem verpfuschten Umfeld oder bieten die
leeren Betonflächen gerade die optimalen Bühnen für eine sich abgrenzende
Jugendszene? Kolding scheint das Scheitern urbanistischer Hoffnungspläne
weniger zu bedauern als neue Potenziale darin auszumachen. Neben
Papierarbeiten in unterschiedlichen Größen (600 bis 6000 €) zeigt er in
seiner aktuellen Schau große Fotocollagen. Auf einem dieser Prints gesellt
sich Spiderman zu zwei Jungs, im Hintergrund sind Stadtpläne zu sehen und
eine Sprechblase erzählt über Testverfahren in Modellform. Zur Ausstellung
gehören auch vom Künstler aus Holz und Papier gebastelte Miniaturstädte.
Eine steht auf sicherem Boden, die andere auf der Stiege zum ersten Stock
- der Betrachter muss aufpassen, nicht auf die Kleinbauten und -figuren zu
trampeln. (Bis 22. Juli, Eschenbachgasse 1/2, Wien 1) Nicole Scheyerer
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